30 Jahre Venturi - Sportwagen made in France

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- 650 Fahrzeuge bis zur Krise im Jahr 2000
- kraftvolle Sportwagen mit V6-Motoren
- seit 2001 Konzentration auf Elektrosportwagen

 


1984 tauchte auf dem Pariser Autosalon ein Fahrzeug auf, mit dem die wenigsten Experten gerechnet hatten: Eine kleine Sportwagenmarke, die vom ex-Alpine- und -Heuliez-Mitarbeiter Claude Poiraud und Gérard Godfroy, ebenfalls von Heuliez, im westfranzösischen Cholet gegründet worden war, zeigte erstmals ein Fahrzeug. Die Marke hörte auf den sperrigen Namen "Manufacture de Voitures de Sport", kürzte sich der Einfachheit halber auf "MVS" ab und nannte das Erstlingswerk "Ventury". Anfänglich waren nur zwei Exemplare für die beiden Firmengründer geplant, aber die positiven Meinungen der Messebesucher gaben den Anlass zur Produktionsplanung. In den folgenden zwei Jahren wurde der Prototyp serienreif entwickelt und der Markenname gegen den bisherigen Modellnamen getauscht: Ab 1986 firmierte man unter "Venturi". Zusätzlich wurde der Plan fallengelassen, auf quer eingebaute Vierzylinder-Motoren wie den des Golf GTI mit rund 130 PS zu setzen. Mehr Leistung sollte her.

Die Produktion begann ab 1987 in den Räumlichkeiten von Rondeau in Le Mans und umfasste anfänglich ein Sportcoupé, dessen Antrieb durch den berühmten PRV-V6-Motor mit Turboaufladung in Längsposition übernommen wurde. Dieser war hinter den Passagieren verbaut und leistete anfänglich 200, später bis zu 260 PS. Viele technische Komponenten stammten von französischen Großserienfahrzeugen, beispielsweise das Fahrwerk vom Peugeot 205 GTi. Den Spurt auf Tempo 100 legt das Venturi Coupé in 6,9 Sekunden zurück.
 
Das Urmodell wurde bis 1996 in unterschiedlichen Leistungsstufen und mit nur wenigen optischen Änderungen angeboten. Parallel wurde die Modellpalette 1988 durch das Klappdach-Cabrio Transcup und 1995 durch den 300 Atlantique ergänzt. Letzterer war ein etwas größeres Sportcoupé mit 281 bis 380 PS aus einem V6-Biturbo-Triebwerk von Renault. Auf ihm basierte schließlich auch der 400 GT, mit dem Venturi auch in der BPR-GT-Rennserie und bei den 24 Stunden von Le Mans unterwegs war. Optisch erinnert der 400 GT mit seinem breiten Heckflügel ein wenig an einen F40, hat jedoch nur 408 PS unter der Haube. Er ist der erste Seriensportwagen mit serienmäßigen Carbon-Bremsscheiben. In Rennspezifikation als 600 LM standen bis zu 500 Pferdestärken zur Verfügung. Diese wurden sowohl in der BPR-Serie als auch in der Venturi Gentlemen Driver's Trophy genutzt, wo bis zu 75 Fahrer gegeneinander antraten. Auch in der Formel 1 war Venturi zusammen mit Larrousse 1991 kurz vertreten und fuhr dort mit Cosworth-Motoren.

1990 zog die Produktion noch weiter nach Westen in die Kleinstadt Couëron nahe Nantes. Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten, ausgelöst durch weltweite Finanzkrisen, wechselte die Marke 1994, 1996 und 1998 den Besitzer, konnte allerdings schlussendlich nicht gerettet werden. Im Februar 2000 erfolgte die Liquidation. Laut den Fertigungsbüchern entstanden zwischen 1986 und 1999 exakt 650 Fahrzeuge.

Während die Produktion der bisherigen Sportwagen abgesehen vom 300 Atlantique (wurde bis Ende 2001 in Nizza gefertigt) beendet wurde, lebte die Marke Venturi durch den monegassischen Geschäftsmann Gildo Pallanca Pastor weiter. Dieser kaufte die Markenrechte und verkündete eine Neuausrichtung auf Elektrosportwagen. Hierzu präsentierte er 2001 den Fétish als Studie. Zudem betätigte man sich für den PSA-Konzern als Umrüster des Nutzfahrzeugs Partner/Berlingo zum Elektroauto für die französische Post.

2003 ging der Fétish Roadster in Kleinserie. Bei einem Grundpreis von rund 600.000,- € hielt sich die Verbreitung jedoch in engen Grenzen. Da half auch der medienwirksame Auftritt des Prototyps im Rahmen des Formel-1-Grand-Prix in Monaco nicht. Fünf Jahre später rollte der Volage als Prototyp auf die Messebühne, der optisch in der Frontalansicht den Fétish zitierte, jedoch als spartanisches Coupé mit vier Radnabenmotoren gestaltet war. Der Wagen nahm erfolgreich an der Michelin Challenge Bibendum für Elektrofahrzeuge teil, ging jedoch nicht in Serie. Mit dem Solar-Prototyp Eclectic und dem Solar-Hybrid-Fahrzeug Astrolab wurden in den Folgejahren weitere Studien präsentiert, bevor 2012 der Elektro-Dünen-Buggy America debütierte. Dieser ging in diesem Jahr nach dem Pariser Autosalon in eine Kleinserie von 25 Exemplaren.

Venturi Automobiles betätigt sich weiterhin immer wieder im Rennsport. 2006 baute man auf Basis der letzten Atlantique-Rohkarossen den Héritage GT3 für die FIA-GT3-Meisterschaft auf. Gemeinsam mit der Ohio State University stellt man seit 2009 immer wieder Geschwindigkeitsweltrekorde für Elektrofahrzeuge auf - für kommendes Jahr sind 700 km/h angestrebt. Zudem betätigt man sich in der neu eingeführten FIA Formel E.

Quelle: Venturi (7 Bilder) und Matthias Kierse (3 Bilder)

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