BMW M1 - Einer von 453 bei Jan B. Lühn

Geschrieben von Matthias Kierse. Veröffentlicht in Klassiker

- Sportwagenprojekt der 1970er Jahre
- gedacht für die Rennklasse Gruppe 4
- durch Probleme zu späte Homologation
- einziger BMW-Mittelmotorsportwagen
- schönes Exemplar bei Jan B. Lühn
 


Entwicklung mit Hindernissen
Ab 1976 entwickelte man bei BMW ein Fahrzeug ohne wirklichen Vorgänger - und am Ende auch ohne Nachfolgemodell. Unter dem Kürzel E26 entstand ein Mittelmotorsportwagen, dessen Design sich in diversen Bereichen am 1972er Konzept Turbo orientierte, der von BMW-Chefdesigner Paul Bracq stammte. Für das Design des neuen Fahrzeugs beauftragte man jedoch Giorgio Giugiaro mit seiner Firma Italdesign. Nachdem die finale Form feststand lagerte man die Entwicklung des fertigen Fahrzeugs zu Lamborghini nach Italien aus, wo ursprünglich auch die Produktion erfolgen sollte. Allerdings befand sich die italienische Sportwagenmarke in einer tiefen Finanzkrise und konnte die Fertigungslinie nicht errichten. So wurde die Entwicklung zur rund 15 Kilometer entfernten Firma Italengineering ausgelagert, doch auch dort konnte die Produktion nicht erfolgen. So baute Italdesign den Rahmen mit den Karosserieteilen zusammen und lackierte alles im gewünschten Farbton.
 
BMW suchte längere Zeit nach einem geeigneten Partner für die Komplettierung und wurde schließlich bei Baur in Stuttgart fündig. Dort erhielt der Wagen alle technischen Komponenten und das Interieur. Man gründete eigens für Entwicklung und Produktion die BMW Motorsport GmbH, heute als M GmbH weltbekannt. Aufgrund der durch diese Umstände verlängerten Entwicklungszeit rollte erst 1978 der erste BMW M1 vom Band. Dies verlängerte auch die Zeit bis zur Homologation des Wagens für den Motorsport, wo BMW ihn eigentlich in der Deutschen Rennsportmeisterschaft einsetzen wollte. Aufgrund von Reglementsänderungen ab der Saison 1977 trumpften hier jedoch vermehrt turboaufgeladene Fahrzeuge auf, während der M1 mit einem reinen hochdrehenden Saugmotor ausgerüstet war. Am Ende nutzte man den Wagen fast ausschließlich in der hauseigenen Procar-Meisterschaft, die im Rahmenprogramm der Formel 1 ausgetragen wurde.

Gitterrohrrahmen, Kunststoffkarosserie, Reihensechszylinder
Aufbauend auf einem Gitterrohrrahmen erhielt der M1 seine eigenständig geformte Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die zwar diverse Teile aus dem BMW-Teileregal nutzt, diese jedoch gut zu verstecken weiß. Einzig die Rückleuchten der damaligen 6er Reihe sind auf Anhieb erkennbar. Vorne wurden aufgrund der Zulassungsvorschriften einiger Länder Klappscheinwerfer notwendig, da ansonsten die vorgeschriebene Leuchtenhöhe nicht erreicht worden wäre. Im Gegensatz zum Turbo Concept erhielt der BMW M1 konventionelle Türen. An der großen Motorhaube im Heck, die auch den Zugriff auf den kleinen Kofferraum erlaubt, finden sich gleich zwei BMW Logos.
 
Unter dieser Haube findet sich ein 3,5 Liter großer Reihensechszylindermotor mit 204 kW/277 PS und 330 Newtonmetern Drehmoment. Ab Werk gab man den M1 mit einer Beschleunigungszeit von 5,6 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und einer Höchstgeschwindigkeit in Höhe von 262 km/h an. Damit war das Münchner Mittelmotorfahrzeug für einige Jahre der schnellste Sportwagen aus deutscher Produktion. In der Procar-Version brachte das Triebwerk 345 kW/470 PS auf die Kurbelwelle und beschleunigte den Renner in 4,5 Sekunden auf 100 km/h.

453 Exemplare gebaut, rund 50 davon für Procar-Serie
Trotz der interessanten Procar-Rennen, bei denen die ersten fünf Startplätze an die im Formel-1-Qualifikationstraining bestplatzierten Piloten gingen, blieb die Nachfrage nach dem straßentauglichen BMW M1 weit hinter den Erwartungen zurück. So erreichten die Bayern erst 1981 die für die Rennhomologation in der Gruppe 4 so wichtige Produktionszahl von 400 Fahrzeugen. Auf privater Basis gelangten dennoch einige M1 in die DRM und sogar zu den 24 Stunden von Le Mans, wo zuletzt 1986 ein M1 im Feld gesichtet wurde. In den USA dominierte 1981 ein M1 die IMSA-GTO-Serie. Zudem entwickelte der britische Rennfahrzeughersteller March einen Silhouetten-Rennwagen, dessen Form klar an den M1 erinnerte, dessen Triebwerk jedoch mittels Turboaufladung auf bis zu 850 PS kam. Das wertvollste Exemplar der M1-Renngeschichte ist indes ohne Zweifel das von Andy Warhol gestaltete Art Car.

Insgesamt entstanden 453 Exemplare des BMW M1 plus drei nachträglich komplettierte Autos nach Produktionsende. Davon erhielten 98 eine Lackierung in Orange. Daneben gab es ab Werk die Farben Weiß, Rot, Blau und Grau sowie je zwei Fahrzeuge in Silber und Schwarz. Einer der orangefarben lackierten M1 steht nun beim Klassikerhändler 'Jan B. Lühn' im Münchner Showroom und wartet auf einen neuen Kunden. Nach seiner Erstauslieferung in Belgien an einen jordanischen Diplomaten ging der Wagen 1987 nach Großbritannien und anschließend für drei Jahre in die USA. Nach der Rückkehr nach England ging der Wagen 1994 zu einem Langzeitbesitzer in Spanien. Der aktuelle Besitzer erwarb das Auto 2015 und ließ es bei BMW Classic in München komplett warten und reparieren, was zu einer Rechnung von über 55.000,- € führte. Dabei erhielten Getriebe und Motor neue Dichtungen, Kolben und Lager sowie eine neue Kupplung, die Bremsen und Bremsleitungen wurden ersetzt, die Klimaanlage erneuert und der Unterboden- und Hohlraumschutz mit Fett von Mike Sanders aufgefrischt. Zudem wurden beide Sitze neu bezogen, was auf den oben gezeigten Bildern noch nicht zu sehen ist.

Hervorragendes Exemplar bei Jan B. Lühn in München
Bei der anschließenden Bewertung durch die Experten von BMW Classic erhielt der Wagen 980 von 1.000 möglichen Punkten. Nach BMW-Richtlinien entspricht dies dem Zustand 1,1. 27 Jahren hat dieser M1 lediglich knapp unter 63.000 Kilometer zurückgelegt, ist aber nach der gründlichen Durchsicht nun mehr als bereit für weitere Reisen und Ausfahrten. Interessenten können sich an Jan B. Lühn wenden, erreichbar unter anderem über die Homepage www.janluehn.com. Der Preis für diesen wunderschönen Sportwagen, der im Münchner Showroom des Händlers bereitsteht, beträgt 695.000,- €.
 
Technische Daten
Motor R6-Saugmotor
Hubraum 3.453 ccm
Leistung 204 kW/277 PS
Drehmoment 330 Newtonmeter
0-100 km/h 5,6 Sekunden
Vmax 262 km/h
Getriebe 5 Gänge manuell
Leergewicht 1.300 kg
Länge 4.359 mm
Breite 1.824 mm
Höhe 1.138 mm
Radstand 2.560 mm

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Quelle: Jan B. Lühn