Auktion: Aston Martin DBR1 bei RM Sotheby's

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- Berühmter Rennwagen von Aston Martin
- diverse Einsätze zwischen 1956 und 1963
- u.a. Sieg bei 1.000-Kilometern Nürburgring
- erst mit 2,5-, dann mit 3-Liter-Sechszylinder
- Versteigerung bei RM Sotheby's in Monterey
 
 
In den späten 1950er Jahren entstanden unter David Brown bei Aston Martin erstmals vollwertige Rennfahrzeuge für die Sportwagen-Weltmeisterschaft. Brown hatte die Automarke 1947 gekauft und träumte von einem Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Nach einigen Anläufen mit leicht veränderten Sportwagen auf Basis von DB2 und DB3 sowie dem DB3S entstand mit dem DBR1 ein wahrer Gegner für die Werksrennwagen von Ferrari, Maserati und Jaguar. Es blieb beim drei Liter großen Reihensechszylindermotor, der nun jedoch mit einem Fünfgang-Transaxle-Getriebe verbunden wurde. Vorn blieb es bei einer transvers verbauten Torsionsstabfederung, während hinten längs verbaute Torsionsstäbe, Watt-Verstrebungen und Querstreben anstelle der zuvor verwendeten, zentral aufgehängten DeDion-Achse verbaut wurden.

DBR1/1 wurde 1956 fertiggestellt
Der erste Aston Martin DBR1 stand 1956 auf seinen Rädern und erinnerte optisch noch ein wenig an einen weiterentwickelten DB3S. Für die Folgesaison ließen die Briten Erkenntnisse aus den ersten Einsätzen ins Design einfließen und veränderten die Karosserie auf einen ovalen Kühlereinlass und weniger stark ausgeformte Kotflügel. Unter der Haube erstarkte der Sechszylindermotor über zwei Weber-Dreifachvergaser auf 252 BHP (rund 256 PS). 1958 kletterte dieser Wert nochmals ein wenig auf 258 BHP (rund 262 PS).
 
Bereits 1956 hatte das Werksteam den neuen DBR1 nach Le Mans geschickt, wo er 20 Stunden lang aussichtsreich unterwegs war, bevor die Radlager fraßen und der Ausfall nicht mehr zu vermeiden war. Es folgten erste Erfolge bei der British Empire Trophy und dem BARC Osterrennen in Goodwood, wobei DBR1/1 bei all diesen Rennen reglementsbedingt mit einem 2,5 Liter großen Triebwerk antreten musste. Erst im Mai 1957 erfolgte die Rückrüstung auf den Drei-Liter-Motor. So erzielte man gemeinsam mit dem Schwesterfahrzeug DBR1/2 einen Doppelsieg in Spa-Francorchamps und einen sechsten Platz beim 1.000-Kilometer-Rennen am Nürburgring, wo DBR1/2 ebenfalls den Gesamtsieg erzielte. In Le Mans fielen indes beide Wagen mit technischem Defekt erneut aus.

Renneinsätze bis ins Jahr 1963
Für die Rennsaison 1958 passte die Motorsportbehörde den maximalen Hubraum für die große Sportwagenklasse auf drei Liter an, was Aston Martin sehr entgegenkam. Allerdings blieb den Briten zumindest beim 12-Stunden-Rennen in Sebring das Pech treu, als beide Werkswagen ausfielen. Dafür wiederholten Jack Brabham und Stirling Moss in DBR1/3 den Gesamtsieg bei den 1.000 Kilometern vom Nürburgring. In Le Mans fielen alle drei DBR1 erneut aus, um dann bei der Tourist Trophy in Goodwood einen überragenden Dreifachsieg einzufahren. Nach vollen neun Jahren, in denen Aston Martin vergeblich versucht hatte Le Mans zu gewinnen, beschlossen die Verantwortlichen des Werksteams den DBR1 1959 nur dort einzusetzen. Trotz dieser Entscheidung trat DBR1/1 testweise in Sebring an und fiel mit Kupplungsschaden aus. Dafür errangen Stirling Moss und Jack Fairman einen erneuten Gesamtsieg mit dem Wagen beim 1.000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring, wobei Moss unterwegs allein 16-mal den Rundenrekord unterbot. Dieses Rennen war zudem der letzte Werkseinsatz des DBR1/1. Mit dem Schwesterfahrzeug DBR1/2 gelang endlich der Sieg in Le Mans und insgesamt der Gewinn der Sportwagenmeisterschaft 1959.
 
DBR1/1 ging anschließend unter privater Nennung des Essex Racing Stable 1961 und 1962 bei den 1.000 Kilometern vom Nürburgring an den Start - wobei Jim Clark und Bruce McLaren im ersten Jahr auf Rang vier ausfielen und McLaren mit Tony Maggs im Folgejahr den vierten Gesamtrang einfuhren. Kurz darauf verkaufte Aston Martin den Wagen an John Dawnay, der später lange Zeit Präsident des Aston Martin Owners Club (AMOC) war und seinen Bruder James Dawnay, die den Wagen bis zu einem Unfall in Silverstone 1963 einsetzten. Glücklicherweise wurde die originale Karosserie nicht verschrottet, lag dafür jedoch für rund 12 Jahre ungenutzt bei den Spezialisten von Richard Stewart Williams (RSW Ltd.), ehe anhand der Formen von DBR1/2 eine neue Frontpartie erstellt wurde.

Einer der wichtigsten Wagen der Firmengeschichte
Nachdem der Wagen endlich wieder komplettiert wurde, erreichte Mike Salmon hinter dessen Steuer diverse Erfolge in der Lloyds and Scottish Historic Car Championship des AMOC in den frühen 1980er Jahren. Er behielt den berühmten Rennwagen bis ins Jahr 2000 und verkaufte ihn dann an den amerikanischen Sammler John McCaw, der ihn 2009 an den heutigen Besitzer weiterverkaufte. Da der originale Rennmotor als einer von nur sieben produzierten inzwischen als zu wertvoll für den Rennsport gilt, ließ man bei RSW Ltd einen Nachbau nach exakten Spezifikationen aufbauen. Dieser bringt es aufgrund moderner Fertigungstechniken auf 302 BHP (rund 306 PS). Seit 2010 ist der Wagen regelmäßig beim Goodwood Revival mit Brian Redman hinter dem Steuer zu sehen. Zudem fuhr Sir Stirling Moss 2013 mit DBR1/1 während der Jubiläumsveranstaltung von Aston Martin um die Nordschleife.
 
Im Rahmen der RM Sotheby's Auktion in Monterey rollt der Aston Martin DBR1 mit Chassisnummer DBR1/1 nun auf die Auktionsbühne, um möglicherweise einen neuen Besitzer zu finden. Als einer von fünf gebauten Wagen diesen Typs und mit der genannten langjährigen Rennhistorie in den Büchern gehört er zweifelsfrei zu den wichtigsten Fahrzeugen der Aston-Martin-Firmengeschichte. Entsprechend hoch dürfte der eventuelle Zuschlagspreis ausfallen, falls es genügend Interessenten gibt. RM gibt das Estimate leider nicht öffentlich an.

Hier geht es zum Auktionstext des Aston Martin DBR1: http://rmsothebys.com/mo17/monterey/lots/1956-aston-martin-dbr1/1704221
Und hier finden Sie den kompletten Auktionskatalog von RM Sotheby's: http://rmsothebys.com/lots/?salecode=MO17&sort=lot

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Quelle: RM Sotheby's, Tim Scott (21 Fotos)