30 Jahre Ferrari F40 - Enzos letzter Sportwagen

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- Erster Jubiläums-Sportwagen von Ferrari
- letztes Projekt unter Gründer Enzo Ferrari
- Weltpremiere am 21.07.1987 in Maranello
- Preisexplosion nach Tod des Patriarchen
- Erinnerungen von drei beteiligten Personen
 
 
Am 21. Juli 1987 rief Ferrari die wichtigsten Vertreter der weltweiten Automobilpresse zu einer Veranstaltung in Maranello zusammen. Anlässlich des 40-jährigen Markenjubiläums stellten Firmengründer Enzo Ferrari und sein Sohn Piero einen neuen Supersportwagen unter dem Kürzel F40 vor. Ob Enzo ahnte, dass es das letzte Fahrzeug sein würde, bei dessen Premiere er anwesend sein würde? Vermutlich nicht. Er verstarb 90-jährig am 14. August 1988 ohne ein weiteres neues Modell auf die Straße begleitet zu haben. Dieser Fakt verhalf dem F40 zu einem glorifizierten Status unter den Markenfans und einer deutlich höheren Produktionszahl als den ursprünglich angedachten 450 Exemplaren. Am Ende entstanden bis 1992 über 1.300 Fahrzeuge. Zudem sorgte eine Preisblase für Ferrari-Fahrzeuge dafür, dass Neufahrzeuge lange Zeit weit über dem Neupreis von 444.000,- DM verkauft wurden. So ist der Verkauf eines Wagens im Jahr 1989 bekannt, der für 3,2 Millionen DM den Besitzer wechselte. Selbst die Modellautos von Bburago im Maßstab 1:18 gerieten schnell zu Spekulationsobjekten, da das Gerücht umging, die Formen wären nach der ersten Charge kaputtgegangen. Ebenso erzählte man sich, dass Ferrari eine weitere Produktion untersagt habe. Beides erwies sich als falsch, die Spekulationsblase platzte von inzwischen teilweise 1.000,- DM pro Modell zurück auf den offiziellen Verkaufspreis von 34,50 DM.
 
Vom 288 GTO über den Evoluzione zum F40
Mit dem F40 bewegte sich Ferrari zurück in eine Ära, in der die Sportwagen des Hauses als die straßentauglichen Sportwagen noch direkt von den Rennfahrzeugen abstammten. Als Grundbasis nutzten die Italiener den 288 GTO Evoluzione, der wiederum auf dem ersten Supersportwagen des Hauses, dem 288 GTO basierte. Somit war eine gewisse Verwandtschaft zum 308er und späteren 328 gegeben. Allerdings entwickelte man die Optik grundlegend weiter und addierte in diesem Zusammenhang zusätzlich eine erweiterte Aerodynamik inklusive Frontspoiler und feststehendem Heckflügel. Als Prototyp zeigte der Wagen noch fünf senkrechte Luftauslässe unterhalb des Flügels, während es in der Serie schließlich vier wurden. Der extreme Leichtbau ging soweit, dass man bei originalen Exemplaren ohne Nachlackierung die Carbon-Fasern durch die Lackierung hindurch sehen kann.
 
V8-Biturbomotor basiert auf GTO-Triebwerk
Im Rahmen der Fahrzeugentwicklung zeichnete Ermanno Bonfiglioli für den aufgeladenen Antrieb verantwortlich. Er erinnert sich: "Ich hatte zuvor nie eine solche Präsentation wie die des F40 erlebt. Als der Wagen enthüllt wurde, ging ein Summen durch den Raum, gefolgt von donnerndem Applaus. Niemand, abgesehen von engen Vertrauten Enzo Ferraris, hatten das Fahrzeug vorher gesehen. Die Firma hatte alle bisherigen Entwicklungen und Testfahrten in ungewohnt starker Geheimhaltung vorangetrieben. Damit war die Überraschung auch aufgrund des aggressiven Designs fast schon wie ein Schock. Auch das Zeitfenster für die Gesamtentwicklung war mit 13 Monaten äußerst eng geschnitten. Chassis und Karosserie entstanden im Schnellverfahren, ebenso wie der Antrieb. Im Juni 1986 begannen wir mit der Entwicklung des 'F 120 A' genannten Motors. Der Achtzylinder-Turbomotor mit 478 PS war ein Derivat des 288 GTO Evoluzione, allerdings mit einigen neuen innovativen Teilen um den F40 zum ersten Serien-Ferrari mit mehr als 320 km/h Höchstgeschwindigkeit zu machen. Wir konzentrierten uns vor allem auf das Motorgewicht und konnten dieses durch Ölsumpf, Zylinderkopfverkleidungen, Einlasskrümmer und Getriebeglocke aus Magnesium deutlich reduzieren, auch wenn das Material das Fünffache von Aluminium kostete."
 
Erinnerungen von Designer Fioravanti
Für die Gestaltung der Karosserie gewann man erneut die Hilfe von Pininfarina, wo zur damaligen Zeit Leonardo Fioravanti arbeitete. Bevor er mit ersten Zeichnungen für den F40 begann, erhielt er von Enzo Ferrari eine Einladung, um den 288 GTO Evoluzione zu testen: "Als il Commendatore Enzo Ferrari nach meiner Meinung für diesen experimentalen Prototypen fragte, der aufgrund von regulatorischen Gründen niemals in Produktion ging, konnte ich meinen Enthusiasmus als Amateurfahrer für das Beschleunigungsvermögen der 650 PS nicht zurückhalten. Daraufhin erzählte er mir erstmals von seinem Vorhaben, einen 'wahren Ferrari' bauen zu wollen. Heute wissen wir, wie er es wohl wusste, dass es sein letztes Projekt wurde. Daher warfen wir uns Kopf voran in die Arbeit und führten intensive Tests im hauseigenen Windkanal von Pininfarina durch. Immerhin wollten wir eine Aerodynamik erreichen, die dem Status als leistungsstärkster Serien-Ferrari angemessen sein würde. Zudem sollte das Design die Performance unterstützen: Vorn zeigt die weit heruntergezogene Haube einen kurzen Überhang. Die NACA-Lufteinlässe und der große Heckflügel, die von meinem Kollegen Aldo Brovarone exakt in den passenden Winkeln angebracht wurden, machten den Wagen weltberühmt. Wenn ich einen übergreifenden Grund herausstellen müsste, warum der F40 so erfolgreich wurde, würde ich sagen, dass seine Linienführung die Außergewöhnlichkeit des Technikpaketes noch steigerte. Sie verbindet Geschwindigkeit, Leichtbau und Leistung."
 
Anfänglich furchtbar zu fahren
Hinter dem Steuer der Prototypen nahm unter anderem Werksfahrer Dario Benuzzi Platz. Er hatte zuvor bereits einige Ferrari-Modelle auf dem Weg vom ersten Prototyp bis zur Serienfertigung begleitet. An die Erprobung des F40 erinnert er sich aber besonders: "Die Fahrbarkeit des allerersten Prototypen war furchtbar. Um die Leistung des Triebwerks zu bändigen und an die Gegebenheiten der Straßennutzung anzupassen mussten wir jeden Aspekt des Wagens in zahllosen Tests anfassen - von den Turboladern über das Bremssystem und die Feder-Dämpfer-Einheiten bis hin zu den Reifen. Am Ende erreichten wir einen exzellenten Abtrieb und hohe Stabilität auch bei hohen Geschwindigkeiten. Ein weiterer wichtiger Aspekt war der Stahlrohrrahmen mit Kevlar-verstärkten Kunststoffbauteilen, der dreimal soviel Torsionssteifigkeit im Vergleich zu anderen Sportwagen der Zeit bot sowie die aus Kompositmaterialien hergestellte Karosserie, die das Trockengewicht auf rund 1.100 Kilogramm absenkte. Am Ende erreichten wir genau das Auto, das wir haben wollten: mit wenig Komfort und ohne Kompromisse, ohne Servolenkung, Bremskraftverstärker oder elektronischen Unterstützern. So musste der Fahrer sich auf seine Fähigkeiten und seinen Einsatz voll verlassen können, was vom Fahrzeug jedoch auch mit äußerster Leistungsbereitschaft und einem außergewöhnlichen Fahrverhalten zurückgezahlt wurde. Lenkpräzision, Fahrverhalten, Bremskraft und Beschleunigungsvermögen erreichten bis dahin unbekannte Bereiche für ein Straßenfahrzeug."
 
Eigentlich nur als Linkslenker, außer man kam aus Brunei
Von den rund 1.300 F40 entstanden die allermeisten Exemplare im klassischen Rosso Corsa. Lediglich zwei Fahrzeuge erhielten schwarzen Lack und weniger als zehn eine Lackierung in Giallo Fly (Gelb). Zudem gab es den Supersportwagen eigentlich nur als Linkslenker, wenn man von einigen Wagen für die Sammlung des Sultan von Brunei absieht. Dessen Bruder ließ bei Pininfarina rund zehn Wagen als Rechtslenker mit den Sitzen des Ferrari Testarossa ausrüsten. Da Porsche relativ zeitgleich den 959 zu den Händlern brachte, rüstete Ferrari den F40 optional ebenfalls mit einem aktiven Fahrwerk aus, dessen Höhe und Dämpferhärte einstellbar waren. Auf dem US-Markt verfügte der Wagen aufgrund von geregelten Katalysatoren über weniger Leistung, durfte jedoch mittels kürzerer Getriebeübersetzung ähnlich schnell beschleunigen. Heute erzielen gute Fahrzeuge Verkaufspreise im siebenstelligen Bereich.

Technische Daten
Motor V8-Biturbomotor
Hubraum 2.936 ccm
Leistung 352 kW/478 PS
Drehmoment 577 Newtonmeter
0-100 km/h 4,5 Sekunden
0-200 km/h 12,0 Sekunden
100-200 km/h 6,4 Sekunden
Vmax 324 km/h
Getriebe 5 Gänge manuell
Tankinhalt 120 Liter
Länge 4.358 mm
Breite 1.970 mm
Höhe 1.124 mm
Radstand 2.450 mm
Leergewicht 1.254 kg

Kennen Sie schon die carsdaily.de Seite auf facebook? Dort werden Sie über alle neuen Artikel informiert und erhalten Live-Bilder von Veranstaltungen und Messen. https://www.facebook.com/carsdaily.de

Quelle: Ferrari (16 Fotos), Matthias Kierse (5 Fotos)