Auktion: BMW 503 Cabriolet bei Bonhams

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- V8-Cabriolet in Pontonform von Graf Goertz
- luxuriöser Grand Tourer aus dem Haus BMW
- einer von lediglich 412 gebauten BMW 503
- vom Cabriolet entstanden sogar nur 139
- aus dritter Hand bei Bonhams in Monterey
 
 
Die Fehlplanungen von BMW
Als Deutschland Mitte der 1940er Jahre langsam aus den Schreckenszeiten des Zweiten Weltkrieges erwachte, wagten sich die überlebenden Autohersteller erneut an die Produktion von Zivilfahrzeugen. Manchen ging es dabei durch vorherige Militäraufträge besser, anderen wie BMW eher schlechter. Und dann kam eine Entscheidung hinzu, die der Münchner Marke fast das Genick gebrochen hätte: Man konzentrierte sich ausschließlich auf luxuriöse Limousinen, die ab 1952 als 501 mit Reihensechszylindermotor und anschließend ab 1954 als 502 sogar mit einem V8-Triebwerk zu den Händlern rollten. Speziell auf dem Heimatmarkt war man damit jedoch meilenweit von der möglichen Zielgruppe entfernt und im Ausland war es durch die Kriegsverbrechen der Vorjahre nicht besonders einfach ein deutsches Produkt zu vermarkten. Da halfen auch Coupé- und Cabrio-Version des 502 nicht weiter. Gemeinsam mit Albrecht Graf von Goertz entstanden für 1956 schließlich zwei neue Modelle mit der Technik des 502, die durch ihre deutlich weniger barock gestaltete Form nach Hoffnung der Marke mehr Erfolge einfahren sollten: 503 und 507.

Neuer Grand Tourer mit Pontonform
Während Letzterer als Sportwagen gedacht war, sollte der 503 sowohl als Coupé als auch als Cabriolet den Part des eleganten Grand Tourers übernehmen. Im Gegensatz zum 507 trug er zwar ebenfalls eine damals hochaktuelle Pontonkarosserie, allerdings mit klassischem BMW-Nierengrill an der Frontpartie. Seine Weltpremiere feierte das Fahrzeug auf der IAA 1955 vor einem begeisterten Publikum und einem tief beeindruckten Battista Pinin Farina, der den Wagen zur schönsten Premiere der Show erklärte. Auch die Redakteure der großen Autozeitschriften und Juroren einiger Concours-Veranstaltungen verliehen dem 503 hohe Ehren. Allerdings verhinderte der vergleichsweise hohe Grundpreis von 29.500,- DM (1956) bis 32.950,- DM (1958) größere Verkaufserfolge in Deutschland. Hierzulande konnten sich fast nur Unternehmer oder erfolgreiche Schauspieler Coupé oder Cabriolet leisten. Letztlich retteten Kleinwagen wie die Isetta, der 600 und der 700 BMW vor einer feindlichen Übernahme und schließlich brachten 02 und 'Neue Klasse' den Durchbruch - aber das sind eigenständige Geschichten, die zu anderen Zeitpunkten erzählt werden.

Umfangreiche Ausstattung ab Werk
Zur Serienausstattung des BMW 503 Cabriolets gehörten eine elektrohydraulische Betätigung für die Seitenfenster und das Stoffverdeck, ein Drehzahlmesser, ein Öldruckmesser, zwei fest verbaute Nebelscheinwerfer, eine einstellbare Armaturenbeleuchtung, Liegesitze, ein abschließbarer Tankdeckel, eine Motorraumbeleuchtung sowie ab 1958 asymmetrisches Abblendlicht. Gegen Aufpreis konnte der Besteller ein Becker-Radio mit automatischer Antenne und Stationssucher, Stahlfelgen mit Zentralschnellverschlüssen, ein Sportgetriebe mit finaler Übersetzung von 3,42:1, Lederbezüge für die Sitze, eine Windschutzscheibe mit Grünkeil, Weißwandreifen und eine Zweifarblackierung sowie auf besonderen Wunsch einen automatischen Kupplomat, der den Wagen quasi zum Automatikauto machte.

503 Cabriolet aus dritter Hand bei Bonhams
Bonhams bringt nun zur Auktion an der Quail Lodge im Rahmen der Monterey Car Week in Kalifornien ein wunderschön restauriertes 503 Cabriolet mit. Der Wagen entstand am 20. Dezember 1956 in München, trug den Farbton 'Japanrot' mit beigefarbenem Interieur und erreichte am 14. Januar 1957 die Verkaufsräume von Hoffman Motors in New York. Nach heutiger Kenntnis ist es eins von 13 Cabriolets, die offiziell auf den US-Markt gelangten. Erstbesitzer wurde Geoffrey Mavis, der den Wagen von seinem Vater als Geschenk zur bestandenen High School erhielt. Er nahm den BMW mit zur Polytechnic State University, wo er 1959 am Poly Royal Concours teilnahm und den ersten Platz einfuhr. Bis 2013 blieb der 503 im Familienbesitz, bevor der heutige Besitzer ihn vom Sohn des Mr Mavis erwarb. Es folgte eine umfangreiche Restaurierung beim Expertenbetrieb Scott Grundfor, die mit rund 600.000,- US$ zu Buche schlug. Der Wagen verfügt bis heute über seinen originalen Motor. Hinzu kamen rundum neue Dichtungen, Gelenke und neu verchromte Anbauteile. Neu ist die Lackierung in einem zeittypischen und auch von BMW angebotenen Grau metallic in Verbindung mit einem grauen Stoffverdeck. Nach der Fertigstellung im Jahr 2016 erzielte der Wagen diverse Preise bei großen Concours-Veranstaltungen. Zuletzt gewann er die '501-507'-Klasse beim Concours d'Elegance in Amelia Island Anfang diesen Jahres und den Pinehurst Award beim Pinehurst Concours d'Elegance. Im Rahmen der Bonhams-Versteigerung erwartet das Auktionshaus einen Zuschlagspreis im Bereich zwischen 470.000,- und 640.000,- €. Zum Fahrzeug gehören die originalen Betriebsanleitungen, das Werkzeugset und der Werkswagenheber.

Technische Daten
Motor V8-Saugmotor
Hubraum 3.168 ccm
Leistung 103 kW/140 PS
Drehmoment 215 Newtonmeter
0-100 km/h 12,5 Sekunden
Vmax 190 km/h
Getriebe 4 Gänge manuell
Länge 4.750 mm
Breite 1.710 mm
Höhe 1.440 mm
Radstand 2.835 mm
Leergewicht (Coupé) 1.500 kg
Stückzahl Coupé 273
Stückzahl Cabriolet 139

Den Auktionstext zum BMW 503 Cabriolet finden Sie hier: http://www.bonhams.com/auctions/23977/lot/90/
Und die Übersicht über die gesamte Bonhams-Auktion gibt es hier: http://www.bonhams.com/auctions/23977/

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Quelle: Bonhams