Lamborghini Miura P400 - Bei Jan B. Lühn

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- Wohl einer der ersten 20 gebauten Miura
- umfangreiche Restaurierung vor 10 Jahren
- Arbeiten begleitet durch Valentino Balboni
- leistungsstärkeres Triebwerk vom Miura S
- zum Verkauf bei Jan B. Lühn in München
 


Versetzen wir uns einmal zurück in die Mitte der 1960er Jahre. Diverse Sportwagenbauer, über die wir heute regelmäßig lesen, gab es noch nicht, andere, die heute fast vergessen scheinen, beherrschten die Szene und wieder andere begannen langsam mit ihrem Aufstieg an die Spitze. Zu letzteren zählte damals auch noch Lamborghini. Zwar hatte man mit 350 GT und 400 GT bereits zwei wunderschöne Sportwagen auf die Räder gestellt, richtig ernst nahm die Firma des Traktorfabrikanten Ferruccio Lamborghini dennoch noch nicht jeder. Speziell nicht die Ferrari-Klientel, die er so gern angreifen wollte. Also musste ein wahrer Supersportwagen her. Ein Auto, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte.

Neuer Supersportwagen, um Ferrari gezielt anzugreifen
Unter der Leitung von Gian Paolo Dallara als technischem Leiter entstand ein komplett neues Rohrrahmenchassis mit Mittelmotoranordnung - eines der ersten Straßenfahrzeuge mit dieser Bauweise. Aus heutiger Sicht ist es allerdings relativ ungewohnt, dass der V12-Saugmotor dabei quer eingebaut wurde, um die Gewichtsverteilung so ausgeglichen wie möglich zu halten. Direkt am Motorblock sitzt das manuelle Fünfgang-Getriebe. Um dieses Technikpaket möglichst spektakulär in Szene zu setzen vergab Lamborghini den Designauftrag an Bertone. Dort arbeitete zu diesem Zeitpunkt der erst 27-jährige Marcello Gandini in leitender Position und machte sich an die Arbeit. Heraus kam ein flacher Keil mit einem Mix aus Rundungen und Kanten. Wenn man die Fenster herunterkurbelt und die Türen öffnet sieht man durch die dahinter angeordneten Lufteinlässe an der B-Säule quasi die Hörner des Stiers, der auch im Markenlogo zu finden ist. Auch die Benennung war eine Neuerung für Lamborghini: Man nannte den neuen Supersportwagen 'Miura' nach Don Eduardo Miura, der in Spanien die besten Kampfstiere züchtete. Aus seinem Gestüt stammte unter anderem auch der Kampfstier 'Murciélago', der später ebenfalls einem Modell des Hauses seinen Namen spendete.

Kritisches Fahrverhalten mit leerem Tank
Anfänglich rollte der Miura als P400 mit 257 kW/350 PS und 355 Newtonmetern Drehmoment zu den Händlern. Diese generierte der Zwölfzylinder aus rund vier Litern Hubraum. In Kombination mit dem Leergewicht von nur 1.125 Kilogramm sollte diese Leistung laut Werksangaben zu 275 km/h Höchstgeschwindigkeit ausreichen - tat es jedoch selten. Speziell mit leerem Tank war das Fahrverhalten der frühen Miura eher schwierig, da sich die Gewichtsbalance deutlich nach hinten verschob. Das Triebwerk stammte in direkter Linie von jenem des 400 GT ab, das von Paolo Stanzani entwickelt worden war. Für die Abstimmung des Fahrwerks mit seinen doppelten Querlenkern und Scheibenbremsen rundum zeichnete der Neuseeländer Bob Wallace verantwortlich. Bis 1969 entstanden von dieser Urversion immerhin 475 Exemplare, wobei eines davon vom Werk und Bertone in einen Roadster verwandelt wurde. Ab 1968 fertigten die Italiener zudem parallel bereits den leicht modifizierten und leistungsstärkeren Miura S. Abgerundet wurde die Baureihe schließlich in den Jahren 1971 und 1972 durch den breiteren und nochmals kräftigeren Miura SV.

Miura P400 mit S-Triebwerk bei Jan B. Lühn
Frühe Exemplare gehören bei vielen Sportwagenmodellen später zu den gesuchtesten Fahrzeugen. So verhält es sich auch beim Lamborghini Miura. Beim Klassikerhändler Jan B. Lühn steht aktuell im Münchener Showroom ein solcher Wagen in Concours-Zustand. Ausgeliefert wurde er im Juli 1967 über den Schweizer Lamborghini-Händler Foitek, wechselte jedoch ab 1969 über den großen Teich ins sonnige Kalifornien. Dort blieb das Fahrzeug bis 2005, als ein Sammler aus Florida den Miura P400 kaufte und aufwändig restaurieren ließ. Dabei wurde auch die zwischenzeitlich aufgetragene rote Lackierung wieder gegen das werksseitige Gelb getauscht. Am blauen Leder-Interieur musste indes kaum Hand angelegt werden, es hatte die Jahrzehnte in sehr gutem Zustand überdauert. Dafür erhielten Motor, Getriebe und Elektrik eine komplette Revidierung. Dabei entdeckte man, dass irgendwann in der langen Geschichte des Wagens das Triebwerk aus einem Miura S im Heck verbaut wurde, somit also 270 kW/370 PS und 388 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung stehen.

Wohl eines der ersten 20 gebauten Fahrzeuge
Lamborghinis ehemaliger Cheftestfahrer Valentino Balboni war in den Restaurierungsprozess mit involviert und besuchte den Miura einige Male im Laufe der Arbeiten. Er erkannte an verschiedenen Details, dass dieses Fahrzeug eines der ersten 20 sein muss, die damals die Produktionshalle verließen. Diverse Schweiß- und Stoßpunkte am Chassis wurden nach diesen wenigen gebauten Fahrzeugen anders gestaltet und erlauben somit eine zeitliche Einordnung. Nach der Fertigstellung nahm Balboni die Restaurierung ab und bestätigte, dass alle Details originalgetreu umgesetzt wurden. Eine Abnahmefahrt ließ er sich natürlich nicht entgehen. Seit drei Jahren gehört dieser Miura S nun einem europäischen Sammler, der ihn nun über Jan B. Lühn zum Verkauf anbietet. Wenn Sie Interesse an einem sehr frühen Miura haben und sich dafür von 1.150.000,- € trennen möchten, sind Sie im Münchner Showroom des Klassikerhändlers am Oskar von Miller Ring richtig.

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Quelle: Jan B. Lühn

 

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