Auktion: TVR Cerbera Final Edition bei Coys

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- Drittes Modell aus der Wheeler-TVR-Ära
- erster 2+2-Sitzer der TVR-Geschichte
- eigens entwickeltes V8-Saugtriebwerk
- Produktion erfolgte von 1996 bis 2003
- Final Edition Cerbera in Coys-Auktion
 


3+1-Sitzkonfiguration im dritten Wheeler-TVR
Erst kürzlich präsentierte der neue Marken- und Rechte-Inhaber Les Edgar einen neu entwickelten Sportwagen, um die kleine britische Sportwagenmarke TVR wiederzubeleben. Doch bis der neue Griffith zu den wartenden Kunden rollt, vergeht noch gut ein Jahr. Bis dahin haben Fans der Marke nur die Gelegenheit Bestandsfahrzeuge aufzukaufen, die bis 2006 in Blackpool in Handarbeit entstanden. Eines der bekanntesten Modelle ist dabei der Cerbera, den TVR 1996 auf den Markt brachte. Namentlich leitet er sich vom 'Cerberus' ab, einem dreiköpfigen Ungeheuer aus griechischen Sagen.
 
Seinerzeit hatte Peter Wheeler die Marke TVR gerade erst einige Jahre übernommen und durch die neuen Modelle Griffith und Chimaera die Weichen in Richtung Zukunft gestellt. Mit dem Cerbera ergänzte er das Portfolio um ein 2+2-sitziges Coupé. Diese Sitzkonfiguration gab es zuvor noch nie bei der Sportwagenmarke, fand jedoch viel Zuspruch. TVR sprach in Verkaufsunterlagen von einem 3+1-Konzept, da der Beifahrersitz weiter als der Fahrersitz vorgeschoben werden kann, um dem Fondpassagier dahinter mehr Beinfreiheit zu geben.

Erstmals mit eigenem TVR-Triebwerk
Zudem erhielt der Cerbera erstmals einen eigenständig entwickelten Motor, während alle früheren Fahrzeuge zugekaufte Triebwerke von Rover, Ford, Triumph oder MG nutzten. Zu dieser Eigenentwicklung kam es durch die Übernahme von Rover durch den BMW-Konzern und Wheelers Angst, dass der bisher genutzte V8-Motor dadurch aus dem Programm entfallen könnte. Durch den Renningenieur Al Melling entstand schließlich im TVR-Auftrag ein neues, ursprünglich 4,2 Liter großes V8-Triebwerk mit 75 Grad Zylinderbankwinkel und flacher Kurbelwelle. Betriebsbereit bringt er laut TVR-Angaben nur 121 Kilogramm auf die Waage.
 
Angedacht war dieses Aggregat eigentlich als Rennmotor für Motorsporteinsätze sowie zum Verkauf an andere Autohersteller. Letztlich nutzte man ihn in leicht domestizierter Version im neuen Cerbera, wo er 265 kW/360 PS und 434 Newtonmeter Drehmoment leistete. In Verbindung mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe geht es in 4,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und weiter bis zur Endgeschwindigkeit von 296 km/h. Einige Jahre später erweiterte TVR den Hubraum auf 4,5 Liter und steigerte damit die Leistung auf 309 kW/420 PS. Durch das ebenfalls gesteigerte Drehmoment in Höhe von 515 Newtonmetern gelingt der Standardspurt in 3,9 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit bei 312 km/h anliegt. So lauteten zumindest die Werksangaben, die jedoch bei einigen Fahrzeugen nicht erreicht wurden.

Alternativ gab es Speed Six und den Speed Twelve
Unterhalb des Speed Eight rückte zudem ein Speed Six getaufter Sechszylinder-Motor ins Programm. Dieser erhielt vier Liter Hubraum und vier Ventile pro Zylinder. Die absolute Top-Position nahm die 'Red Rose'-Spezifikation des V8 ein, die nur auf besonderen Kundenwunsch entstand und bis zu 328 kW/446 PS leistete. Mit 99,6 PS pro Liter Hubraum verfügte dieses Triebwerk damals über die höchste spezifische Literleistung in der gesamten Automobilwelt. Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle der Cerbera Speed Twelve bleiben, dessen Konzeptionierung für die FIA-GT1-Kategorie erfolgte. Hier wollte TVR mit einem 7,7 Liter großen V12-Triebwerk die etablierte Konkurrenz angreifen. Speziell das prestigeträchtige 24-Stunden-Rennen in Le Mans galt als erstrebenswertes Ziel, um weltweite Publicity zu erringen. Allerdings blieb es beim Sturm im Wasserglas, da sich die Regeln der GT1 veränderten und eine Straßenversion zu aufwändig erschien.
 
Innen erhielt der Cerbera als Alleinstellungsmerkmal auch gegenüber den Schwestermodellen ein Zweispeichenlenkrad und ein eigens für ihn gestaltetes Armaturenbrett mit kleinen Zusatzinstrumenten im unteren Bereich des Lenkradkranzes. Im Jahr 2000 erfolgte eine leichte Modellpflege mit umgestalteter Frontpartie, die an den zeitgleich gebauten Tuscan angepasst wurde. Drei Jahre später bot man den Bestandskunden eine Final Edition an, die sich durch eine hochwertige Ausstattung und eine nochmals leicht veränderte Anordnung der Scheinwerfer vom normalen Cerbera absetzten.

Final Edition Cerbera bei Coys-Auktion
Coys of Kensington bietet nun ein solches Fahrzeug der Final Edition - von der weniger als zehn Exemplare weltweit bekannt sind - bei der 'The Spirit of Motoring'-Auktion in London am 17. Oktober unter den Hammer. Der Wagen zeigt sich in Titanium Silber metallic mit einem Interieur in Dunkelgrau und Rot. Nach rund 17.000 Meilen (etwa 27.358 km) erhielt das Triebwerk eine umfassende Überholung, während zudem die Bremsen und das Fahrwerk aufgewertet wurden. Alle Service-Termine wurden penibel eingehalten und abgestempelt. Zum Lieferumfang des Wagens gehören beide Schlüssel, alle Fahrzeugunterlagen und ein Ordner mit allen Werkstattrechnungen bis zum letzten Service im Sommer diesen Jahres. Coys erwartet einen Zuschlagspreis im Bereich zwischen 32.000,- und 38.000,- GBP (rund 35.640,- bis 42.320,- €), womit es sich durchaus um ein Schnäppchen handelt.

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Quelle: Coys of Kensington