Ferrari 250 GT SWB - Mit Renngeschichte

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- 1960 von britischem Rennfahrer gekauft
- Ersteinsatz bei 24 Stunden von Le Mans
- weitere Rennen in aller Welt bis 1962
- umlackiert jahrelang in privater Sammlung
- nun umfangreich bei Classiche restauriert
 


Dass Ferrari nicht nur Neuwagen produziert, sondern sich in der hauseigenen Classiche-Abteilung auch um die Markenhistorie kümmert, ist nichts Neues. Immer mal wieder zeigen die Italiener stolz, welchen Klassiker man frisch restauriert an seinen stolzen Besitzer übergibt. Im aktuellsten Fall handelt es sich dabei um einen 250 GT Short Wheel Base (SWB), der in den 1960er Jahren besonders in Großbritannien im Motorsport unterwegs war, sein Renndebüt jedoch an historischer Stätte gab.
 
1960 erwarb Graham Whitehead diesen 250 GT SWB mit einer charakteristischen Lackierung im Farbton 'Scaglietti Blau metallic'. Whitehead konnte bereits einige nationale Rennerfolge aufweisen und startete 1952 im Team seines Halbbruders Peter Whitehead beim Großen Preis von Silverstone in der Formel 1. Mit dem Ferrari ging er direkt auf Reisen über den Ärmelkanal und setzte ihn erstmals gemeinsam mit seinem Landsmann Henry Taylor beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans ein. Dabei war sein Fahrzeug einer von sieben SWB mit Aluminiumkarosserie, die an den Start rollten. Weit vorn platziert zwang das Team ein technischer Defekt zur Aufgabe. Im weiteren Jahresverlauf errang Whitehead Rang fünf bei der Tourist Trophy und beim 1.000-km-Rennen in Paris. Zudem überkehrte er als Sieger die Ziellinie des Stadtkurses von Nova Lisboa (heute Huambo) beim Großen Preis von Angola.
 
Ein Jahr später erzielte Whitehead zweimal den zweiten Platz in Snetterton und einmal den dritten Platz im belgischen Spa. Nach der Saison verkaufte er den 250 GT SWB an Geoff Richardson, dessen größter Erfolg 1962 ein dritter Platz in Snetterton wurde, ehe er den Helm an den Nagel hängte und den Wagen an einen Sammler verkaufte. Dieser lackierte ihn in Rot mit schwarzen Details und stellte ihn abgesehen von einigen Ausfahrten bis 1985 in seiner Garage ab. Dann vertraute er ihn Michelotto Automobili in Italien an. 1991 erfolgte eine Versteigerung am Nürburgring, bei der der SWB einen damaligen Rekordpreis von umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro erzielte - aus heutiger Sicht würde man jedoch von einem Schnäppchen sprechen. Bis 2010 zeigte der neue Besitzer das Fahrzeug bei verschiedenen Ferrari-Events wie beispielsweise dem 'Tutte le Ferrari in Pista' 1995 in Mugello.
 
Dann erwarb ein britischer Sammler den 250er und holte somit ein Stück Rennsportgeschichte zurück auf die Insel. Um diese besser unterstreichen zu können, beauftragte er die Classiche-Abteilung damit, den Wagen in jenen Zustand zurückzuversetzen, in dem er am Start der 24 Stunden von Le Mans 1960 war - inklusive der Rennnummer 15 auf Türen und Haube. Im Juli diesen Jahres erfolgte die Übergabe des fertiggestellten Sportwagens, der nun wieder im alten Glanz erstrahlt.
 
Technische Daten
Motor V12-Saugmotor
Hubraum 2.953 ccm
Leistung 184 kW/250 PS
Drehmoment 260 Newtonmeter
Literleistung 84,7 PS/Liter
Vmax bis 270 km/h
Getriebe 4 Gänge manuell
Bremsen Scheibenbremsen rundum
Antrieb Hinterradantrieb
Reifen 195/70 VR 15
Stückzahl 166 Exemplare

Abmessungen
Länge 4.318 mm
Breite 1.600 mm
Höhe 1.270 mm
Radstand 2.400 mm
Spurweite vorne 1.354 mm
Spurweite hinten 1.349 mm
Bodenfreiheit 152 mm
Tankvolumen 95 Liter
Leergewicht 957 bis 1.100 kg

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Quelle: Ferrari