Ford GT40 Roadster Prototyp bei Girardo & Co

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- Einer von nur acht gebauten Roadstern
- erstgebautes Fahrzeug, Shelby-Vorführer
- komplett bekannte Geschichte bis heute
- einziger original erhaltener 1965er GT40
- Verkauf durch Girardo & Co in London
 


Auf dem internationalen Parkett der hochklassigen Autosammler ist Max Girardo kein unbekannter Name. Er leitete einige Jahre lang die großen Automobilauktionen von RM Sotheby's in aller Welt. Inzwischen führt er gemeinsam mit ein paar anonymen Partnern einen Handel für Oldtimer und Exoten mit Showroom in London und Auftritten auf den wichtigsten Klassikermessen wie der Techno Classica in Essen. Durch seine hervorragenden Kontakte gelingen ihm und seinem Team immer wieder aufsehenerregende Einkäufe seltener Fahrzeuge. Seit einiger Zeit bietet man beispielsweise jenen Wagen an, um den es für uns hier und heute gehen soll: Den letzten verbliebenen Ford GT40 Roadster.

Prototyp der acht GT40 Roadster
Chassisnummer GT/108 entstand im Oktober 1964 als erster von insgesamt sechs Roadstern des GT40 und darf damit als Prototyp angesehen werden. Für das reine Chassis aus Stahl zeichnete Abbey Panels in Großbritannien verantwortlich, die es nach Fertigstellung an Ford Advanced Vehicles (FAV) im britischen Slough weitergaben. Dort begann am 2. November der Zusammenbau des Gesamtfahrzeugs, der erst im März des Folgejahres beendet wurde. Auf dem ersten Schwarzweißfoto in unserer Bildergalerie ist GT/108 im Februar 1965 zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt fehlte noch einiges im Cockpit sowie der Antrieb in Form eines 289 Cubic Inches (rund 4,7 Liter) großen V8-Saugmotors mit Weber-Vergasern und eines manuellen Viergang-Getriebes von Colotti. Im Vergleich zu den bekannten Coupés, die unter anderem von 1966 bis 1969 das 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewannen, fällt Kennern die Fahrgestellnummer ohne vorangestelltes 'P' auf. Diese einfachen dreistelligen Nummern erhielten nur die ersten zwölf Prototypen des GT40.

Optische Unterschiede zu anderen 1965er GT40
Ebenso unterscheidet sich GT/108 in einigen optischen Details von früheren und späteren GT40-Schwestermodellen. So erhielt der Wagen eine eigenständige Frontpartie mit nach unten offener Kühlluftöffnung, die so von Len Bailey bei FAV entwickelt worden war. Hinter den Türen finden sich speziell geformte Lufteinlässe für das Ansaugsystem, die so ebenfalls an keinem anderen GT40 zum Einsatz kamen. Am 2. März stand der in Weiß mit blauen Seitenstreifen lackierte Roadster schließlich komplettiert auf seinen Borrani-Speichenfelgen und wurde zur Abnahmefahrt nach Silverstone gebracht. Dort testeten Sir John Whitmore und Richard 'Dickie' Attwood sowohl GT/108 als auch das Schwesterfahrzeug GT/105 (ein Coupé) unter den Augen von Teamleiter John Wyer.

Vorführer und Testwagen von Shelby American
Knapp eine Woche verschiffte man den GT40 in Richtung USA zum Hauptquartier von Carroll Shelby, der bekanntlich eine der verantwortlichen Persönlichkeiten hinter der Konzeption dieses Mittelmotorsportwagens war. Während der Wagen auf dem zweiten Schwarzweißfoto in unserer Galerie vor den Geschäftsräumen von Shelby im Princeton Drive in Los Angeles steht, sieht man im Folgebild Carroll Shelby hinter dem Steuer und Fords Präsident und Geschäftsführer Henry Ford II auf dem Beifahrersitz - vermutlich das einzige Mal in seinem Leben. Ende April nahm das Shelby-Rennteam den GT40 mit zum USRRC-Rennen in Riverside, wo man ihn im Fahrerlager ausstellte. Ähnliches passierte einen Monat später in Laguna Seca, wo der Wagen zusätzlich von Ken Miles auf der Strecke vorgeführt wurde. Daneben diente GT/108 jedoch auch zu Testzwecken für das 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Hierfür bewegte Ken Miles das Fahrzeug in Riverside. Am 8. August diente er dann als Pace Car beim A-C-Production-Race im Candlestick Park von San Francisco, wofür der GT40 allerdings viel zu schnell war. Die 28 Teilnehmer hatten in der Einführungsrunde Mühe mit dem Pace Car Schritt zu halten.

Verkauf an Kar Kraft in Detroit
Wenige Tage später verkaufte Shelby American den Vorführwagen an Hank Madeiros vom Händler Hayward Motors in San Francisco, der in an Kar Kraft in Detroit weiterverkaufte. Diverse Zeitschriften berichteten inzwischen über den GT40 generell und diesen Roadster im Speziellen. Ford hatte sich inzwischen gegen den Roadster und für die Coupé-Form entschieden, weshalb eine Weiterentwicklung und weitere Verwendung des Prototyps nicht vorgesehen war. Seine sieben Karosserie-Geschwister erhielten im Laufe der Jahre teilweise Coupé-Karosserien oder wurden anderweitig verändert. GT/108 zeigt sich heute noch so, wie er einst bei FAV entstand. Allerdings trug er zeitweise eine mattschwarz lackierte Oberseite der Frontpartie, was auf Kar Kraft zurückgeht. Die Firma ließ den Roadster so beim Großen Preis von Watkins Glen Demorunden mit Jim Clark hinter dem Steuer drehen und erinnerte optisch an die Coupés, die im gleichen Jahr in Le Mans und auf anderen Strecken in der Sportwagen-WM antraten. Damit ist GT/108 der wahrscheinlich einzige GT40, den Jim Clark jemals pilotierte.

Steuerschulden durch Shelbys Verhalten
In den folgenden Monaten stellte Kar Kraft den Wagen Ford zur Verfügung, die ihn bei verschiedenen 'Ford High Performance'-Händlern zu Promotionzwecken ausstellten. Anschließend wanderte er bei Kar Kraft für einige Zeit ins Depot. Innerhalb dieser Zeit liegt auch eine besondere Episode, die etwas mit den speziellen Einfuhrbeschränkungen der USA zu tun hat. Autos, die nicht den US-Regularien entsprechen, können unter dem 'Temporary Importation for Test Purposes'-Prozedere ins Land geholt werden. Dieser Vorgang hilft bis heute Herstellern ihre Prototypen beispielsweise in der Hitze des Death Valley zu erproben. Allerdings sagt der Name bereits, dass es sich nur um eine zeitweilige Ausnahmegenehmigung handelt. Shelby American hatte den GT40 allerdings dauerhaft in den Staaten behalten und sogar verkauft. Da das GT40-Programm offiziell auf Rechnung von Ford lief, wandten sich die Steuerbehörden entsprechend nach Detroit. GT/108 war dabei kein Einzelfall und man hatte für ihn und das Schwesterfahrzeug GT/109 einen Einzelwert von jeweils 2.000.000,- US$ festgelegt - was 1968 noch deutlich mehr Wert darstellte als heute! Erst durch die Auflistung der Kosten für Material, Werkzeuge, den Designprozess, die Formen und ähnliches konnte Len Pounds von Ford die Behörde davon überzeugen, die je Wagen angesetzten 140.000,- US$ Steuerschulden zu vergessen. Dieser Prozess funktionierte jedoch nicht bei GT/110, der einige Jahre später aus diesem Grund zerstört werden musste.

Verkauf an Privatmann, Zulassung für die Straße
1969 erwarb George Sawyer den GT40 von seinem Arbeitgeber Kar Kraft und machte ihn anschließend mit einem neuen 289er Motor und einem ZF-Schaltgetriebe aus einem Mustang Mach 1 für die Straße nutzbar. Zudem lackierte er die Fahrzeugnase wieder in Wagenfarbe und spendierte dem Fahrzeug zwei breite Längsstreifen. Dennoch benötigte er für die Zulassung spezielle Dokumente von Ford, die er schließlich erhielt und damit in Michigan die Kennzeichen 'LVZ-233' bekam. Da Sawyer während seiner Zeit bei Kar Kraft seine Liebe für Metallverarbeitung entdeckte, nahm er in seiner Freizeit Unterricht zur Herstellung von Schmuck und verkaufte schließlich den GT40, um mit dem Erlös sein eigenes Juwelier-Unternehmen zu eröffnen.

Vier weitere Besitzer bis heute
Als Käufer trat der Händler Grand Touring Cars Inc (GTC) in Person von Harley Cluxton III auf, der den GT40 relativ schnell an John Robertson in Big Fork/Montana weiterverkaufte. 1983 kaufte Cluxton III den Wagen zurück und verkaufte ihn an Tom Congleton in Mission Hills/Kansas. Dieser ließ eine umfangreiche technische Restaurierung durchführen und setzte GT/108 anschließend gemeinsam mit seinem Sohn Mark immer mal wieder bei klassischen Rennveranstaltungen beispielsweise in Laguna Seca ein. Hierfür entschied er sich bewusst auf Anpassungen zu verzichten, die breitere Reifen wie an späteren GT40 gestattet hätten. Somit war er zwar weniger konkurrenzfähig, der Roadster blieb aber originalgetreu erhalten. Nach der GT40 Reunion in Watkins Glen zum 25-jährigen Geburtstag des Modells im September 1989 wechselte der Wagen erneut über Cluxton's Händler GTC den Besitzer und gelangte nun in die Sammlung von John McCaw in Kalifornien. Dieser ließ 2003 erneut eine technische Restaurierung durchführen. Im gleichen Jahr errang das Fahrzeug den zweiten Platz in der GT40-Klasse beim Concours d'Elegance in Pebble Beach.

Versteigerung durch RM 2014, nun Verkauf bei Girardo & Co
Im August 2014 versteigerte RM GT/108 im Rahmen der Monterey Car Week und schlug ihn dem heutigen Besitzer zu, der ihn nun über Girardo & Co zum Verkauf anbietet. Es handelt sich um den einzigen GT40 weltweit, der die korrekte 1965er Frontpartie (mit den oben genannten Unterschieden im Vergleich zu anderen 1965ern) und die flache Seitenlinie aufweist. Zudem ist es der einzige Roadster, der bis heute nie an seiner Karosserie durch Unfälle oder Umbauten verändert wurde. Max Girardo bietet hier also einen wahren automobilen Schatz an und nennt daher den Verkaufspreis auch nur auf gezielte Nachfrage. Man darf jedoch von einer sehr hohen siebenstelligen oder sogar niedrigen achtstelligen Summe ausgehen. Bei der Auktion vor drei Jahren erzielte der GT40 einen Zuschlagspreis von 6.930.000,- US$.

Hier geht es zum Anzeigetext für diesen Ford GT40 Roadster: http://www.girardo.com/available/1965-ford-gt40-roadster-prototype/

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Quelle: Girardo & Co (www.girardo.com)

 

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