Monteverdi 375L High Speed - Bei Hyman Ltd

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- Klassischer Grand Tourer aus der Schweiz
- Monteverdi baute eigene Rennfahrzeuge
- Sportwagenbau nach Streit mit Ferrari
- 375L von 1969 bis 1976 im Programm
- dunkelblaues Exemplar bei Hyman Ltd
 


Bei Autofans der heutigen Zeit dürfte die Schweiz als weißer Fleck auf der Landkarte gelten, wenn es um die Produktion von Automobilen geht. Erst recht, wenn man von luxuriösen und sportlichen Fahrzeugen redet. Das war einst anders. Bereits im Alter von 16 Jahren baute ein gewisser Peter Monteverdi 1950 sein erstes eigenes Auto auf Basis eines Fiat 1100. Hierfür durfte er die Räumlichkeiten der väterlichen Werkstatt für Autos und Lastkraftwagen nutzen. Vier Jahre später verstarb der Vater und Peter übernahm den Betrieb. Unter seinem eigenen Kürzel MGM baute er Go-Karts und Rennwagen mit kleinvolumigen Motoren. Er selbst nahm zwischen 1955 und 1961 an rund 80 Rennsportveranstaltungen als Fahrer teil. Parallel begann er ab 1957 den Import von Ferrari-Neuwagen in die Schweiz - als weltweit jüngster Ferrari-Händler. Später baute er diesen Autohandel unter anderem mit Verträgen der Marken BMW, Lancia, Jensen, Rolls-Royce und Bentley weiter aus.

Eigene Produktion nach Streit mit Enzo Ferrari
Nach einem Streit zwischen Peter Monteverdi und Enzo Ferrari entschloss sich der Schweizer für die Fertigung eines eigenen Sportwagens. An dieser Stelle ähnelt die Geschichte ein wenig derer von Lamborghini. Allerdings entschied sich Monteverdi für einen eher luxuriös gestalteten Grand Tourer, den 375L High Speed. Ursprünglich sollte als Markenname dabei weiterhin das von den Eigenbaurennwagen bekannte 'MGM' Verwendung finden. Letztendlich kam dann aber doch der italienisch klingende Nachname des Firmengründers zum Zuge. Für die Karosseriegestaltung wandte er sich an den italienischen Designbetrieb von Pietro Frua, der ein zweisitziges Coupé im Stil des AC 428 und Maserati Mistral schuf, den 375S. Später überarbeitete Monteverdi selbst in Kooperation mit Fissore diesen Entwurf mit längerer Dachpartie und verlängertem Radstand zum viersitzigen (2+2-Sitzer im offiziellen Prospekt) 375L, den er 1968 vorstellte. Frua verklagte ihn auf Lizenzbruch, woraufhin gemeinsam mit der Carrozzeria Fissore eine neue Karosserie entstand. Der Stahlrohrrahmen unterhalb der eleganten Formen entstand beim Fachbetrieb Stahlbau AG in Muttenz im Schweizer Kanton Basel-Landschaft. Als Erklärung für die Zahl in der Modellbezeichnung dient die angeblich erreichte Leistung des unter der Motorhaube verbauten Chrysler-V8-Triebwerks. Dass es sich dabei - zumindest beim Basisaggregat - um SAE-PS handelte, machte Monteverdi augenscheinlich nichts aus.

Teurer Fertigungsprozess
Der Produktionsprozess war nicht einfach und vor allem nicht günstig. Monteverdi scheute den Aufwand, teure Presswerkzeuge für eine maschinelle Herstellung des 375L fertigen zu lassen. Daher entstanden die Karosserien in reiner Handarbeit überwiegend bei Fissore im italienischen Savigliano. Dorthin lieferte Monteverdi die fertigen Chassis, um sie einkleiden und lackieren zu lassen. Anschließend ging es dann auf LKWs zurück nach Binningen in der Schweiz zum Hauptsitz der Marke, wo die in den USA zugekaufte Technik implantiert wurde. Ob durch Kapazitätsengpässe oder andere Gründe, es gibt einige Fahrzeuge, deren Karosserie nicht bei Fissore sondern den eher unbekannteren Karosseriebauern Embo und Poccardi entstanden sind. Letzte Exemplare rollten 1976 vom Band. Neben den beiden Coupé-Versionen gab es auch ein 'Palm Beach' genanntes Cabrio, den 375C als weitere Cabrio-Variante und die viertürige Limousine 375/4.

Schönes Exemplar bei Hyman Ltd
In den USA steht aktuell bei Hyman Ltd ein 1969 gefertigter Monteverdi 375L High Speed zum Kauf bereit. Seine eleganten Formen werden durch die Farbkombination aus dunkelblauem Lack und karamelfarbenem Leder. Borrani-Speichenfelgen füllen die Radhäuser aus. Zum Kaufumfang zählen jedoch auch die originalen Alufelgen. Abgesehen von ganz geringen Gebrauchsspuren zeigt sich der Wagen in sehr gutem Zustand, auch die scharfen Chrom-Stoßstangen, die chromeingefassten Scheinwerfer und die vom Alfa Romeo Giulia Berlina stammenden Rückleuchten. Der Erstbesitzer orderte den Wagen inklusive Klimaanlage und hochwertiger Audioanlage. Da Monteverdi niemals offizielle Produktionszahlen bekanntgab, ist ein Marktpreis für einen gut erhaltenen 375L High Speed schwer zu beziffern. Hyman Ltd probiert es dennoch und ruft 305.000,- US$ auf. Das entspricht rund 261.465,- €. Dafür erhält der neue Besitzer ein einzigartiges Sportfahrzeug der späten Sechziger, mit dem man auf jeder Oldtimerveranstaltung gern gesehen wird.

Das Verkaufsinserat des Monteverdi 375L High Speed finden Sie hier: https://hymanltd.com/vehicles/5842-1970-monteverdi-375l-coupe/

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Quelle: Hyman Ltd