Auktion: Ferrari 212 Inter Coupé by Ghia

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Klassiker

- Einzigartiges Ghia-Design von Virgil Exner
- von Ferrari auf Pariser Salon '52 gezeigt
- gekauft von Argentiniens Präsident Perón
- bis in die 1980er Jahre in Argentinien
- RM-Versteigerung in Arizona am 19.1.
 


Bereits im Januar startet die internationale Szene der Automobilauktionen mit einem alljährlichen Highlight: Einem Auktionswochenende in Arizona/USA. RM Sotheby's bringt am 18. und 19. Januar in Phoenix diverse Highlights unter den Hammer. Darunter auch einen ganz besonderen Ferrari, dessen Geschichte wir hier ein wenig beleuchten möchten.
 
Ghia-Unikat auf Ferrari-212-Fahrgestell
1952 feierte Ferrari als eigenständige Automarke gerade den fünften Geburtstag und war bei weitem nicht so bekannt wie heute - trotz diverser Motorsporterfolge. Auf dem Pariser Autosalon zeigten die Italiener unter anderem einen 212 Inter, genauer den neunundvierzigsten von 73 gebauten Fahrzeugen dieses Typs. Seine Karosserie erhielt er als Einzelanfertigung vom Karosseriebauer Ghia, den heutige Leser wohl eher als luxuriöse Ausstattungslinie von Ford-Modellen der 1980er und 90er Jahre kennen. Einst werkelten hier jedoch namhafte Designer wie Virgil Exner an wunderschönen Kleinserien und Unikaten wie eben diesem Ferrari.
 
Zweifarbiger Entwurf von Virgil Exner
Dieser trug damals interessanterweise noch die Fahrgestellnummer 0233EU und war damit eines der ersten Exemplare mit dem EU-Kürzel als Hinweis auf den kommenden 250 Europa. Neben dem zweifarbig in Gelb und Schwarz gestalteten Ghia-Coupé schmückte den Messestand das Schwesterfahrzeug 0235EU, ein von Pininfarina eingekleidetes Cabriolet. Der Ghia-Entwurf aus der Feder von Exner zeigt diverse Details anderer Werke jener Zeit wie dem Chrysler d'Elegance oder dem Ghia GS1 auf, beispielsweise den großen Kühlergrill und die angedeuteten Heckflossen.

Reisetaugliches Coupé statt Sportwagen
Im Gegensatz zu den allermeisten Ferrari versuchte sich der Designer gar nicht erst an einer rassigen Sportwagenkarosserie, sondern gestaltete gezielt einen wunderschönen Gran Turismo mit 2+2-Sitzkonfiguration und ordentlichem Kofferraum - der letztlich jedoch fast völlig vom Ersatzrad ausgefüllt wurde. Auch das Interieur zeigt sich langstreckentauglich und komfortabel. Um den Ein- und Ausstieg zu vereinfachen legte man die Fensterkurbeln klappbar aus. Auf dem Deckel des Handschuhfaches findet sich ein liebevoll gezeichneter Haltegriff im selben Holz des Lenkradkranzes mit unterlegtem Ferrari-Schriftzug. Entlang des schwarzen Leders der Sitze und der Mittelarmlehne verlaufen hellbraune Keder.
 
Prominenter Autofan aus der Politik
Noch während der laufenden Autoausstellung in Paris erwarb ein durchaus prominenter Kunde den Wagen vom Ferrari-Stand: Juan Domingo Perón, damals Präsident von Argentinien. Neben seiner bis heute bekannten Politik war er auch als Autofan berühmt und finanzierte neben seiner eigenen Autosammlung auch die Rennkarrieren von Juan Manuel Fangio und Froilan Gonzalez zu nicht unerheblichen Teilen. Er ermöglichte beiden beispielsweise 1950 die Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans in einem Gordini. Auch die nach ihm selbst benannte Rennstrecke in Buenos Aires ließ er in seiner Amtszeit entstehen. Selbst eine eigene argentinische Automanufaktur, die unter dem Namen Justicialista rund 250 Limousinen, Coupés und Pickups fertigte, verdankt ihre Existenz Juan Perón.

Steuertricks als Präsident
Zurück zum Ferrari 212 Inter und dem Autosalon in Paris. Da Perón zu dieser Zeit bereits einige Probleme mit dem heimischen Finanzamt hatte und wohl auch allzuviel öffentlichen Trubel um den Einkauf vermeiden wollte, kaufte er den Sportwagen über einen römischen Mittelsmann. Letztlich wollte er wohl trotz seines Präsidentenamtes die hohen Einfuhrzölle auf ausländische Automobile beim Import des 212ers möglichst gering halten. Daher lieferte man das Fahrzeug nach der Messe erst zurück nach Maranello, wo es die Chassisnummer 0191EL erhielt. Diese fand sich zuvor in einem anderen von Ghia karossierten Ferrari, der in Mailand mit dem Kennzeichen MI197153 angemeldet war. Beide Autos tauschten nun also ihre Identität, wodurch aus dem Neuwagen von Paris ein Gebrauchtwagen wurde und somit niedrigere Zölle anfielen. Interessant ist dabei, dass dieser Nummerntausch tatsächlich nur die eingeschlagenen Nummern und die FIN-Plaketten betraf sowie dass alles direkt vom Werk durchgeführt und auch in den offiziellen Büchern hinterlegt wurde.

Erstmals seit 1999 wieder angeboten
1955 enthob ein Militärputsch Juan Perón aus seinem Amt, woraufhin er außer Landes floh. Der Ferrari 212 Inter by Ghia blieb in Argentinien und wurde erst in den 1970er Jahren von einem international agierenden Händler angeboten. 1973 kaufte ihn der in Buenos Aires lebende Italiener Conrado Tennina, der ihn erst 14 Jahre später nach Europa weiterverkaufte. Dort erhielt der 212 eine umfassende Restaurierung mit neuer Lackierung in den Originalfarben und kompletter technischer Überholung. Seit 1999 gehört das Fahrzeug dem heutigen Besitzer, der es auf diversen Schönheitswettbewerben ausstellte. Nun besteht die Möglichkeit eines erneuten Besitzerwechsels, sofern im Rahmen der Auktion von RM Sotheby's der Mindestpreis erreicht wird. Das Auktionshaus rechnet letztlich mit einem Zuschlagspreis zwischen 1.600.000,- und 2.000.000,- US$ (rund 1.350.000,- bis 1.700.000,- €) zuzüglich Auktionsgebühren und Steuern.
 
Technische Daten
Motor V12-Saugmotor
Hubraum 2.562 ccm
Leistung 125 kW/170 PS
Drehmoment 206 Newtonmeter
Vmax 200 km/h
0-80 km/h 5,2 Sekunden
Getriebe 5 Gänge manuell
 
Die Auktionsbeschreibung dieses Ferrari 212 Inter Coupé by Ghia finden Sie hier: https://rmsothebys.com/en/auctions/AZ18/Arizona/lots/r196-1952-ferrari-212-inter-coupe-by-ghia/602831
Und den gesamten Auktionskatalog zur RM Sotheby's Auktion in Arizona können Sie hier einsehen: https://rmsothebys.com/en/home/lots/AZ18

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Quelle: RM Sotheby's, Darin Schnabel (14 Fotos)