40 Jahre Volvo 262C - Der Schwede aus Italien

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in Klassiker

- Sportiv-luxuriöses Coupé der 260er Reihe
- schwedisches Design, gebaut bei Bertone
- erst nur in Silber mit Vinyldach erhältlich
- vier weitere Lackfarben folgten bis 1981
- V6-Triebwerk, Platz für vier Personen
 


Nachfolger des legendären Schneewittchensarg gesucht
Seit dem Produktionsende des berühmten, 'Schneewittchensarg' genannten Volvo 1800 ES im Jahre 1973 fehlte dem schwedischen Hersteller ein sportliches Coupé im Programm. Das machte sich besonders auf dem wichtigsten Absatzmarkt, den USA bemerkbar. Daher entschloss man sich diese Lücke mit einem eleganten Coupé der Oberklasse auf der Basis der 1974 vorgestellten 260er Baureihe zu schließen. Volvos Chefdesigner Jan Wilsgaard entwarf noch auf der Basis des Vorgängers Volvo 164 ein elegantes Coupé mit abgesenktem Dach und entsprechend flacher stehender Frontscheibe. Der 'Tre Kronor' genannte Prototyp wurde in Italien, genauer bei der Karosserieschmiede des Italieners Sergio Coggiola in Turin gebaut. Der Projektname leitete sich von den drei an der breiten C-Säule des Coupés angebrachten Kronen, dem Nationalsymbol Schwedens ab.
 
Serienfertigung erfolgte bei Bertone in Italien
Der Prototyp war so überzeugend, dass sich die Firmenleitung zu einer Serienfertigung entschloss, basierend auf dem mittlerweile vorgestellten Volvo 264. Die Premiere des Volvo 262C genannten Topmodells erfolgte im Jahre 1977 auf dem Automobilsalon in Genf. Zu diesem Zeitpunkt ging Volvo von einer jährlichen Stückzahl von 800 Einheiten für das neue Coupé aus. Eine Kleinserie dieses Umfangs passte jedoch nicht in den Produktionsablauf im Volvo-Stammwerk im schwedischen Torslanda bei Göteborg. Daher entschied man sich die Carozzeria Bertone in Italien mit der Endmontage zu beauftragen, die zu jener Zeit bereits die verlängerte Staatslimousine Volvo 264 TE fertigte. Es sollte sich im Laufe der Produktionszeit jedoch herausstellen, dass der 262C die erwarteten Verkaufszahlen deutlich übertreffen würde.
 
Hochwertige Serienausstattung an Bord
Das Serienmodell entsprach weitestgehend dem Tre Kronor, verfügte jedoch über die neue, leicht angeschrägte Frontpartie der 200er Baureihe. An der C-Säule befand sich nun eine größere Krone statt den drei am Prototyp. Der Innenraum des neuen Coupés war serienmäßig hochwertig mit großzügig verwendetem schwarzen Raffleder und Wurzelholz-Applikationen verkleidet und verwöhnte den Fahrer dadurch mit einem Ambiente der Oberklasse. Die Serienausstattung war überaus reichhaltig und umfasste neben Leder und Wurzelholz eine Servolenkung, Klimaanlage, Tempomat, Sitzheizung und elektrische Fensterheber. Bei den Mitbewerbern aus Stuttgart und München dagegen fanden sich diese Positionen außer der Servolenkung zur damaligen Zeit in Verbindung mit heftigen Aufpreisen in der Kategorie 'Zusatzausstattungen' der jeweiligen Preislisten. Da das Chassis des Volvo 264 ungekürzt für den 262C übernommen wurde, verfügte dieser über großzügige Platzverhältnisse im Innenraum. Um die Exklusivität noch zu steigern versah Volvo das Coupé mit zwei Einzelsitzen statt einer durchgehenden Bank hinten. In den ersten beiden Modelljahren 1977 und '78 wurde der Volvo 262C nur in silberner Lackierung mit schwarzem Vinyldach angeboten. Der Innenraum war grundsätzlich schwarz.
 
Euro-V6-Motor mit anfangs 140 PS
Technisch entsprach der 262C den anderen Modellen der 260er Baureihe. So verfügte auch das Coupé über den gemeinsam mit Renault und Peugeot entwickelten V6-Zylindermotor mit anfangs 2,7 Litern Hubraum und 103 kW/140 PS. Damit war man den Mitbewerbern besonders aus Deutschland leistungmäßig deutlich unterlegen, im hauptsächlich anvisierten Exportmarkt USA spielte das jedoch auf Grund des damals strikten Tempolimits von 55 mph (88 km/h) im gesamten Land nur eine untergeordnete Rolle.
 
Diverse Modifikationen im Laufe der Zeit
Der Volvo 262C machte im Laufe seiner Produktionsdauer alle Weiterentwicklungen der 260er Baureihe sowohl in optischer als auch in technischer Hinsicht komplett mit. Da Volvo damals dem Trend auf dem amerikanischen Markt folgend zu jedem Modelljahr kleine Veränderungen vorsah kam auch das Coupé bereits zu seinem zweiten Jahr in den Genuss eines neu geformten Frontspoilers. Im darauffolgenden Modelljahr 1979 erhielt der 262C das neue Heckdesign der 200er Baureihe mit den um die Flanke herum geführten Rückleuchten und einem Kofferraumdeckel mit niedrigerer Ladekante. Ab diesem Jahr war als zweite Lackfarbe Gold metallic ohne Vinyldach erhältlich. Das Leder der Innenausstattung konnte in Verbindung mit der neuen Außenfarbe wahlweise in einem hellen Beigeton bestellt werden.
 
Ab 1981 mit 155 PS und drei neuen Farben
Ein Jahr später kam erneut ein neuer Spoiler an die Front und zum Modelljahrgang 1981 erfolgte das umfangreichste Facelift im Produktionszyklus des 262C. Die massiven, ursprünglich für die USA entwickelten Stoßstangen konnten zierlicheren Ausführungen weichen, da sich im Hauptabsatzmarkt des Coupés die Zulassungsbestimmungen geändert hatten. Neue Scheinwerfer und ein neuer Kühlergrill ließen die Front etwas weicher erscheinen. Gleichzeitig erhöhte Volvo den Hubraum des Motors auf 2,9 Liter und die Leistung auf 114 kW/155 PS. Ab diesem Zeitpunkt waren als weitere Außenfarben Hellblau metallic, Schwarz und eine Zweifarbenlackierung in Gold und Nougat lieferbar. Das sollten die letzten Änderungen am edlen Coupé werden, denn im Jahr 1982 wurde die 260er Baureihe durch den neuen Volvo 760 abgelöst, Nach 6.622 Exemplaren endete die Fertigung des Volvo 262C.
 
Cabrio-Version für die USA endete als Prototyp
Im Laufe seiner Bauzeit entstanden drei besondere Ausführungen, die es wert sind, erwähnt zu werden. Zum einen beauftragte Volvo Cars of North America zum Modelljahr 1981 die kalifornische Karosseriefirma Solaire mit der Entwicklung und Produktion einer Cabrio-Variante. Ursprünglich war eine Serie von 50 Fahrzeugen geplant, das Projekt wurde aber nach nur 5 Exemplaren aus Bedenken an der Crash-Sicherheit des aufgeschnittenen Volvo vom Importeur gestoppt. Mindestens eines der exklusiven Cabrios hat überlebt und befindet sich heute restauriert in einer belgischen Sammlung.
 
Zwei Einzelstücke für Maggie Thatcher und Pehr G. Gyllenhammar
Zwei absolute Unikate ließen sich hingegen die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die ein weiß lackiertes und rechtsgelenktes Coupé erhielt sowie der damalige CEO von Volvo, Pehr G. Gyllenhammar, anfertigen. Sein 262C war nicht nur Rot lackiert, auch der Innenraum war komplett in Rot gehalten, bis hin zu den Volvo-typischen Rahmenkopfstützen. Anstelle des üblichen Sechszylinders arbeitete der 'B21ET' genannte Turbo-Vierzylinder unter der Motorhaube. Fensterrahmen und Kühlergrill waren in Mattschwarz lackiert und somit ein Vorbote des schwarzen Kühlergrills, der ab 1984 ein Erkennungsmerkmal der GLT- und Turbo-Versionen wurde. Dieses spezielle Coupé steht heute im Werksmuseum von Volvo. Die Unikate finden Sie auch in unserer Bildergalerie.

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Quelle: Volvo

 

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