Land Rover Defender - Produktionsende erreicht

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Ein Klassiker rollt letztmalig vom Band
- wurde über 68 Jahre lang produziert
- letzter Wagen würdig verabschiedet
- optische verwandt mit Prototyp "HUEY"
- neues Heritage-Restaurierungsprogramm

Am vergangenen Freitag war es soweit: Das langjährigste Mitglied der Land-Rover-Modellpalette erreichte sein Produktionsende - einen Monat später als ursprünglich geplant. Mit ihm verschwindet ein absolutes Charakterfahrzeug von der Bildfläche, das bis zuletzt immer härter werdenden Zulassungsvorschriften trotzte. Über 68 Jahre lang wurde er im Stammwerk in Solihull gefertigt - in einer Auflage von über zwei Millionen Exemplaren - wo nun der finale Defender in Anwesenheit von über 700 ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern die Produktionsstraße verließ.

Dabei wurde der Wagen nicht nur von über 1.400 Augen, sondern auch von einer langen Reihe seiner Modell-Ahnen begleitet. Darunter "HUEY", ein früher Prototyp, der seinen Namen dem prägnanten Kennzeichen HUE166 verdankt. Dieses Kennzeichen diente bei der Final Edition des Defender dem Heritage-Modell als Vorlage, welches einen Aufkleber auf dem vorderen rechten Kotflügel und Stofffähnchen innen an den Sitzen mit der Aufschrift HUE166 erhielt. Aus dieser Sonderserie stammte nun auch das letzte produzierte Defender-Exemplar. In die Reihe der mehr als 25 Defender-Modelle reihten sich neben Serie I, II und III auch automobile Filmberühmtheiten aus "Lara Croft" und "James Bond" ein.

Nach einer Parade rund um das Werksgelände in Solihull wurden alle Fahrzeuge ausgestellt, um den ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern Gelegenheit zur genauen Betrachtung zu geben. Zwei Bauteile wurden über die vollen 68 Jahre nicht verändert und finden sich somit in "HUEY" ebenso wie im allerletzten Defender: Eine Verdeckklemme für das Softtop und eine Strebe am Unterboden. Passenderweise erhielt der letztgebaute Wagen übrigens das eigens reservierte Kennzeichen 1HUE166. Er wird zu einem unverkäuflichen Teil der Jaguar Land Rover Collection.

Gleichzeitig nutzte Land Rover die Feierlichkeiten zum Produktionsende des Defender für die Eröffnung einer neuen Heritage-Abteilung, die sich ab jetzt am Stammsitz Solihull um die Restaurierung von klassischen Modellen der Offroad-Marke kümmern soll. Hierfür sind zwölf Experten zuständig, von denen zehn zuvor langjährige Erfahrung am Defender-Band gesammelt haben. Im Anschluss an den Wiederaufbau gehen diese Fahrzeuge in den Verkauf. Erste Wagen sollen bereits im Juli fertiggestellt werden.

Zum Abschied des Defender veröffentlichte Land Rover ein paar interessante Fakten:
  • Der Land-Rover der Serie I kostete 1948 genau 450 britische Pfund. Er wurde von einem 1,6-Liter-Vierzylinder mit gerade einmal 50 PS angetrieben.
  • Seit 1948 wurden in Solihull 2.016.933 Fahrzeuge der Serien I, II und III sowie des Defender produziert.
  • Die Fertigung eines Defender benötigte 56 Mannstunden.
  • Alle vier Minuten verließ ein neuer Defender die Produktionsbänder.
  • Über 10.000 Land Rover-Besitzer und Fans aus aller Welt besuchten in den zurückliegenden zwölf Monaten die "Defender Celebration Line", die originalgetreue Nachbildung der Fertigungsstraße des Jahres 1948.
  • Zu den berühmten Besitzern zählen Königin Elisabeth II., Sir Winston Churchill oder Filmstars wie Steve McQueen.
  • Mit der Gründung von Land Rover Experience im Jahr 1990 bekamen die Kunden die Möglichkeit zu einmaligen Erlebnissen und außergewöhnlichen Abenteuern. Dieses Projekt folgte den Spuren des Land-Rover-Erprobungsteams um Roger Crathorne, das mit spektakulären Fahrten die Leistungsfähigkeit der Modelle unter Beweis stellte.
  • Zum Filmstar avancierte der Defender erstmals im Jahr 1966, als er neben der Löwin Elsa eine Hauptrolle in dem Film "Born Free" spielte. Die gleichfalls mitwirkende Schauspielerin Virginia McKenna gründete später die Tierschutzstiftung Born Free Foundation, die seit Langem zu den Land-Rover-Partnern zählt.
  • Der Defender wurde in 56 Stunden aus rund 7.000 Einzelteilen von Hand zusammengebaut. Der neue Land Rover Discovery Sport ist bereits nach 48 Stunden fertig montiert.
  • Die Mitarbeiter am Defender-Band haben für viele Einzelteile Spitznamen: Zum Beispiel "Schweineohren" für die Türscharniere oder "Lammkoteletts" für das Armaturenbrett.

Aufgrund des Kult-Charakters des Land Rover Defender widmen wir dem letztgebauten Exemplar unsere bislang größte Bildergalerie außerhalb der Messerundgänge:



Quelle: Land Rover