Chevrolet SS - Der unbeugsame Amerikaner

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- USA setzt auf Downsizing - der SS nicht
- 6,2-Liter-V8-Saugmotor aus der Corvette
- 415 PS mit Automatik oder Gangschaltung
- basiert auf Holden, Fertigung in Australien
- reichlich Ausstattung für 46.575,- Dollar



Wir schreiben das Jahr 2016. Ganz Amerika wird beherrscht von hubraumreduzierten Turbomotoren... Ganz Amerika? Nein, ein Modell hält tapfer die Stellung und wehrt sich gegen landesweite Downsizing-Bestrebungen mit einem 6,2 Liter großen V8-Motor ohne Turbo. Was hier wie ein Remake eines Asterix-Heftes klingt, soll auch genau daran erinnern. Ähnlich den tapferen Galliern im Comic verteidigt der Chevrolet SS Grundtugenden der amerikanischen Automobilkultur, wie V8-Motoren und ein ausreichendes Maß an Hubraum, gegen eine scheinbare Übermacht von turboaufgeladenen Vierzylindern. Das 2016er Modell dieses Chevrolets wurde jetzt in den USA vorgestellt.

Exterieur

Basierend auf dem Holden Commodore SS ist der neue Chevrolet, der in Australien gefertigt wird, eine eher konservativ wirkende viertürige Limousine, die nur wenig an ein amerikanisches Muscle Car erinnert. Sollte einigen Lesern das Fahrzeug irgendwie bekannt vorkommen: Der nur wenig anders aussehende Vorgänger des SS war ebenfalls auf dem amerikanischen Markt unter dem Label der inzwischen verschwundenen GM-Division Pontiac als G8 erhältlich. Angedeutete verchromte Flaps an den äußeren Ecken der Frontschürze sowie Lüftungsöffnungen auf der Haube und hinter den Vorderrädern sorgen neben den LED-Tagfahrlichtern für einen dezent sportlichen Auftritt. Im Mittelteil der Frontschürze findet sich ein markantes SS-Logo und weist auf die Tradition der sportlichen Chevrolets hin. 19 Zoll große Aluminium-Schmiederäder mit Niederquerschnittsreifen lassen den SS satt auf der Straße stehen.

Interieur

Im Inneren besticht das neue Sportmodell von Chevrolet durch ein übersichtliches Armaturenbrett mit zwei großen Rundinstrumenten für Geschwindigkeit und Drehzahl. In der sauber gestalteten Mittelkonsole befindet sich ein vorbildlich hoch angebrachter Acht-Zoll-Farb-Touchscreen-Monitor und direkt darunter die Bedienung für die Zweizonen-Klimaautomatik. Der Innenraum bietet großzügig Platz für bis zu fünf Personen, wobei Fahrer und Beifahrer auf sportlich geformten Sitzen Platz nehmen dürfen. Die umfangreiche Serienausstattung beeinhaltet unter anderem Lederpolsterung mit Akzenten aus Alcantara, beheizte und belüftete Vordersitze, ein Keyless-Entry-System, Startknopf, Fernstartmöglichkeit über die Funkfernbedienung der Zentralverriegelung, ein Head-Up-Display und ein 220-Watt-Bose-Audiosystem. Ebenfalls im Preis enthalten ist das Chevrolet MyLink, das über den Touchscreen-Monitor die Bedienung von Freisprechanlage, Medien und Infotainment-Anwendungen vom angeschlossenen Smartphone ermöglicht. Das Infotainment-System kommt mit 4G-LTE-Konnektivität, die die Verbindungen zum GM-eigenen Online-Service OnStar beschleunigt und gegen Gebühr auch einen WLAN-Hotspot im Fahrzeug einrichtet. Für 2016 ergänzt ein Navigationssystem die Ausstattung.
Auf dem neuesten Stand der Technik zeigt sich die Sicherheitsausstattung des Chevrolet SS. Ab Werk sind Frontkollisionsalarm, Spurhalte-Assistent, Totwinkelalarm und Seitenkollisionsalarm sowie eine Rückfahrkamera Standard. Für die passive Sicherheit sind acht Airbags, inklusive Knieairbag für Fahrer und Beifahrer an Bord.

Performance

Hier schlägt die Stunde des neuen Chevrolet SS. Angetrieben durch den LS3-6,2-Liter-V8-Motor aus der aktuellen Corvette C7, der hier 305 kW/415 PS leistet, verrichtet die Sportlimousine den amerikanischen Standardsprint von 0 auf 60 mph (entspricht 96 km/h) in 4,7 Sekunden. Die Kraftübertragung erfolgt wahlweise über eine Sechsgang-Automatik mit manueller Schaltfunktion oder - und das ist für amerikanische Verhältnisse schon fast eine Sensation - über ein Sechsgang-Handschaltgetriebe auf die Hinterräder. Somit hat Chevrolet eine klassische Sportlimousine geschaffen, deren Fahrverhalten auch durch eine nahezu perfekte 52/48-Prozent-Gewichtsverteilung geprägt ist. Das von Haus aus straffer abgestimmte Fahrwerk ist mit der Chevrolet Magnetic Ride Control mit drei verschiedenen Modi ("Tour", "Sport" und "Performance") ausgestattet. Während der Tour-Modus für den täglichen Bedarf gedacht ist, lassen der Sport- und erst recht der Performance-Modus den SS deutlich sportlicher Biegungen aller Art unter die Räder nehmen. Für den sicheren Halt sorgt eine großzügig dimensionierte Bremsanlage des renomierten italienischen Herstellers Brembo.

Preis

Der 2016er Chevrolet SS ist ab sofort in den USA zu einem Preis von 46.575,- US$ (rund 41.530,- €) bestellbar, ein Schiebedach ist für 900,- $ und ein Full-Size-Reserverad für 500,- $ erhältlich. Beim Automatik-SS fallen zusätzlich 1.300,- $ Gas-Guzzler-Tax, also Verbrauchssteuer an. Weitere Zusatzausstattungen werden ab Werk nicht angeboten. Jedoch ist über die Chevrolet-Händler ein umfangreiches Zubehörprogramm lieferbar, zu dem unter anderem verschiedene Streifendekors oder Nebelscheinwerfer gehören.

Fazit

Leider wird diese Sportlimousine wieder einmal nur in den USA angeboten. Ein Export nach Europa ist werksseitig nicht vorgesehen, obwohl mit dem SS ein hochinteressanter Mitbewerber zu den etablierten Sportlimousinen von BMW, Mercedes-Benz und Audi den Markt bereichern könnte und das zu einem absoluten Kampfpreis. Sicher ist der Chevrolet von deren Perfektion ein Stück entfernt, aber ein charaktervoller V8-Dampfhammer ist eine reizvolle Alternative und lässt einiges verzeihen. Eine europäische Nation hat allerdings doch das Glück, dieses Fahrzeug erwerben zu können – in Großbritannien ist er als Vauxhall VXR sogar mit bis zu 576 kompressorgeladenen Horsepower auf dem Markt.

 

Quelle: Chevrolet