Riversimple Rasa - Waliser Wasserstoff-Wagen

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Wasserstoff-Auto als Privatentwicklung
- mit 1,5 kg Wasserstoff 300 Meilen fahren
- windschlüpfige Karosserie aus Kohlefaser
- Prototyp wiegt lediglich 580 Kilogramm
- Fahrversuche laufen, Serie ab 2018 geplant

Denkt man an Wales, fallen einem diverse Dinge ein. Grüne Wiesen und raues Wetter zählen dazu. Im automobilen Bereich noch am ehesten die Rallye GB, die immer mal wieder in der westlichen Ecke Großbritanniens ausgetragen wird und zur Rallye-Weltmeisterschaft gehört. Aber Automobilproduktion? Doch, gibt es. Neben einem Motorenwerk von Toyota arbeitet aktuell die Riversimple Movement Ltd verstärkt daran, Wales in den Fokus von Autofans zu rücken - zumindest in den von Freunden umweltfreundlicher Fahrzeuge.

Unterstützt durch einen Forschungszuschuss in Höhe von 2.000.000,- GBP durch die walisische Regierung konnte die junge Marke einen ersten fahrbereiten Prototypen auf die - recht schmalen - Räder stellen. Die Schmalspur-Reifen sind jedoch nicht das einzig außergewöhnliche an diesem Projekt: Riversimple entwickelte den Rasa getauften Wagen konsequent für den Betrieb mit Wasserstoff und begann daher nicht mit einer klassischen Automobil-Struktur, sondern einem weißen Blatt Papier.

Bei der Auslegung wurde stets darauf Wert gelegt, dass der Wagen am Ende eine EU-weite Straßenzulassung erhalten kann. Entsprechend war neben reinem Leichtbau auch die Insassensicherheit ein Schwerpunkt - ebenso wie Stabilität und gute Finanzierbarkeit. Letzterer Punkt wird von Riversimple durch ein neuartiges "Sale of Service"-Mietmodell erreicht. Der Rasa soll den Kunden für eine monatliche Rate zur Verfügung gestellt werden, die sich nach der jeweiligen Kilometerlaufleistung richtet. In dieser Summe sind Servicekosten, eventuelle Reparaturen, Versicherung und Kraftstoffkosten bereits inklusive. Der Kunde kommt also nie mit eventuellen Wertverlusten in Kontakt, sondern tauscht am Ende seines Vertrages einfach den alten Wagen gegen ein neues Modell oder gibt ihn einfach nur beim Händler zurück.

Das Ingenieursteam von Riversimple unter Firmengründer Hugo Spowers setzt sich aus Experten zusammen, die zuvor bei renommierten Autoherstellern, in Formel-1-Teams oder in der Aerospace-Industrie gearbeitet haben. Für das klar gestaltete Design der Karosserie ist Chris Reitz verantwortlich. Es sorgt durch seinen niedrigen Luftwiderstand dafür, dass der nur 580 Kilogramm leichte Rasa möglichst weit mit einer Tankfüllung kommt. Chassis und Karosserie bestehen aus Kohlefaser und es gibt lediglich 18 bewegliche Teile am gesamten Antriebsstrang.

Wie weit ist "möglichst weit"? Riversimple spricht davon, dass der Rasa mit 1,5 Kilogramm Wasserstoff bis zu 300 Meilen (rund 483 Kilometer) weit kommen soll. Möglich wird dies durch eine 8,5 kW starke Brennstoffzelle, die durch chemische Prozesse und Zuführung von Sauerstoff den Wasserstoff in reines Wasser umwandelt und gleichzeitig Strom zum Antrieb der vier Radnaben-Elektromotoren erzeugt. Zudem wird mehr als 50 Prozent der kinetischen Energie, die bei Bremsmanövern aufgewendet wird, rekuperiert, in Superkapazitoren zwischengelagert und anschließend beim Beschleunigen zusätzlich zu den Motoren geleitet. Da der Rasa für umweltfreundliches Auto fahren und nicht den dauerhaften Aufenthalt auf der linken Autobahnspur entwickelt wurde, beträgt die Höchstgeschwindigkeit lediglich 60 mph (rund 97 km/h).

Noch in diesem Jahr möchte Riversimple eine kundenorientierte Beta-Testphase mit 20 Vorserienfahrzeugen beginnen. Diese werden an strategisch ausgesuchte Personen vergeben, die dann den zweisitzigen Wagen im Alltagsbetrieb erproben sollen. Hierbei liegen die Hauptprobleme aktuell jedoch weniger in der Technik des Rasa, als viel mehr im sehr dünnen Wasserstofftankstellennetz. Für die Markteinführung der Serienversion plant Riversimple das Jahr 2018 ein.

Der Firmenchef Hugo Spowers ist Absolvent der Unis in Cranfield und Oxford. Im Jahr 2001 gründete er den Vorläufer der heutigen Riversimple Movement Ltd als OScar Automotive im walisischen Ort Llandrindod Wells. Er und seine Ingenieure waren unter anderem an der Entwicklung des Morgan LIFECar im Jahr 2008 beteiligt und widmen sich seither dem Rasa als erstem privat entwickelten Wasserstoffauto, das in Serie gehen soll.

Quelle: Riversimple