Porsche 991 R - Der Elfer für den Puristen

Geschrieben von Oliver Kühlein am . Veröffentlicht in News

- Neuer, puristischer Leichbau-Porsche-911
- limitierte Auflage von nur 991 Exemplaren
- Triebwerk vom GT3 RS mit Handschaltung
- Fahrwerk inklusive Allradlenkung vom RS
- 50 kg leichter, Verzicht auf den Heckflügel



911 R – war da nicht mal was? Ja, genau, es war einmal etwas. Allerdings dürfte es sicherlich den allerwenigsten Lesern noch geläufig sein, weil es eben vor unserer Zeit war und wir bis ins Jahr 1967 zurückgehen müssen. Der Redakteur saß zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch auf einem Wölkchen mit seiner Harfe, während Porsche das seinerzeit schärfste Gerät auf Basis des 911 an den Start brachte, was es nur geben konnte. Bei der Karosseriebaufirma Baur entstand damals in einer limitierten Auflage von 19 Fahrzeugen ein deutlich gewichtsoptimierter 911er, welcher nur noch 830 Kilogramm wog und mit dem 210 PS starken Sechszylinder-Boxermotor aus dem 906 Carrera 6 ausgerüstet wurde. Sportlich fuhr der 911 R damals nahezu alles in Grund un Boden und gewann unter anderem 1967 den 84 Stunden Marathon de la Route sowie 1969 die Tour de France. Es gibt also nahezu keine bessere Referenz aus der Historie um den neuen puren 11er zu benennen. Dieser feierte nun auf dem Genfer Salon seine Premiere.

Exterieur

Pur – besser kann man das Exterieur des 911 R der Baureihe 991 nicht beschreiben. Die Front ist dem 991 GT3 RS entliehen, während das Heck ohne feststehenden Flügel auskommt und der seitliche Lufteinlass für den Motor ebenfalls fehlt. Um bei hohen Geschwindigkeiten genug Anpressdruck zu generieren, entwickelten die Porsche-Ingenieure eine neue Unterbodenverkleidung mit langem Diffusor sowie senkrechten Luftleitfinnen unterhalb des Motors. Zudem übernimmt der R den bei 120 km/h automatisch ausfahrenden Heckspoiler des normalen 991 Carrera.
Ohne die historisch begründete "Kriegsbemalung" in Form von Porsche-Schriftzügen an der Seite und farbigen Streifen in Rot oder Grün auf der Karosserie  könnte man daher beinahe meinen, einen regulären 991 Carrera vor sich zu haben. Für die Karosserie stehen nur die Farben "Weiß" oder "GT Silber metallic" zur Auswahl, die GT3-Felgen gibt es in Aluminiumsilber, Platinumsilber oder Schwarz.
Wer dachte, der 991 GT3 RS sei die Krönung des Leichtbau, sieht sich beim 911 R nochmals eines Besseren belehrt, unterbietet dieser doch den GT3 RS nochmals um 50 Kilogramm und wiegt lediglich 1.370 Kilogramm inklusive aller Flüssigkeiten und vollem Tank. Möglich wird dies durch die großzügige Verwendung von Carbon. Fronthaube und Kotflügel sind aus diesem Werkstoff gefertigt während  das Dach aus Magnesium ist. Das senkt den Fahrzeugschwerpunkt. Heckscheibe und Fond-Seitenscheiben bestehen aus leichtem Kunststoff.

Interieur

Das Interieur des neuen 991 R erinnert klar an den legendären Vorgänger. Er ist mit Carbon-Vollschalensitzen mit Stoffmittelbahnen im "Pepita Karo"-Muster ausgestattet. Das dreispeichige Sportlenkrad mit mattschwarzen Akzenten ist spezifisch für den 991 R gestaltet worden und die Türen werden mittels Schlaufen geöffnet. Das wichtigste Merkmal des R ist jedoch auf dem erhöhten Mitteltunnel zu finden: Ein Schaltknüppel für die Handschaltung. Hinzu kommt die reduzierte Dämmung im Interieur, welche den Porsche-Sound nochmals verbessert. Außerdem fehlt die Rückbank und auch die Klimaanlage sowie das Radio fielen der Diät zum Opfer.

Performance

500 PS aus einem vier Liter großen Sechzylinder-Boxer-Saugmotor, bekannt aus dem GT3 RS, sind eine Ansage und eine überaus adäquate Motorisierung für das neueste Zuffenhausener Sportmodell. Hinzu kommt das maximale Drehmoment von 460 Newtonmetern, das über ein speziell für den 991 R entwickeltes, manuelles Sechsgang-Getriebe auf die Hinterräder übertragen wird. Zusammen mit dem ultraleichten Einmassen-Schwungrad sorgt dieses Getriebe für einen Gewichtsvorteil von rund 22 Kilogramm im Vergleich zum mit PDK ausgerüsteten GT3. In 3,8 Sekunden wird die 100-km/h-Schallmauer durchbrochen. Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 160 gibt Porsche 7,7 Sekunden an, bis Tempo 200 vergehen 11,6 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 323 km/h. Für eine akustische Untermalung jedes Beschleunigungsvorgangs sorgt das Titan-Abgassystem mit doppeltem Zentralendrohr.
Chassis und Fahrwerk wurden vom GT3 RS übernommen, wobei die Stoßdämpfer eine neue Abstimmung erhielten, um erfahrenen Piloten bei Bedarf ordentliches Querfahren zu ermöglichen. Obwohl ansonsten viel Konzentration auf konsequenten Leichtbau gelegt wurde, verfügt der 991 R weiterhin über die Allradlenkung, die im GT3 debütierte. Laut Projektleiter Andreas Preuninger hat dies einen klaren Grund: "Ohne die Allradlenkung fuhr sich der Prototyp wie ein Lastwagen. Mit dem weiterentwickelten System ist er nun aber agiler als der GT3. Er ist sogar auf dem Niveau des Cayman GT4 und das ist bekanntlich ein Mittelmotorsportwagen. Da sind die fünf Kilogramm Zusatzgewicht nicht falsch angelegt." Für hervorragende Verzögerungswerte sorgt die serienmäßige Carbon-Keramik-Bremsanlage, deren Scheiben vorn 410 und hinten 390 Millimeter Durchmesser aufweisen.

Preis

Der Grundpreis des limitierten 991 R liegt laut Porsche Konfigurator bei 189.544,- € (inkl. MwSt.). Zugebenermaßen ist dieser Preis aber auch egal. Erstens sind bereits alle 991 Exemplare ausverkauft und zweitens ist jeder limitierte Porsche eine gute Wertanlage.

Quelle: Porsche