Bugatti Chiron - Neues Molsheimer Superlativ

Geschrieben von Oliver Kühlein am . Veröffentlicht in News

- W16-Triebwerk leistet nun volle 1.500 PS
- Vmax auf 420 km/h elektronisch begrenzt
- Leergewicht trotz Carbon-Chassis 1.995 kg
- Chiron limitiert auf weltweit 500 Exemplare
- Grundpreis liegt bei 2,4 Millionen Euro netto



1.500 PS stark, 420 km/h schnell (elektronisch begrenzt), 1.995 Kilogramm Leergewicht, 2,4 Millionen Euro teuer (zuzüglich Steuern) und auf 500 Stück limitiert - so lesen sich die Eckdaten des neuen Superlativs aus Molsheim. Auf Veyron folgt Chiron. Wobei, streng genommen war der Chiron schonmal da, als Studie, die dann jedoch zugunsten des Veyron in den Katakomben verschwand.
Die Präsentation eines neuen Bugatti ist sicherlich ein Highlight, welches jeder Automobilfan einmal erleben möchte. Nachdem es lange Zeit ruhig um die Marke blieb und der VW-Konzern mit immer neuen Sondermodellen das Interesse am Veyron aufrecht erhielt, hat nun der Nachfolger Chiron endlich seine Weltpremiere gefeiert. In Genf – wo auch sonst?

Bugatti hat den bereits bekannten W16-Motor deutlich überarbeitet und unter anderem eine Register-Turboaufladung verbaut. Beim Stichwort Registeraufladung lechzen Automobilfans und denken sicherlich sofort an den legendären Porsche 959 zurück, der dieses Prinzip erstmals auf die Straße brachte. Hierbei wird, leicht erklärt, ein kleiner Lader einem größeren vorgeschaltet. Der kleinere Lader hat durch die geringere Massenträgheit ein schnelleres Ansprechverhalten und der größere Turbo wird bei höheren Geschwindigkeiten zugeschaltet, um weiterhin viel Leistung durch Ladedruck zu haben. Beim Chiron kommen wie schon beim Veyron vier Turbos zum Einsatz. Das überarbeitete Aggregat leistet nun gute 1.500 PS.

Ein solcher Motor muss natürlich ausreichend gekühlt werden und so kommen insgesamt zehn Kühler zum Einsatz. Bei Volllast verarbeiten diese die unbeschreibliche Menge von 60.000 Litern Luft pro Minute. Der Hochtemperatur-Kühlkreislauf, welcher aus einem Haupt- und zwei Nebenkühlern besteht, pumpt pro Sekunde 37 Liter Wasser durch die Kühler, pro Minute also gute 800 Liter. Die Abgasreinigung wird von sechs Katalysatoren übernommen, deren Innenfläche sagenhafte 30 Fußballfelder abdecken würde. Dass der Motor neben der bereits schier unfassbaren Leistung von 1.103 kW/1.500 PS noch ein weiteres Superlativ bildet, möchten wir an dieser Stelle nicht verschweigen. Der Motor bringt ein Drehmoment von 1.600 Newtonmetern auf die Straße. Übertragen wird es wie bereits beim Veyron über ein Doppelkupplungsgetriebe, welches an die größte Kupplung gekoppelt ist, die aktuell im Automobilbau verbaut wird.

So gerüstet sprintet, oder sollte man besser sagen "fliegt", der Chiron in unfassbaren 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Nach 6,5 Sekunden hat man bereits die 200-km/h-Marke geknackt und nach 13,6 Sekunden ist man bereits 300 km/h schnell. So geht es denn auch weiter bis zur elektronisch abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 420 km/h. In Anbetracht der 431 km/h, welche der Bugatti Veyron Supersport mit 1.200 PS ohne elektronische Begrenzung erreicht hat, sind die 460 km/h, über die man gerüchteweise während der Entwicklung las, sicherlich nicht illusorisch. Der Tacho reicht auf jeden Fall bis 500 km/h. Sicher werden wir bald erfahren, wie schnell der Chiron sein wird, denn der Weltrekord für Serienfahrzeuge ist schon fest eingeplant. Die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit ist auf die Reifen zurückzuführen.

Wer schnell fährt sollte auch wieder schnell zum Stehen kommen und so kommen gigantisch große Bremsen an Vorder- und Hinterachse zum Einsatz, deren Durchmesser Bugatti jedoch im vorliegenden Pressetext nicht verrät. Der Chiron ist laut Herrn Dürrheimer der erste Serienwagen mit einer Acht-Kolben-Aluminiumbremsanlage. Auch das Fahrwerk wurde der Mehrleistung angepasst und soll ein Manko des Veyron begleichen. Der Chiron soll deutlich fahragiler sein als der Veyron. Spannend ist dabei, dass die Hinterräder im Vergleich um je zehn Millimeter schmaler ausfallen und somit nun das Maß von 355/25 ZR 21 haben.

Die Fahrgastzelle ist, wie sollte es auch anders in dieser Preisklasse sein, komplett aus Carbon gefertigt und wiegt acht Kilogramm weniger als jene, die noch im Veyron zum Einsatz kam. Zudem soll sie deutlich steifer sein und Werte auf LMP1-Niveau erreichen. Trotzdem legte das Leergewicht im Vergleich zum Veyron um 108 auf nun 1.995 Kilogramm zu. Designtechnisch nimmt der Chiron die Formensprache des Veyron auf, entwickelt diese jedoch deutlich weiter. Er sieht deutlich moderner aber auch aggressiver aus. Die Front- und Seitenperspektive wurden bereits bei der Studie Vision Gran Turismo in ähnlicher Form vorgestellt. Innen zeigt sich der Supersportler erneut besonders edel mit reichlich Leder und der ebenfalls beim Vision Gran Turismo gezeigten Zweiteilung durch eine senkrecht angedeutete Finne zwischen Fahrer und Beifahrer.

Wagen wir zum Schluss einmal einen Blick in die Kristallkugel. 500 Fahrzeuge sollen gebaut werden. Vermutlich werden diese zu gegebener Zeit noch von einer Roadster-Version ergänzt, ebenso ist eine Supersport-Version denkbar. Und obwohl Bugatti ab Werk bereits alle Wünsche erfüllt, werden sicherlich eine Anzahl von Chiron den Weg zum Veredler ihres Vertrauens finden. Der Durchschnittspreis des Bugatti Veyron lag übrigens bei 2,3 Millionen Euro. Legt man hier einmal den Grundpreis von seinerzeit einer Million Euro zugrunde und skaliert es auf den Chiron hoch, dürfte sich der Durchschnittspreis hier bei knapp fünf Millionen Euro einpendeln.

Wem jetzt das Wasser im Munde zusammen gelaufen ist, sollte sich sputen. Von den genannten 500 Fahrzeugen sind bereits fast 150 verkauft. Der Preis von 2,4 Millionen Euro netto schreckt hierbei sicherlich die wenigsten ab und man kann sich sicher sein, ein legendäres Stück Automobilgeschichte zu erwerben. Übrigens ist in diesem Preis auch ein Service namens "Flying Doctor" inklusive. Das heißt, dass im Fall der Fälle ein Servicemitarbeiter aus dem Werk direkt und jederzeit zu den anspruchsvollen Kunden fliegt. Natürlich handelt es sich dabei nicht nur um bloße Mechaniker. Die meisten der Flying Doctors sind ausgebildete Ingenieure. Auch hierbei merkt man, dass das Beste für den Bugatti-Kunden gerade gut genug ist.

Quellen: Bugatti (7 Bilder), Oliver Kühlein (14 Bilder)