Koenigsegg Regera - Serienreife Entwicklung

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Über 3.000 Änderungen in einem Jahr
- Produktion des Regera beginnt jetzt
- Hälfte der 80 geplanten Wagen verkauft
- Turbo-V8 und drei E-Motoren für 1.500 PS
- aus dem Stand auf 400 km/h in 20 sek.



Nachdem Koenigsegg im Vorjahr auf dem Autosalon in Genf durch die Präsentation des getriebelosen Regera für viel Gesprächsstoff gesorgt hatte, stand in diesem Jahr an gleicher Stelle die inzwischen entwickelte Produktionsversion des Megacar. Über 3.000 kleinere und größere Änderungen flossen in das Konzept ein, um die Produzierbarkeit zu ermöglichen und spätere Wartungsarbeiten zu erleichtern.

Exterieur

Speziell an der Karosserie-Optik des Regera wurde im Vergleich zum letztjährigen Konzept so wenig wie möglich verändert. Weiterhin zeigt sich hier ein eleganter Sportwagen, in den seitlich die für Koenigsegg typischen Dihedral-Synchrohelix-Türen, die nach außen und nach vorn öffnen, integriert wurden. Auch die Panorama-Windschutzscheibe und das abnehmbare Hardtop, das passgenau in den vorderen Kofferraum passt, sind von anderen Koenigsegg-Modellen bekannt. Neu sind die Leuchtgrafiken der Scheinwerfer, die zur Verhinderung von beschlagenen Gläsern mit einer eigenen Belüftung ausgestattet sind. Zudem versah Koenigsegg den Produktionsprototypen des Regera mit der Lackfarbe "Candy Apple Red metallic", um die Linienführung bestmöglich zu unterstreichen.

Interieur

Durch die "Autoskin"-Funktion gibt der Regera auf Knopfdruck am Schlüssel den Weg ins Innere frei - und zwar automatisiert. Sowohl die Türen als auch die vordere Kofferraumklappe und die große Motorhaube am Heck öffnen und schließen sich hydraulisch. Was eigentlich nicht zu einem Hochleistungssportwagen passen mag, wiegt lediglich fünf Kilogramm mehr als die konventionellen Bauteile ohne Automatisierung. Zur neuen Öffnungstechnik gehören auch die Außenspiegel, die ab jetzt automatisch einklappen, wenn die Türen geöffnet werden, um nicht mit Bordsteinen oder sonstigen Hindernissen zu kollidieren. Aus diesem Grund sind in den Türen Sensoren verbaut, die ein Öffnen verhindern, wenn zu hohe Kanten oder andere Gegenstände auf dem Boden oder zu niedrige Garagendächer im Weg sind. Mittels nach hinten, zur Seite und nach vorn gerichteter Kameras kann zudem eine Birdsview-Perspektive des Fahrzeugs auf dem zentralen Display angezeigt werden, die das Manövrieren in engen Situationen erleichtert.
Gegenüber dem letztjährigen Konzept wurde das Armaturenbrett des Regera für die Serienproduktion nochmals überarbeitet. Neue Staufächer für Smartphones mit induktiven Ladeplätzen sowie für Geldbörsen und ähnliches sind ebenso integriert worden, wie ein neuer Zentraldisplay für die Funktionen des Infotainmentsystems. Dieses verfügt serienmäßig über Apple CarPlay und ein WLAN-Netzwerk, über das auch die Smartphones der Insassen eingebunden werden können. Mehrfach elektrisch einstellbare Komfortsportsitze mit Heiz- und Memoryfunktion machen lange Reisen so komfortabel wie möglich. Beim Präsentationsfahrzeug sind sie außen im gleichen braunen Leder wie das Armaturenbrett, die Türverkleidungen, die Dachsäulen und das Lenkrad bezogen, während die Sitzmittelbahnen mit rautenförmig gestepptem Stoff versehen wurden.
Hinter dem Lenkrad sitzen zwei Schaltwippen, was bei einem Fahrzeug ohne Getriebe ein wenig komisch anmutet. Allerdings ist ihre Funktionsweise auch anders vorgesehen als zum Schalten. Der Zug am linken Paddle aktiviert beim Bremsen das regenerative Aufladen der Akkus mittels Rekuperation, während das rechte Paddle die hydraulische Kupplung zu einem "Herunterschalten" animiert (siehe "Performance").

Performance

Speziell der zum Patent angemeldete Koenigsegg Direct Drive ist ein technologisches Wunderwerk, zu dessen Realisierung diverse Journalisten und selbst erklärte Experten im vergangenen Jahr noch eher skeptisch standen. Doch die schwedische Truppe rund um Christian von Koenigsegg hat es erneut geschafft, die Fachwelt zu erstaunen. Durch den Wegfall eines klassischen Getriebes eliminiert man nicht nur mechanische Reibung und Komplexität, sondern reduziert zugleich das Leergewicht. Es liegt bei fahrfertigen 1.590 Kilogramm inklusive vollem Tank und aller Flüssigkeiten. Die Kraft des V8-Biturbo-Triebwerks gelangt über einen Direktgang auf die Hinterachse. Allerdings ist an dieser Stelle einer von drei Elektromotoren zwischengeschaltet, der mittels hydraulischer Kupplung seine Kraft hinzugibt und die drehmomentarme Zone des Verbrenners bei niedrigen Geschwindigkeiten überbrückt. Zwei weitere E-Motoren sitzen an den Hinterrädern. Im Vergleich zum letztjährigen Konzept wurde eine Kupplungsschleiffunktion implementiert, die dem Fahrer den Eindruck eines Herunterschaltvorgangs vorspielt und gleichzeitig dem Verbrennungsmotor höhere Drehzahlen und damit mehr Leistung beim Beschleunigen entlockt.
Bei der Batterietechnik hat Koenigsegg im Vergleich zum letztjährigen Konzept noch einmal nachgelegt. Ein 800 Volt starker und 4,5 kWh fassender Akkupack sitzt im Mitteltunnel des Regera und macht diesen zum weltweit ersten Serienfahrzeug mit 800 Volt Akkus. Um die Kühlung der Batterien zu gewährleisten ist der gesamte Akkupack in einem hermetisch verschlossenen Einheit untergebracht, die mit Kühlflüssigkeit gefüllt ist, wodurch jede Fläche der Akkus erreicht wird. Im Vergleich zum Regera Concept konnten nochmals 25 Kilogramm beim Gewicht der Batterien eingespart werden, indem neueste Technologie aus der Formel 1 in die handgefertigten Zellen einfloss. Insgesamt bringt das komplette Akkupaket nun nur noch 90 Kilogramm auf die Waage.
Da sich die Höchstleistung der Elektromotoren und des Turbo-Benziners nicht an der gleichen Drehzahl begegnen, gibt Koenigsegg eine kombinierte Höchstleistung von "mehr als 1.500 PS" sowie ein Höchstdrehmoment von mehr als 2.000 Newtonmetern an. Für die Beschleunigungszeiten gilt: Tempo 100 in 2,8 Sekunden, Tempo 200 in 6,6 Sekunden, Tempo 300 in 10,9 Sekunden und Tempo 400 in 20 Sekunden. Von 150 auf 250 km/h geht es in fast unglaublichen 3,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird erreicht, wenn alle Motoren ihre Maximaldrehzahl erreichen und liegt somit bei rund 420 km/h.
Koenigsegg spricht trotz dieser Daten von einem Super-GT anstelle eines Hypersportwagens. Hierzu erhält der Regera mehr Geräuschdämmung im Vergleich zum Agera sowie neu entwickelte, aktive Motoraufhängungen, die bei niedrigen Geschwindigkeiten weniger Vibrationen in Richtung der Passagiere schicken. Auf Knopfdruck oder automatisch bei höheren Geschwindigkeiten werden sie steifer und erlauben damit ein ungefiltertes Fahrerlebnis.

Preis

Zum Grundpreis des Regera machte Koenigsegg keine Angaben. Allerdings werden lediglich 80 Kundenfahrzeuge aufgebaut, von denen innerhalb des ersten Jahres nach der Präsentation bereits die Hälfte verkauft werden konnte. Erste Kunden werden ihren Regera noch in diesem Jahr erhalten.

Quellen: Koenigsegg (5 Bilder), Matthias Kierse (6 Bilder)