Rimac Concept_S - E-Sportwagen mit Renngenen

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- Noch sportlicher als der Concept_One
- vier E-Motoren mit zusammen 1.384 PS
- in 2,5 sek auf 100, in 13,1 auf 300 km/h
- ausgefeilte Aerodynamik inklusive Flügel
- Kleinstserienproduktion ist denkbar



Erst kürzlich hat carsdaily.de über den Rimac Concept_One berichtet, jenen elektrisch angetriebenen Supersportwagen aus Kroatien, der mit seinen 1.088 PS leistungsmäßig in der obersten Liga mitspielt und beim Genfer Salon erstmals in der Serienversion gezeigt wird. Offensichtlich war das aber noch nicht das Ende der Elektropower vom Balkan, denn neben der Serienvariante brachte Mate Rimac, CEO von Rimac Automobili, eine in allen Belangen deutlich nachgeschärfte Variante des elektrischen Supercars mit an den Lac Leman – das Modell Concept_S.

Exterieur

Basierend auf dem Concept_One macht das neue Modell auf den ersten Blick klar, worum es hier geht. Die optischen Veränderungen an der Karosserie lassen den Concept_S wirken, als käme er direkt von der Rennstrecke. Auffallend sind die aerodynamischen Veränderungen an der Front, wo ein weit herausragender Splitter die Luft gezielt teils durch die vorderen Lufteinlässe über die ersten vier der sieben Kühlsysteme und anschließend kurz vor der Windschutzscheibe wieder herausführt. Ein Teil der Luft wird durch die seitlichen Flaps um das Auto herum abgelenkt und an den Seitenschwellern entlang durch die seitlichen Lufteinlässe zu den hinteren Kühlsystemen geleitet, um dann durch in die Heckleuchten integrierte Luftauslässe abgeführt zu werden. Diese warme Luft trifft auf den unter dem Auto hervorfließenden Luftstrom, nachdem dieser durch den neu gestalteten Heckdiffusor nach oben geleitet worden ist und minimiert so den Niederdruckbereich hinter dem Fahrzeug. Die ausgefeilte Aerodynamik an Front und Heck sorgt in Verbindung mit dem neuen, großen Heckflügel für eine Verbesserung des Abtriebs um 34 Prozent.
Die Dimensionen des Supersportwagens verstärken den rennsportlichen Auftritt, denn bei einer Länge von 4,18 Metern und einer Breite von 1,84 Metern ist der Rimac lediglich 1,07 Meter hoch und damit einer der flachsten Sportwagen auf dem Markt.

Interieur

Im Inneren zeigt sich der kroatische Elektrorenner deutlich spartanischer als das Serienmodell Concept_One. Leichte Rennsportsitze mit Fünfpunktgurten sorgen für sicheren Halt und neben dem großzügigen Verzicht auf Dämmmaterial auch für eine weitere Gewichtseinsparung. Sitze und Armaturenbrett sind mit Alcantara bezogen, das teilweise mit roten Kontrastnähten verarbeitet wird. Abgestzte Akzente aus Carbon an Armaturenbrett und Mittelkonsole vereinen Leichtbau und ein hochwertiges Ambiente. Die Schalter in der Mittelkonsole sind aus dem Vollen CNC-gefräst und anschließend rot eloxiert. Davor findet der Fahrer eine Vielfalt an Informationen über das Rimac-eigene Entertainmentsystem mit Touchscreen., so beispielsweise komplette Telemetriedaten beim Einsatz auf der Rennstrecke, die das System gleichzeitig in Echtzeit der Crew an der Boxengasse zur Verfügung stellen kann oder auf Smartphone oder Laptop des Fahrers überträgt.

Performance

Man sollte meinen, mit einer Leistung von 1.088 PS ist ein Sportwagen nicht schlecht aufgestellt innerhalb des Feldes der Mitbewerber. Bei Rimac war man jedoch offensichtlich anderer Meinung. Vom Concept_One übernimmt das neue Modell das Antriebslayout mit vier separaten Elektromotoren, die jeweils paarweise an den Achsen verbaut werden. Jeder dieser Motoren legt leistungsmäßig um rund 25 Prozent zu, so dass eine Höchstleistung von 1.018 kW/1.384 PS zur Verfügung steht. Das höchste Drehmoment liest sich mit 1.800 Newtonmetern fast noch beeindruckender. Bauartbedingt liegt dieses beim Elektromotor sofort ohne Verzögerung ab Start an. Die Fahrwerte sind entsprechend: Von 0 auf 100 km/h vergehen lediglich 2,5 Sekunden, nach 5,6 Sekunden fährt der Rimac bereits 200 km/h schnell und die 300-km/h-Marke ist nach 13,1 Sekunden erreicht. Zum Vergleich die Werte des neuen Bugatti Chiron, der über 1.102 kW/1.500 PS und ebenfalls Allradantrieb verfügt: Bis 100 km/h ebenfalls 2,5 Sekinden, bis 200 liegt der Franzose mit 6,5 Sekunden fast eine Sekunde zurück, um dann bis 300 km/h mit 13,6 Sekunden wieder etwas aufzuholen. Diese Runde geht nach Kroatien, chapeau Rimac!
Die Bremswerte sind dem Geschwindigkeitspotential angepasst. Für die Standardmessung aus 100 km/h benötigt der Rimac extrem kurze 31,5 Meter. Die großzügig ausgelegten Carbonbremsen erhalten dabei Unterstützung von einem bis zu 400 kW starken regenerativen Bremssystem, das gleichzeitig die Batterien wieder auflädt. Neben der mal vorsichtig formuliert "ausreichenden" Motorleistung und einer Gewichtsersparnis von 50 Kilogramm im Vergleich zum Concept_One ist der Allradantrieb über die vier separaten Motoren und das von den Kroaten selbst entwickelte "Rimac All Wheel Torque Vectoring System" (R-AWTV-S) für die enormen Fahrleistungen verantwortlich. Das R-AWTV-S ist einfach erklärt ABS, ESP und Traktionskontrolle in einem, verfügt aber über weitaus komplexere Fähigkeiten. So lässt sich der Charakter des Fahrzeugs wie bereits beim Concept_One von unter- bis übersteuernd komplett einstellen. Das System überwacht das Leistungsverhalten jedes einzelnen Elektromotors mehr als 100-mal in der Sekunde und steuert die Motoren den Fahrzuständen entsprechend.

Preis

Bei der Vorstellung beim Genfer Salon sprach Mate Rimac noch vom Concepts_S als Studie, auf der Website des Herstellers ist jedoch von "available today" die Rede. Es bleibt abzuwarten, ob und wann dieser elektrische Überflieger erhältlich sein wird. Preise sind jedenfalls noch nicht bekannt.

Quellen: Rimac (10 Bilder), Kay Andresen (3 Bilder), Matthias Kierse (1 Bild)