Alfa Romeo Giulia im Mitbewerberumfeld

Geschrieben von Martin Englmeier am . Veröffentlicht in News

- Neue Giulia mit 6 Motoren im Angebot
- im Konkurrenzumfeld sehr gut aufgestellt
- niedrigster Diesel-Durchschnittsverbrauch
- gefälliges italienisches Karosserie-Design
- Bestellungen sind ab Mitte April möglich



Nach der Präsentation der gesamten Motorenpalette der neuen Alfa Romeo Giulia erlauben wir uns an dieser Stelle einen kleinen Vergleich der neuen Italienerin mit dem Mercedes-Benz C 220 d, dem BMW 320d, dem Audi A4 2.0 TDI und dem Jaguar XE 20d.

Ab April bestellbar

Man wollte es eigentlich nicht mehr glauben. Zu lange schon hat man uns mit Versprechungen hingehalten. Selbst auf die fulminante Vorstellung der Giulia QV in Arese und auf der IAA in Frankfurt folgten unmittelbar wieder die beinahe zu erwartenden Hiobsbotschaften: Die Produktion ist verschoben, das Auto wäre bei den Crashtests durchgefallen und überhaupt gäbe es Qualitätsprobleme.

Doch nun in Genf belehrte uns die Mannschaft um Harald Wester plötzlich eines Besseren. Der Beginn der Produktion stehe unmittelbar bevor, schon Mitte April könnten die Händler die Bestellungen entgegennehmen. Nicht nur für das Topmodell mit 510 PS wohlgemerkt, sondern auch für die restliche Giulia-Familie. Grund genug für uns, den neuen Sprössling sofort mit seinen wichtigsten Konkurrenten zu vergleichen, den Platzhirschen BMW 3er, Mercedes-Benz C-Klasse, Audi A4 und dem Jaguar XE.

Extrovertiertes Design

"Wir sind sofort auf Augenhöhe mit den Deutschen", so die Aussage des Fiat-Obersten Sergio Marchionne. Zumindest was die Breite des Wagens angeht, ist dies sogar eine deutliche Untertreibung. Mit 1.873 Millimetern sprengt der Italiener eigentlich die Verhältnisse seiner Klasse und übertrifft selbst den betont breit wirkenden Audi A4 um über drei Zentimeter. Gleichzeitig ist die Giulia aber auch das flachste Fahrzeug. Dementsprechend mächtig wirkt der Wagen auf der Straße. In Sachen optischer Präsenz macht dem Alfa Romeo absolut keiner etwas vor.

Zumal man auch das Design als betont extrovertiert bezeichnen kann. In Natura fallen die vielen Linien und Rundungen noch prägnanter ins Auge, als auf den Bildern. Im Vergleich dazu wirken die deutschen Mittelklasselimousinen und auch der Jaguar betont gediegen. Die Giulia dagegen will vor allem in der Topvariante QV provozieren. Mächtige Auspuffrohre, Heckspoiler und ein adaptiver Frontsplitter stellen die Leistung zur Schau. Die bürgerlichen Varianten der Italienerin erscheinen dagegen wesentlich eleganter und erinnern in vielen Details an den Alfa Romeo 156.

Qualitativ und technisch überzeugend

Auch das Armaturenbrett zitiert gestalterisch historische Vorfahren. Die analogen Instrumente sind für den Fahrer sehr gut ablesbar. Das Lenkrad überzeugt in Sachen Design und Haptik. Das Infotainment mit 16,5-Zentimeter-Screen ist betont unauffällig integriert und stellt sich weniger in den Vordergrund als bei Audi A4 und Mercedes C-Klasse. Die Giulia präsentiert sich als Fahrmaschine, bietet aber trotzdem auch auf den hinteren Rängen ähnlich viel Platz wie die Konkurrenten. Selbst an einen USB-Anschluss für die Rücksitzbank wurde gedacht.

Die wirklichen Highlights der Giulia aber finden sich unter'm Blech. Das von ehemaligen Ferrari-Ingenieuren entworfene Chassis besticht durch einen sehr hohen Aluminiumanteil. Die Vorderräder werden von einer Doppelquerlenker-Konstruktion geführt, deren Aufhängungspunkte über eine enorm hohe Verwindungssteifigkeit verfügen. Alfa Romeo spricht von überragender Direktheit und Präzision bei gleichzeitig sehr hohem Fahrkomfort. Die Giulia lässt sich auch mit einem mechanischem Sperrdifferenzial ordern.

Bestes Leistungsgewicht, niedrigster Verbrauch

Wie ernst es die Italiener mit ihrem neuem Aushängeschild meinen zeigt auch noch ein anderer Wert: Nach DIN-Norm soll die 180-PS-Diesel-Version nur 1.374 kg wiegen. Damit unterbietet die Giulia den nächsten Konkurrenten Jaguar XE 20d um 41 kg. Die versprochenen Werte für Fahrleistung und Verbrauch erscheinen fast als kleine Sensation. In nur 6,9 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h. Der Durchschnittsverbrauch soll bei nur 3,8 Litern pro 100 Kilometern liegen. Damit ist die Giulia mit Dieselmotor schneller und zugleich sparsamer als alle direkten Konkurrenten.

Der enorme technische Aufwand offenbart sich auch in anderen Details. So beispielweise in der ersten Serienapplikation einer elektromechanischen Bremse. Die Techniker versprechen sich hier eine Gewichtseinsparung und eine bessere Integration mit dem ESP. Auch bei den elektronischen Hilfen soll der Technologietransfer aus Maranello zu spüren sein. Wie uns zu hören gekommen ist, sprechen die Techniker von einem "fantastischen Handling für jede Art von Fahrer". Auch die neue Bremse soll in Sachen Druckpunkt und Standfestigkeit zum Serienstart überzeugen.

Kollisionswarner aber kein Parkassistent

Nicht in jedem Piloten steckt auch automatisch ein Rennfahrer. Für viele Kunden sind vielmehr die technischen Features im Bereich Komfort und Sicherheit entscheidend. Diesbezüglich fährt die Giulia noch nicht ganz auf dem Niveau seiner Konkurrenten. So präsentieren die Italiener zwar stolz einen Kollisionswarner mit automatischer Fußgängererkennung. Auch Spurhalte-Assistent und Totwinkelwarner sind an Bord. Einen Parkassistenten mit automatischer Einparkfunktion sucht man jedoch weiterhin vergeblich. Die Konkurrenz bietet selbigen teilweise sogar schon eine Klasse tiefer.

Die Giulia ist also nicht perfekt. Bleibt nur die Frage, inwieweit das südländische Selbstbewusstsein auch bei der Preisgestaltung durchschlägt. Offizielle Angaben gibt es hierzu noch nicht, es ist allerdings anzunehmen, dass man sich hier sehr stark an der Konkurrenz aus München orientiert. Der BMW 3er gilt als Hauptkonkurrent. Wir glauben, dass die Chancen auf ein erfolgreiches Comeback nicht allzu schlecht sind. Die rassige Limousine aus Lazio hat sich in Genf als qualitativ sehr hochwertige, emotional ansprechende Alternative präsentiert.

  Alfa Romeo Giulia Mercedes-Benz C 220 d BMW 320 d Audi A4 2.0 TDI Jaguar XE 20d
Leistung 132 kW/180 PS 125 kW/170 PS 140 kW/ 190 PS 140 kW/190 PS 132 kW/180 PS
Gewicht 1.374 kg 1.475 kg 1.430 kg 1.450 kg 1.415 kg
0-100 km/h 6,9 Sekunden 7,7 Sekunden 7,3 Sekunden 7,7 Sekunden 7,8 Sekunden
Ø-Verbrauch 3,8 Liter/100 km 4,0 Liter/100 km 4,4 Liter/100 km 4,3 Liter/100 km 4,2 Liter/100 km

Die angegeben Werte beziehen sich auf die jeweiligen Modelle mit Schaltgetriebe, dabei sind die Angaben für die Alfa Romeo Giulia vorläufig.

Alfa Romeo wird die Giulia mit drei Dieselmotoren mit 150, 180 und 210 PS sowie mit drei Benzinern mit 200, 280 und 510 PS (QV) anbieten. Alle Modelle bis auf die QV sind auch mit einer 8-Gang-Wandlerautomatik und zu einem späteren Zeitpunkt auch mit Allradantrieb erhältlich. Als Ausstattungslinien gibt es die Giulia sowie die Giulia Super. Sport-, Business- und Komfortpaket sind optional erhältlich.

Quellen: Alfa Romeo (7 Bilder), Martin Englmeier (3 Bilder), Matthias Kierse (1 Bild)