Techrules TREV Concept - Als AT96 und GT96

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Turbinen-Hybrid-Technologie aus China
- Mikroturbine dient als Range Extender
- über 2.000 km Reichweite mit 80l Kerosin
- 1.044 PS & 8.640 Nm mit sechs E-Motoren
- erster Prototyp bereits im Fahrversuch

In Genf feierte die chinesische Entwicklungsfirma Techrules ihre Weltpremiere und brachte gleich zwei Sportwagenstudien mit, den AT96 und den GT96. Während deren Karosserien einen durchaus hübschen Anblick boten, war es hauptsächlich die darunter verborgene Technik, die für Aufsehen sorgte.

Beide Sportwagen sind Elektrofahrzeuge mit eigener Energieversorgung mittels Turbine als Range Extender. Daher tragen sie das Kürzel TREV für Turbine Recharging Electric Vehicle. Auf den Turbinengenerator hat Techrules bereits Patente eingereicht. Dabei arbeitet eine Mikroturbine als Stromgenerator und läd somit die Lithium-Mangan-Oxid-Akkus des Elektroantriebs wieder auf. Die Schaufelräder innerhalb der Turbine drehen sich dabei mit über 96.000 Umdrehungen pro Minute und erzeugen dabei 36 kW. Davon gehen 30 kW direkt in den Generator, während 6 kW für allerlei Nebenaggregate zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu anderen Turbinen-Hybrid-Systemen gibt es hier jedoch keine direkte Verbindung zwischen Turbine und Elektromotoren. Am von der Turbine und dem Generator gemeinsam genutzten Schaft kommen keine klassischen Kugellager zum Einsatz, sondern eine Kombination aus Luftlager und magnetischem Feld. Auf diese Weise wird die mechanische Reibung auf null reduziert, während durch das magnetische Feld ein gleichbleibender Abstand zwischen Welle und Befestigung gegeben ist.

Technologisch ließ man sich dabei von der Luftfahrt-Technik und großen stationären Generatoren inspirieren. Aufgrund der hohen Effizienz versprechen die Chinesen eine Verringerung der Akkugröße und somit des Fahrzeuggewichts. Das gesamte Turbinensystem inklusive Kraftstoff- und Frischluftpumpen sowie dem Stromgenerator beträgt rund 100 Kilogramm und liegt damit ungefähr auf einem Level mit normalen Verbrennungsmotoren. Der erste fahrfertige Prototyp hat dank eines Carbon-Monocoques und einer ebenfalls aus Kohlefaser gefertigten Karosserie ein Leergewicht von 1.380 Kilogramm, wobei Techrules für die Serie einen Wert unter einer Tonne anstrebt.

Was nun fast schon zu fantastisch klingt, befindet sich seit letztem Monat bereits im Fahrversuch. Mit dem AT96 TREV Concept unternimmt Techrules erste Probefahrten auf der britischen Rennstrecke Silverstone. Dabei konnte bereits die angestrebte Leistung der E-Motoren erreicht werden. Insgesamt verfügt das TREV Concept über sechs Antriebseinheiten, von denen je einer an jedem Vorderrad sitzt und je zwei pro Hinterrad eingesetzt werden. Diese bringen es aktuell auf kombinierte 768 kW, was 1.044 PS entspricht. Zudem stehen insgesamt 8.640 Newtonmeter Drehmoment ab dem ersten Tritt auf's Gaspedal bereit. Damit ist der Spurt auf Tempo 100 in 2,5 Sekunden möglich, während die Höchstgeschwindigkeit mit 350 km/h angegeben wird. Zudem soll dank der hocheffizienten Turbine und eines 80 Liter großen Kerosin-Tanks eine Reichweite von über 2.000 Kilometern möglich sein, da der Kraftstoffverbrauch laut Techrules bei gerade einmal 0,18 Litern auf 100 Kilometern liegt.

Techrules nutzt lieber zwei kleinere Elektromotoren pro Hinterrad anstelle von einem großen, um zum einen die Baugröße insgesamt zu reduzieren und zum anderen den Einbauort am Monocoque freier bestimmen zu können. Durch die Verteilung der E-Motoren an jedem Rad verfügt das TREV Concept nicht nur über einen Allradantrieb, sondern kann mittels Torque Vectoring die Kraft nach Belieben auf die Räder verteilen, was speziell auf kurvigen Landstraßen oder Rennstrecken für Fahrspaß sorgt. Im Bedarfsfall sorgt eine Performance-Bremsanlage für die Verzögerung, deren Scheiben vorn 405 und hinten 380 Millimeter Durchmesser aufweisen und von sechs, respektive vier Kolben pro Bremssattel in die Zange genommen werden.

Der Name AT96 spielt auf die "Aviation Turbine"-Technologie an, die in diesem Fahrzeug erprobt wird. Hier kommt also flüssiges Kerosin wie beim Flugzeug als Brennstoff für die Turbine zum Einsatz. Gleichzeitig erhielt das Fahrzeug eine rennstreckenorientierte Gestaltung mit großem Heckflügel für viel Abtrieb. Daneben stand in Genf auch die Studie GT96, deren Name auf die "Gas Turbine" hinweist. Techrules testet die Technologie also auch in Hinblick auf die Verträglichkeit mit Bio-Gas und Erdgas, während die Karosserie dieser Konzeptstudie deutlich näher an einem Straßensportwagen liegt. Da in vielen Metropolen inzwischen Ladestationen zum normalen Straßenbild gehören, verfügen beide Fahrzeuge über Plug-In-Aufladetechnik.

In den kommenden Jahren soll die Technologie in Ruhe erforscht werden, um Kinderkrankheiten auszumerzen. Dann möchte Techrules sie zuerst in einem Kleinserien-Sportwagen verbauen, der gleichzeitig Chinas erster Supersportwagen werden soll. Später sollen dann auch weniger leistungsstarke Fahrzeuge für Jedermann folgen.

Quellen: Techrules (2 Bilder), Matthias Kierse (1 Bild), Niklas Emmerich (1 Bild)