Audi R18 - Vorstellung des neuen Renngeräts

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Komplett neu entwickelter R18 für WEC
- bessere Aerodynamik, weniger Gewicht
- rundum überarbeitete Fahrwerksgeometrie
- V6-TDI-Motor plus 6-Megajoule-Hybrid
- über 1.000 PS Systemleistung durch MGU



Bereits Ende letzten Jahres zeigte Audi einen ersten Ausblick auf den neuen R18, der in diesem Jahr in der FIA WEC Rennserie und bei den 24 Stunden von Le Mans eingesetzt wird. Nun folgen weitere Details und neue Bilder, auf denen der Rennwagen ein wenig mehr Farbe erhalten hat. Allerdings bleibt es dabei, dass die Ingolstädter auf die Werbung für das verwendete TDI-Triebwerk gänzlich verzichten, was nach dem Abgasskandal verständlich erscheint.
 
Wie bereits von uns berichtet verwendet das neue Rennfahrzeug fast keine Schraube vom Vorgängermodell gleichen Namens und steigt in diesem Jahr in die 6-Megajoule-Energieklasse auf. Somit steht neben der Leistung des vier Liter großen V6-TDI-Motors nun 50 Prozent mehr Kraft aus den Elektromotoren zur Verfügung als im Vorjahr. Die Energie stammt aus in Reihe geschalteten Lithium-Ionen-Akkus und einem Rekuperationssystem und kehrt damit dem bislang verwendeten Drehmassenspeicher den Rücken zu. Dieser hatte sich in den niedrigegen Energieklassen bewährt, kommt jedoch mit den hohen Energieleistungen der 6-Megajoule-Klasse nicht mit. Dadurch sinkt gleichzeitig jedoch die Diesel-Tankgröße um acht Prozent auf nun 49,9 Liter. Dies ist im Regelwerk verankert, das Fahrzeugen in höheren Energieklassen weniger Kraftstoff zubilligt, um sowohl die Rundenzeiten im Griff zu behalten als auch zu große Vorteile zu eliminieren.

Rekuperationssystem für Le Mans eingebremst
Das Rekuperationssystem setzt sich zusammen aus einer MGU (Motor Generator Unit) an der Vorderachse, die aus der Drehbewegung der Räder beim Bremsen elektrische Energie gewinnt und diese beim nächsten Beschleunigungsvorgang wieder zur Verfügung stellt. Die Ingolstädter legten ihre MGU darauf aus, dass sie binnen kürzester Zeit möglichst viel Energie erzeugt, da die Bremsvorgänge eines LMP1-Rennwagens lediglich drei bis fünf Sekunden dauern. Anschließend stehen kurzfristig zusätzlich mehr als 350 kW/476 PS zur Verfügung, was in diesem Jahr für das Langstreckenrennen in Le Mans per Reglement erstmals auf 300 kW/408 PS begrenzt werden muss. Audi spricht dennoch von mehr als 1.000 PS kombinierter Leistung aus dem TDI-Aggregat und den Elektromotoren. Der Turbodieselmotor verfügt über einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG), der ein maximales Drehmoment jenseits von 850 Newtonmetern ermöglicht. Beim Getriebe ging Audi indes einen Schritt zurück: Statt sieben sind nun nur noch sechs Vorwärtsgänge im Gehäuse verbaut.

Natürlich wurde im Zuge der Überarbeitung, die beim R18 eher einer kompletten Neukonstruktion gleichkam, auch die Fahrwerksgeometrie völlig neu ausgelegt. Während die Feder-Dämpfer-Elemente für Hub und Wank an der Vorderachs mittels Pushrods, also Schubstreben betätigt werden, sind es an der Hinterachse Pullrods, also Zugstreben. Durch die Ausgleichselemente des Linked Suspension Systems (LSS) wird bei allen Geschwindigkeitsbereichen eine optimale Balance erreicht.

Sicherheitsbestimmungen durch eigene Forschung überboten
Optisch unterscheidet sich der neue R18 ebenfalls deutlich vom Vorjahresfahrzeug. Eine komplett überarbeitete Aerodynamik soll auf allen Rennstrecken der WEC-Saison für perfekte Fahrbarkeit sorgen. Hierzu zählt eine deutlich schlankere Fahrzeugnase und ein nach vorn versetztes Cockpit. Um die Auftriebskräfte in den Radhäusern zu verringern, wurden die Öffnungen oberhalb der Räder gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent erhöht. Hinzu kommt ein deutlich verringertes Grundgewicht, wodurch mittels Ballast eine ausgewogene Gewichtsverteilung erzeugt werden kann.
 
Die bereits sehr hohen FIA-Anforderungen in Sachen Fahrersicherheit überbietet Audi durch eigene Forschungsergebnisse. Auf dem Fahrer-Informationsbildschirm werden Flaggensignale der Rennleitung und Daten zum Reifenluftdruck eingeblendet, während die Matrix-LED-Scheinwerfer ihren Lichtkegel an die jeweiligen Geschwindigkeitsbereiche anpassen und für eine besonders gute Sicht nach hinten neben den vorgeschriebenen Außenspiegeln auch ein Kamerasystem inklusive hochmodernem AMOLED-Bildschirm an Bord ist.

Quelle: Audi Motorsport