Tesla Model 3 vs Toyota Prius - Konzept-Vergleich

Geschrieben von Martin Englmeier am . Veröffentlicht in News

- Der etwas andere Vergleich der Konzepte
- wo liegt der Tesla vorn, wo der Prius?
- wie sieht die Umweltbilanz genau aus?
- Hybrid oder Elektro, wo geht die Reise hin?
- genaues Hinsehen führt zu Einblicken



Das Phänomen Tesla ist schwer zu greifen oder gar zu begreifen. Beinahe jeder scheint sich aktuell mit dem Thema zu beschäftigen. Die Vorbestellungen für das Model 3 brechen alle Rekorde, die Aktie des Unternehmens kennt kein Halten und Elon Musk wird schon für den Nobelpreis diskutiert. Zur aktuellen Gemengelage wagen wir einen Vergleich zwischen dem bereits realen Toyota Prius IV und dem virtuellen Tesla Model 3.

Lifestyle - Tesla ist das neue Apple

Toyota sieht den Prius als "Imageleader", das Design schaffe vom ersten Moment an Aufmerksamkeit. Das stimmt auch. Die gewonnene Anteilnahme ist aber selten als Kompliment zu verstehen. Der Prius wirkt hochbeinig, lang, eckig, aber nicht unbedingt formvollendet. Demgegenüber ist das Model 3 einfach cool. Es setzt auf gelungene Proportionen und es trägt einen magischen Markennamen. Zudem bietet der Kalifornier noch mehr technischen Schabernack als der Prius. 0:1 für den Tesla

Nutzen  – Mehr Raum und viel mehr Reichweite beim Prius

Der Prius bietet innen mehr Raum als das Model 3. Auf den vorderen Plätzen fällt die Kopffreiheit geradezu riesig aus. Mit vorgeklappter Rücksitzlehne passen bis zu 1.633 Liter in das Fließheck. Der Tesla hat keine große Heckklappe, dafür aber in den Varianten ohne Allrad einen zusätzlichen Kofferraum vorne. Beim Platzangebot sehen wir den Tesla im Nachteil. Hinzu kommt die unschlagbare Reichweite des Prius. Mit nur 43 Litern Tankinhalt kommt der Japaner ohne Probleme auf 1.000 Kilometer Reichweite. Da sieht der Tesla mit versprochenen und vermutlich sehr optimistischen 345 Kilometern alt aus.  Wir vergeben an dieser Stelle daher einen Doppelpunkt für den Toyota. 2:1

Qualität – Toyota vorbildlich, Tesla mit Mängeln

Toyota steht für Zuverlässigkeit. In nahezu allen einschlägigen Dauertests und Qualitätsstudien liegen die Modelle des japanischen Herstellers an vorderster Front. Das gilt auch für den seit 1997 produzierten Prius. Dafür legen die Asiaten allerdings wesentlich weniger Wert auf hochwertige Haptik. 
Tesla mit Qualitätsproblemen
Die in den USA angesehene Agentur "consumer reports" fällt über die Qualität der bisher ausgelieferten Tesla Model S ein schlechtes Urteil. Höher als der Durchschnitt wäre die Anzahl der Mängel. Vor allem der riesige Touchsreeen und die Elektromotoren bereiten Probleme. Immerhin aber bietet Tesla eine 4-Jahres-Garantie an. Wir denken aber, dass sich die Kunden auch beim Model 3 auf einige Probleme einstellen sollten, zumal Tesla auch ein eher dünnes Werkstattnetz anzubieten hat. 3:1

Komfort – Beide Autos sind Ruhepole

Der Prius ist ein Leisetreter. Obwohl sein Verbrenner sich bereits bei Schrittgeschwindigkeit einschaltet, ist er kaum zu hören. Erst unter Volllast ist das typische Hochjaulen präsent, bleibt aber auch dann im Hintergrund. Die Abstimmung zwischen den beiden Maschinen funktioniert vorbildlich. Dank sehr hoher Verwindungssteifigkeit und einem aufwendigen Fahrwerk mit Querlenkern hinten federt und dämpft es zudem sehr kommod. Ob der Tesla das noch besser kann, lässt sich kaum beurteilen. Der Elektroantrieb bietet unschlagbaren Antriebskomfort, allerdings überzeugen bei den aktuellen Tesla-Modellen Wind- und Abrollgeräusche nicht. Unentschieden, 4:2

Fahrspaß  - Explosive Beschleunigung beim Tesla

Wer in einem Prius sportlichen Fahrspaß verspürt, isst vermutlich auch gerne Sushi mit Ketschup und Mayo. Doch ganz so langweilig wie früher ist die aktuelle Generation nicht mehr. Im Power-Mode fällt die Gaspedalreaktion erstaunlich spritzig aus, es geht schneller auf 100 km/h, als es die gemessenen 11,1 Sekunden vermuten lassen. Er legt sich immer noch mächtig in die Kurven, bleibt aber lange neutral und die Lenkung vermittelt gar einen Hauch von Präzision. Mehr jedenfalls, als die alten Mercedes-Lenkgetriebe im aktuellen Tesla Model S. Trotzdem dürfte das Model 3 Fahrspaß auf einer anderen Ebene bieten. Der Elektroantrieb beschleunigt Pilot und Passagiere blitzartig nach vorne. Auch wenn die Leistung nicht besonders lange anhält: Der Tesla-"Warp"-Antrieb entscheidet dieses Kapitel eindeutig für sich. 4:3

CO2-Ausstoß - Klare Vorteile für den Prius

Der Prius ist ein außergewöhnlich sparsames Auto. Die Werksangabe liegt bei 3,3 Litern Superbenzin für die Version mit 17-Zoll-Felgen. Unser Praxistest ergab 4,8 Liter im Schnitt, also umgerechnet 111 g CO2/km. Um einen wirklich vergleichbaren Wert zu erhalten, muss allerdings der Aufwand zur Förderung, Verarbeitung und zum Transport von Benzin hinzugerechnet werden. Damit erhöt sich der eigentliche CO2-Ausstoß um 19% auf 132 g/km. Dies stellt allerdings immer noch einen sehr niedrigen Wert dar.
Die Hybridbatterie besteht aus Nickel-Metallhydrid und hat eine Kapazität von 1,31 kWh. Der Aluminiumanteil des Prius-Chassis ist sehr niedrig. Trotzdem ist der Hybrid mit gewogenen 1.419 Kilogramm nicht schwerer als ein vergleichbarer konventioneller PKW. Der Energieverbrauch zur Produktion des Prius ist allerdings laut Toyota dennoch etwa höher als bei einem konventionellen PKW. Wir addieren an der Stelle geschätzte 10 g/km. Der durchschnittliche Gesamtverbrauch liegt somit bei rund 142 g/km
CO2-Ausstoß vorrangig vom Strommix abhängig
Elon Musk versteht sich ja selbst als Vorkämpfer in Sachen Weltrettung. Es müssten alle Autos elektrisch fahren, um die CO2-Emissionen zu senken. Natürlich emittiert ein Elektroauto während der Fahrt kein Kohlenstoffdioxid. Allerdings kommt der Strom ja nicht einfach so aus der Steckdose. Um den realistischen CO2-Ausstoß eines Tesla Model 3 zu berechnen, gehen wir von folgender Kalkulation aus:
Im deutschen Strommix entfallen circa 565 Gramm CO2 auf eine kWh. Um eine 65-kWh-Batterie zu laden werden rund 72 kWh benötigt. Damit kommt das Model 3 unter realistischen Bedingungen 250 Kilometer weit. Umgerechnet entspricht dies einem CO2-Ausstoß von 160 g/km. Hierbei ist auch der Stromanteil aus CO2-neutralen Kernkraftwerken mit eingerechnet.
Energieintensive Herstellung von Batterien
Die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien ist extrem energie-intensiv.  Mit 54 Kilogramm CO2 pro kWh fallen für die Herstellung der Model-3-Batterie 3.510 kg CO2 an. Bei einer angenommenen Batterie-Lebensdauer von sieben Jahren und einer jährlichen Laufleistung von 20.000 Kilometern addieren sich weitere 25 Gramm CO2 pro Kilometer. Damit kommt das Model 3 auf 185 g/km.
Die aktuellen Tesla-Modelle verbrauchen momentan auch im Ruhezustand Strom. Beim Model S sind es rund 1,3 kWh pro Tag auch im unbenutzten Zustand. Geht man von einem Ruheverbauch von 1 kWh beim Model 3 aus, erhöht sich der CO2-Ausstoß um weitere 10 g/km. Der gesamte CO2-Verbrauch liegt somit bei 195 g/km.  
Insgesamt emittiert das Model 3 also 37 Prozent mehr CO2 pro Kilometer als der Toyota Prius. Würde man die gleiche Kalkulation übrigens anhand des amerikanischen Stromnetzes anstellen wäre die Umweltbilanz für den Tesla noch bedeutend schlechter. 5:3

Ausstoß giftiger Gase bei der Herstellung von Batterien

Was den Ausstoß giftiger Emissionen angeht, liegt der Toyota in allen Bereichen an der untersten Grenze dessen, was technisch für einen Verbrenner möglich ist. Der NOx-Wert liegt bei 0,016 g/km. Zum Vergleich: Der Euro6-Grenzwert für Benziner liegt bei 0,06 g/km, für Diesel bei 0,08 g/km.
Natürlich operiert das Model 3 im Fahrbetrieb komplett emissionsfrei. Dafür fallen bei der Herstellung von Batterien umso mehr Emissionen an. Inwieweit sich dies auf die Lebensdauer eines Elektroautos umrechnen lässt, ist heftig umstritten. Befürworter der Elektromobilität argumentieren, dass Lithium-Ionen-Batterien in Zukunft problemlos recyclingfähig sind. Der ökonomische Aufwand ist allerdings diesbezüglich erheblich. Im Moment jedenfalls ist die Umweltbelastung vor allem durch die Herstellung der sogenannten Vorläufermetalle wie beispielsweise Graphit enorm. Eine klare Bewertung erscheint hier aber kaum möglich, das Kapitel "Giftige Gase" endet unentschieden. 6:4

 

Fazit - Klarer Sieg für den Prius

Der Toyota Prius gewinnt den Vergleich erstaunlich deutlich. Besonders bemerkenswert: Vor allem im Kapitel Umweltverträglichkeit schlägt der Prius den kommenden Tesla um Längen. Ähnlich wie schon beim Model S geht es den Kunden also nicht um die Nachhaltigkeit, sondern vielmehr um Image und Fahrspaß. Viele sehen das Model 3 auch als perfekte Ergänzung ihres digitalisierten Lebensstils. Der Prius ist immer noch eindeutig das sparsamste Alltagsauto und er steht bereits für 28.150,- Euro beim deutschen Händler. Wir wollen an dieser Stelle nicht Elektroautos oder im speziellen Tesla an den Pranger stellen. Trotzdem empfehlen wir sowohl Kunde als auch staatlicher Förderungsstelle einen genauen Blick auf die wahre Umweltverträglichkeit. 

Quellen: Toyota, Tesla, Martin Englmeier, www.umweltbundesamt.de www.consumerreports.org
Studie: "Contribution of Li-Ion Batteries to the Environmental Impact of Electric Vehicles" Dominic A. Notter, Marcel Gauch, Rolf Widmer, Patrick Wäger, Anna Stamp, Rainer Zah and Hans-Jörg Althaus Technology and Society Laboratory, Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology (Empa), Ueberlandstrasse 129, 8600 Duebendorf, Switzerland

Die kalkulierten Werte erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit.