Fahrbericht: BMW M2 Coupé

Geschrieben von Dominik Schaur am . Veröffentlicht in News

- Kurze Begegnung mit dem neuen BMW M2
- rund 200 Kilometer Ausfahrt durch's Allgäu
- sportlich-straff und neutral abgestimmt
- reichlich Leistung nach einem Mini-Turboloch
- innen wenig Unterschiede zum normalen 2er

 
So kann ein Tag beginnen. Man steht im Bad und die Sonnenstrahlen scheinen durch die Jalousien. Dahinter erkennt man den heutigen Spielgefährten, das neue BMW M2 Coupé. Nur noch schnell fertig machen und dann geht's auch schon los. Im Augenwinkel stets der Blick aus dem Fenster.
Ehrlich gesagt gehe ich mit gemischten Gefühlen aus dem Haus. Hinter dem kleinen Coupé steht sein in die Jahre gekommener großer Bruder mit Saugmotor und zwei Zylindern mehr. Den kenne ich gut, den Neuen noch nicht.

Innen: Typisch BMW

Viel wurde zuletzt geschrieben und auf verschiedensten Kanälen über den M2 erzählt. Jedoch ist das selbst Erfahren immer noch am aussagekräftigsten. Schlüssel in die Hand und ab dafür! Sobald man die Türen schließt kommt einem alles sehr bekannt vor. Zumindest demjenigen, der schon mal in einem BMW 2er gesessen hat. "Nix neues", denkt man, bis auf kleine Details wie Ziernähte, andere Leisten und einem M2-Logo in der Instrumentenkombi beim Motorstart. Aber, es geht ja ums Fahren und nicht um die Show.
Klang: Satt, aber künstlich

Apropos Show: Nach dem Druck auf den Startknopf erwacht der Sechszylinder mit seinen knapp 3 Maß Hubraum zum Leben. Erster Gedanke: Nett, klingt ja für einen Turbo ganz anständig. Was davon jedoch über das aktive Soundmodul moduliert wird und was real ist, bleibt zu klären. Auf alle Fälle schon mal ein angenehmes Gefühl, das einen umgibt. Basslastig, sonor, dennoch unaufdringlich. Den Gang mit einem satten Gefühl einlegen, gefällt. Es ist noch ein Schalter. Die Variante mit drei Fußpedalen ohne Aufpreis verlangt noch echtes Handwerk im Gegensatz zur ebenfalls erhältlichen, doppelgekuppelten Version.

Turbodruck mit Ansage

Jetzt aber mal los, langsames Einrollen und Warmfahren. Das erste, was hierbei auffällt: Es gibt nur eine digitale Wassertemperaturanzeige. Die ersten Meter liegen hinter uns. Was tut sich so? Nicht so viel! Sound ist da, sonst alles wie immer bei BMW. Läuft einfach, keine Auffälligkeiten. Vor uns liegt eine gut einsehbare Landstraße, gespickt mit Kurven in unterschiedlichen Radien. Also los, erst mal im normalen Modus. Der Gasfuß drückt sanft in Gang 3. Es passiert nix, was ist hier los? Achja, Turbomotor. Das Turboloch ist also immer noch da, wenn auch nur kurz. Dann ist ein deutlicher Schub zu spüren, ähnlich wie in einem großen Diesel. Jedoch geht es hier geschmeidig nachhaltig die Drehzahlleiter entlang. Wir werfen den Kurzen ambitioniert in die ersten Ecken.

Neutrales Fahrverhalten

Einlenken gefällt, sehr zackig, fast schon zu spitz, reagiert die Lenkung auf kleine Korrekturen. Das Feedback, naja. Wer die hydraulische Lenkung seiner Vorgänger gewöhnt ist, merkt hier schon einen deutlichen Unterschied. Trotzdem: Der Garchinger liegt satt auf dem Asphalt. Selbst schlechte Asphaltverhältnisse lassen ihn ziemlich unbeeindruckt. Da war das 1er M Coupé schon viel zickiger und nervöser zu fahren. Neutral zieht der Neue seine Bahnen über die Allgäuer Landstraßen. Seine rund 1,5 Tonnen spürt man ihm dabei nicht wirklich an. Aufgeladener Schub ist immer vorhanden, sobald die gefühlte halbe Sekunde Trägheit überwunden ist. Am besten twinscrollt er sich bei knapp 3.000 bis 5.000 Touren.
Getriebe kurz und knackig
Hervorzuheben ist das gute Gripniveau auf der Hinterachse. Hier lässt sich frühzeitig auf's Gas gehen ohne den Vortrieb zu verlieren. Auch hier hat der Nachwuchs seine Nervosität gegenüber dem Vorgänger merklich abgelegt. Die Gänge zu wechseln funktioniert hervorragend dank kurzer Schaltwege, präziser Führung und einem satten Gefühl. Nur das automatische Zwischengas ist komisch. Ja, in einem BMW 2er Active Tourer gibt es diese Funktion auch, aber wieso in einem Sportwagen? Aber es gibt ja noch die "Sport Plus"-Einstellung. Hier ist dieses dann deaktiviert. Schön das die M GmbH diese Bevormundung hier zumindest weggelassen hat.
Unkompliziert schnell
Die Kilometer reißt der M2 ohne Komplikationen runter. Kuppen, Senken, rechts und links, anbremsen und wieder auf die Kette. Auch der Sport Modus, in welchem die Lenkung und die Gasannahme nachgeschärft wird, funktioniert. Hierbei wird auch der Sound etwas kerniger. Er performt einfach ohne Zickereien. Neutral wedelt er durch alle möglichen Kurven. Immer genügend Haftung auf der Vorder- und Hinterachse. Lastwechsel nimmt er mit leichter Tendenz zum Übersteuern aber stets spielerisch zu kontrollieren. Er bereitet tatsächlich Freude am Fahren, deswegen suchen wir uns noch einen schönen Weg zurück.

Nach knapp 200 Kilometern sind wir wieder da, wo alles begonnen hat. Wir parken den Kurvenräuber wieder gegenüber dem Alteisen M3. Ich steige aus, schließe die Tür, bleibe ein paar Meter entfernt stehen und betrachte mir den M2 sowie den M3 E92.

Fazit: Ein echter M mit kühlem Charakter

Handling: Leichtfüßig, neutral und ohne viel Aufhebens schnell zu bewegen.  Die Lenkung könnte weniger Synthetik und mehr Rückmeldung vertragen. Hier kommt er nicht an eine rein hydraulische Lösung heran. Grip ist immer vorhanden, außer man übertreibt den Einsatz mit dem rechten Fuß.
Sound: Ansprechend. Satt, mit betonter Reihensechser-Linie tönt es insgesamt angenehmer als beim krawalligen M4. Das letzte Stück Authentizität fehlt aber.
Bremse: Funktioniert. Ansprechverhalten etwas bissig aber angenehm im Druckpunkt. Für eine flotte Ausfahrt ausreichend. Für den harten Einsatz auf der Ideallinie wohl erfahrungsgemäß nicht optimal.

Es ist ein beeindruckendes Fahrzeug. Optisch, wie auch beim Fahren. Er funktioniert einfach hervorragend. Doch ist er vielleicht schon zu perfekt?!
Die Begegnung hat Spaß gemacht. Es ist ein wahrer M! Er ist schneller als der E92 M3, seine Fähigkeiten lassen sich nicht leugnen. Mehr Spaß macht trotzdem der ehrlich Alte mit der Hydrauliklenkung und dem bollerndem V8.

Aber irgendwie wussten wir das schon heute Morgen im Bad.

Fotograf: Dominik Schaur