Rolls-Royce Vision Next 100 - Concept 103EX

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Rolls-Royce blickt in die Zukunft des Autos
- rein autonom fahrende Studie ohne Lenkrad
- anlässlich des BMW-Jubiläums aufgebaut
- Interieur als luxuriöser Rückzugsort gestaltet
- elektrischer Antrieb anstelle des heutigen V12

 
Erstmals in der langen Markengeschichte von Rolls-Royce stellten die Briten heute bei der Eröffnung einer neuen Ausstellung im Londoner Roundhouse eine reine Konzeptstudie vor. Angelehnt an das 100-jährige Markenjubiläum des Mutterkonzerns BMW hört diese auf den Namen 'Vision Next 100'. Als Codename und Seriennummer fungiert das Kürzel '103EX', womit der Wagen die direkte Nachfolge des 102EX antritt, der 2011 als Elektro-Phantom auf dem Genfer Autosalon stand.

Bei der Gestaltung der Karosserie und des Innenraums stellte sich das Designteam die Frage: "Wie kann man Luxus für die kommenden 100 Jahre neufassen?" Diese Fragestellung führte zu zwei weiteren Fragen: "Was wird ein zukünftiger Rolls-Royce-Käufer in den nächsten Jahrzehnten von seinem Fahrzeug erwarten?" und "Wie kann sich das heutige Team bei Rolls-Royce vorstellen, diese Erwartungen zu erfüllen?" Natürlich handelt es sich dabei um reines Glaskugellesen, aber auf ähnliche Weise entstanden bereits in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts faszinierende Studien - überwiegend in Amerika.

The Personal Vision
Letztlich kam das Rolls-Royce-Team auf vier Kernpunkte, auf denen sie den Vision Next 100 gründeten: Die persönliche Vision, die mühelose Reise, die großartige Zuflucht und die stilvolle Ankunft am Zielort ('The Personal Vision', 'The Effortless Journey', 'The Grand Sanctuary' und 'The Grand Arrival'). Beginnend mit dem ersten Punkt, der persönlichen Vision, stellt Rolls-Royce sich eine durchaus noch stärkere Individualisierung der Fahrzeuge durch die hauseigene Bespoke-Abteilung vor. Dies könnte bis zu eigenständigen Karosserien im Stil früherer Karossiers aus der Frühzeit des Automobils reichen. Möglich macht dies im Falle des Vision Next 100 ein Carbon-Monocoque, das individuell eingekleidet werden kann. Der Elektroantrieb braucht deutlich weniger Platz als ein klassischer Verbrennungsmotor und die Akkus verschwinden platzsparend im Unterboden.
 
The Effortless Journey
Seit 105 Jahren ziert die vom Skulpteur und Künstler Charles Sykes anhand von Eleanor Thornton geformte 'Spirit of Ecstasy' den typischen Kühlergrill der Rolls-Royce-Modelle. Beim Vision Next 100 wird sie durch die Stimme von Eleanor im Interieur ergänzt, wo sie zum persönlichen Assistenten und Chauffeur wird. Dank hoher künstlicher Intelligenz versteht sie so gut wie alle Ansagen, die von den Insassen an sie gerichtet werden. Damit unterstützt sie den Fahrzeugbesitzer sowohl bei Terminen als auch bei der Bestellung von Eintrittskarten oder Restauranttischen und nicht zuletzt beim Erreichen des jeweiligen Fahrtzieles. Dort parkt das System dann auch selbsttätig ein und erwartet die Insassen rechtzeitig wieder zurück, wenn der Termin oder das Dinner beendet wird. Auf diese Weise den Kernpunkt des 'mühelosen Reisens'.

The Grand Sanctuary
Um den Passagieren eine luxuriöse und nahezu perfekte Zufluchtsstätte auf allen Fahrten bieten zu können, hielt man sich an ein Lebensmotto von Coco Chanel: "Einfachheit ist der Schlüssel zu purer Eleganz". Der Rolls-Royce Vision Next 100 rollt lautlos und rein elektrisch von A nach B. Hinzu kommt bei diesem Fahrzeug die Konzentration auf die neue Art der luxuriösen Mobilität, die nach Meinung vieler Hersteller offenbar in autonom fahrenden Autos zu finden sein wird. Entsprechend zeigt sich das Interieur des eleganten Luxuscoupés konsequent ohne Lenkrad, Pedalerie und sonstige klassische Bedienelemente. Zudem gibt es lediglich eine Sitzbank, die soweit hinten verbaut ist, dass man fast nach den sonst üblichen Vordersitzen suchen möchte. Allerdings wird bei luxuriösen Autos jeher die Rückbank als bester Platz des Fahrzeugs bezeichnet, immerhin kann man hier die Fahrten vollständig genießen. Für einen problemlosen Ein- und Ausstieg öffnet sich nicht nur eine hinten angeschlagene Tür, sondern auch das komplette Dach der Studie. In die Tür wurden die klassischen Regenschirme integriert.
Seiten- und Türverkleidung zeigen sich in edlem Macassar-Holz, während vorn anstelle des Armaturenbretts ein großer OLED-Display über die komplette Breite verbaut wurde. Dieser kann wahlweise für die Anzeige von Filmen oder dem aktuellen Fernsehprogramm genutzt werden, dient aber auch dem Arbeiten im Internet oder auf Wunsch sogar dem Spielen. Zudem kann Eleanor hier Informationen über die Leute anzeigen, die man am Reiseziel treffen wird sowie Reiseinformationen und Sehenswürdigkeiten entlang der Route einblenden. Die Passagiere nehmen auf einem bequemen, mit Seide bezogenen Sofa Platz, während der Fußboden mit hochwertigem Schafwoll-Teppich bedeckt ist, der in London gewebt wird.
 
The Grand Arrival
Bereits in den Zeiten des Römischen Reiches ebenso wie im Mittelalter und im heutigen Automobilzeitalter kündigt sich die Ankunft wichtiger Persönlichkeiten durch ihre Beförderungsmittel an. Rolls-Royce vermutet, dass dies auch in 25 bis 30 Jahren so sein wird und gestaltete die Karosserie der Konzeptstudie entsprechend. Vorn wird der Fahrtwind zwischen dem Kühlergrill und den eckigen Radhäusern unterhalb der flachen LED-Scheinwerfer durchgeleitet. Die lange vordere Haube verbirgt keinen V12, sondern den seitlich zu öffnenden Kofferraum. Dahinter schließt sich ein eleganter, flacher Dachverlauf an, der an sportliche Coupés erinnert. Hinten wird die Luft durch zwischen den Hinterrädern hindurch nach oben entlassen, was Anpressdruck generiert. Dieser Bereich zeigt im übrigen den Werkstoff der Karosserie auf: Kohlefaser. Der Rolls-Royce Vision Next 100 erstreckt sich über 5,9 Meter Länge und ist 1,6 Meter hoch, womit er die Maße des aktuellen Phantom Extended Wheelbase aufnimmt. Typisch für eine Rolls-Royce Studie sind die Markenlogos mit roter Beschriftung.

Wieviel des Vision Next 100 tatsächlich in kommende Rolls-Royce-Modelle bis ins Jahr 2040 einfließen wird, kann man vermutlich erst in ferner Zukunft rückblickend beurteilen. Wenn es sich ähnlich verhält wie mit den US-amerikanischen Dream Cars der 1950er, wird sich die Ähnlichkeit in sehr engen Grenzen halten.

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Quelle: Rolls-Royce