nanoFlowcell Quant - Rasante Entwicklung

Geschrieben von Matthias Kierse. Veröffentlicht in News

- Elektro-Sport-Limousine mit 680 kW
- Flusszellen-Batterie-Technik
- rund 600 Kilometer Reichweite

 


Auf dem Genfer Autosalon in diesem Jahr feiert die nanoFlowcell Quant e-Sportlimousine ihre Weltpremiere. Allerdings war die reine Karosserieform dieses Fahrzeugs eingefleischten Besuchern der Messe bereits bekannt. Bereits 2009 stand ein erster Quant-Prototyp in Genf, allerdings damals noch auf dem Stand von Koenigsegg. Gemeinsam mit dem schwedischen Sportwagenhersteller hatte man die ersten Grundlagen in der Entwicklung begonnen. Bereits ein Jahr später gab es einen eigenen Messestand und erstmals ein Schaustück inklusive Interieur.

Zwischen 2010 und 2014 wurde es in der Öffentlichkeit etwas ruhiger um das Projekt, während in der Entwicklungsabteilung konzentriert an der Realisierung des spannenden Fahrzeugkonzepts gearbeitet wurde. Im nanoFlowcell Quant kommen erstmals Flusszellen-Batterien zum Einsatz, die bislang eher aus der Raumfahrt oder als Energiespeicher für Windkraft- und Solaranlagen bekannt sind. Ihre Funktionsweise besteht darin, dass sie eine Elektrolytflüssigkeit aus Metallsalzen durch eine chemische Zelle pumpen. In dieser Zelle laufen parallel Oxidations- und Reduktionsprozesse ab - sozusagen eine "kalte Verbrennung". Die dabei erzeugte Energie wird durch eine ionisierbare Flüssigkeit zwischen zwei Polen entlang geführt, von denen einer negativ, der andere positiv geladen ist. Heutige Flusszellen-Batterien bieten die gleiche Energiedichte wie Lithium-Ionen-Akkus, haben jedoch keinerlei Memory-Effekt durch häufige Ladezyklen.

Die von nanoFlowcell entwickelten Batterien arbeiten mit zwei unterschiedlichen Elektrolytflüssigkeiten, die voneinander getrennt durch das System geleitet werden. In der bisherigen Erprobungsphase hat man bereits eine 20-fach höhere Energiespeicherung ergeben, als sie mit klassischen Bleibatterien möglich wäre, wie sie in normalen Autos verbaut sind. Wenn die Elektrolytflüssigkeit ihre Energie abgegeben hat, kann sie mittels eines speziellen Tankvorgangs gegen frische Flüssigkeit ausgetauscht werden. nanoFlowcell setzt dafür ungefähr die gleiche Zeit an, die man heute zum Tankvorgang von Benzin oder Diesel benötigt.

Neben den Batterien sind auch die genutzten, asynchronen Elektromotoren bemerkenswert. Im Quant E bringen es die vier Triebwerke zusammen auf 480 kW/653 PS, können jedoch auf Knopfdruck für eine schnelle Rennstreckenrunde oder besonders flotte Überholmanöver auf 680 kW/925 PS gesteigert werden. Noch beeindruckender ist jedoch das maximale Drehmoment, das jeder einzelne Motor abwirft: 2.900 Newtonmeter stehen zur Verfügung und würden ohne elektrische Drosselung ab der ersten Motorumdrehung über die Reifen herfallen. Für den Spurt auf Tempo 100 sollen 2,8 Sekunden vergehen, die Höchstgeschwindigkeit bei 380 km/h abgeregelt werden. Gleichzeitig sollen durch die innovative Technik bis zu 600 Kilometer Reichweite mit einer Elektrolyt-Tankfüllung möglich sein.

Der Hauptteil der Entwicklung findet übrigens in Weissach statt, unweit eines wohlbekannten Testgeländes einer deutschen Sportwagenmarke. Hier entsteht aktuell auch der Quant F, den wir oben in unserer Bildergalerie im Aufbau zeigen und der von nanoFlowcell auf dem Genfer Autosalon 2015 gemeinsam mit dem Quant E gezeigt wird. Hierzu hat man einen deutlich größeren Messestand als im Vorjahr gebucht und wird diesen zweigeschossig ausbauen. Zudem verspricht man eine Überraschung in Form eines dritten Fahrzeugs.

Gebaut wird der Quant nach Abschluss der Erprobungsphase durch die jüngst gegründete nanoProduction GmbH in Waldshut/Baden-Württemberg, während der Firmensitz in Vaduz/Liechtenstein bleibt. Bis zur Messe in Genf im kommenden Jahr sollen bereits 90% der zulassungsrelevanten Vorbereitungen abgeschlossen sein. Nach der Weltpremiere des Quant F erfolgen auch die notwendigen Crashtests in Europa und den USA. Die Hauptherausforderung war bisher, dass viele Teile, die für den Wagen benötigt werden, bislang nie im Automobilbau genutzt wurden und daher intern entwickelt und gebaut werden mussten.
 
carsdaily.de schaut gespannt in Richtung Genf und wird spätestens im März erneut über den Quant berichten.

Quelle: nanoFlowcell