Loryc Electric Speedster - Mallorquiner Klassiker

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- Wiederbelebte Automarke auf Mallorca
- Design der 20er Jahre neu aufgelegt
- 20 PS starker Elektromotor als Antrieb
- über 200 Kilometer Elektro-Reichweite
- 800 Kilogramm fahrfähiges Leergewicht
 


Angesprochen auf die Marke Loryc werden sicher auch versierte Automobilexperten eher ungläubig mit den Schultern zucken, zu unbekannt ist die kleine Automobilmanufaktur, die damals wie heute wieder auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca in der Nähe der Metropole Palma de Mallorca ansässig ist.

Historie

Im Jahre 1919 taten sich drei Unternehmer auf Mallorca mit dem Ziel zusammen, Autos auf der Insel zu fertigen. Es waren dies Fernando Alzamora, ein Kaufmann und Elektrowarenhändler, Rafael de Lacy, ein Militär und Vertreter der belgischen Autofirma Minerva, sowie Antonio Ribas, Stiefel- und Deckenfabrikant sowie Reeder im Südamerika-Handel. Zur Konstruktion ihres ersten Automobils benötigte das Trio einen Ingenieur. Sie fanden ihn im Franzosen Lorenzo Ovrard. Der Name 'Loryc' entstand als Kunstwort, das sich aus Lacy, Ovrard, Ribas y Compañía zusammensetzte. Die Fabrikhalle stand in Palma.
Die Automobile, die Anfang der zwanziger Jahre auf den Straßen fuhren, waren meist große schwere Fahrzeuge, angetrieben von voluminösen Motoren. Das Team von Loryc setzte sich aber von Anfang an zum Ziel, ein kleines und leichtes Auto zu entwickeln, um so einen kleinen, ökonomischen Motor einbauen zu können. Bereits Ende des Jahres 1920 befuhr der erste Loryc die Straßen der Insel, angetrieben von einem Motor mit nur 15 PS.
Da auch zur damaligen Zeit bereits der Name eines Herstellers gern über die Teilnahme an Motorsportveranstaltungen bekannt gemacht wurde, baute Loryc noch im selben Jahr einen Rennwagen. In den darauffolgenden zwei Jahren stellten sich erste Erfolge ein und die Marke bekam in Spanien einen exzellenten Ruf für ihre leichten, wendigen und besonders zuverlässigen Fahrzeuge.
Die Fahrzeuge von Loryc wurden in reiner Handarbeit mit ausgewählten Materialien gefertigt. So bestand die Karosserie aus handgedengeltem Aluminium. Die daraus resultierende Qualität wurde von den Kunden honoriert. Als jedoch die größeren Hersteller sukzessive auf Fließbandproduktion umstellten, sank die Nachfrage nach individuell in Handarbeit hergestellten und damit deutlich teureren Fahrzeugen. Im Jahr 1925 musste Loryc die Produktion nach etwa 120 Exemplaren einstellen. Nur wenige dieser kleinen balearischen Sportwagen haben bis heute überlebt.
Im Jahre 2013 stieß der deutsche Unternehmer und Erfinder Karl-Heinz Bosch, auf Mallorca ansässig, bei seiner Suche nach einem Oldtimer auf einen der erhaltenen Loryc aus dem Jahre 1923. Kurzerhand kaufte er den Speedster. Allerdings wollte er mit dem Exemplar auch fahren und es nicht in irgendeinem Museum abstellen. Nach zwei kurz aufeinander folgenden Motorschäden an dem alten Aggregat entschied sich der Deutsche, den alten Renner mit einem Elektromotor auszurüsten. Vier Tag und Nächte Arbeit, dann war das Projekt fertig und er konnte elektrisch die Straßen der Insel befahren.
Die unerwartete Resonanz und Begeisterung auf sein Einzelstück bewog Bosch, der übrigens zwar aus Schwaben kommt, aber mit der Familie des gleichnamigen Elektrokonzerns nicht verwandt ist, die Marke Loryc wiederzubeleben, allerdings angepasst an die heutige Zeit mit Elektroantrieb.

Exterieur - Karosserie im Stil der 1920er

Die jetzt wieder in Kleinserie auf der Insel Mallorca gebaute Loryc gleicht stark seinem Vorbild aus den zwanziger Jahren. Wie damals entstehen die Karosserien in Speedster-Form mit dem spitz zulaufenden Heck aus Aluminium in reiner Handarbeit. Die Bleche werden von Hand zugeschnitten und über Holzformen mit dem Hammer geformt, um dann mit äußerlich sichtbaren Nieten zusammengefügt zu werden. So entsteht ein kleiner zweisitziger Sportwagen mit klassischen Proportionen ohne Türen, der über eine Trittstufe seitlich geentert wird. Die dazu perfekt passenden Speichenfelgen entwickelte der bekannte italienische Hersteller Borrani exklusiv für die Mallorquiner. Durch die geringe Größe und den Leichtbau wiegt der Loryc nur 449 Kilogramm zuzüglich der Batterien. Fahrfertig sind es 800 Kilogramm.

Interieur - Rustikale Modernität

Das Cockpit des kleinen Stromers präsentiert sich ebenso nostalgisch wie das Äußere es erwarten lässt. Klassische Rundinstrumente, eingebettet in ein unlackiertes Armaturenbrett aus Aluminium, informieren über Stromverbrauch, Geschwindigkeit und Restreichweite. Mit aus dem vollen Aluminium gefrästen Schaltern lassen sich Fahrmodi wählen, die Stärke der Rekuperation einstellen, die Fahrtrichtung bestimmen oder auch nur ganz simpel das Licht einschalten. Zwei moderne, mit Leder bezogene Einzelsitze lassen so etwas wie Fahrkomfort in dem Klassiker entstehen.

Performance - E-Antrieb, Opel-Teile und KW-Fahrwerk

Der kleine Inselflitzer wird von einem 15 kW (20 PS) starken Elektromotor von Linde angetrieben, der ein maximales Drehmoment von 120 Newtonmetern entwickelt. So erreicht der Loryc Electric Speedster eine Höchstgeschwindigkeit von guten 100 km/h. Allerdings dürfte die bei den Fahrten über die Insel von eher untergeordneter Bedeutung sein. Einen weit wichtigeren Aspekt bildet wie bei allen rein elektrisch angetrieben Fahrzeugen die Reichweite, die mit dem 30-kWh-Batteriepaket nach Messung des TÜV Rheinland beachtliche 264 Kilometer beträgt.
Der Loryc Electric Speedster greift auf zwei Dutzend Komponenten des Opel Adam zurück. Vorderradaufhängung, Hinterachse, Lenkung, Bremsen und Handbremse stammen vom kleinen Rüsselsheimer. Für exquisite Bodenhaftung sorgt das exklusiv für Loryc entwickelte Rennsportfahrwerk vom renommierten deutschen Hersteller KW. Durch das höhenverstellbare Gewindefahrwerk und die verstellbaren Dämpfer (Zug- und Druckstufe) kann sich jeder Fahrer die Fahr- und Komforteigenschaften seines Fahrzeugs individuell anpassen. Über elektronische Regelsysteme verfügt der Loryc nicht - "Kein ESP, kein ABS, kein ASR. Loryc - Wenn Du pures Fahren liebst!", so erklärt es der Hersteller auf seiner Homepage.

Preis

Der Loryc Electric Speedster entsteht in reiner Handarbeit. Jedes Fahrzeug benötigt rund 1.200 Arbeitsstunden, bis es an den Kunden ausgeliefert werden kann. Da jeder Loryc ein nach Kundenwünschen gefertigtes Unikat ist, richtet sich der Preis nach Aufwand und Ausstattung. Seit diesem Jahr besitzt der mallorquinische Sportwagen eine EU-Typengenehmigung des KBA und kann in jedem Land der europäischen Union zugelassen werden.
Loryc lädt Interessenten ein, die Manufaktur auf Mallorca zu besuchen. Man kann bei der Entstehung der kleinen Sportwagen zusehen und wer Lust verspürt, kann sich auch am Holzhammer zur Bearbeitung der Aluminiumbleche versuchen. Ferner kann der Elektrosportwagen für Touren über die Insel gemietet werden. Kontakt über www.lorycelectric.com/de

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Quellen: Loryc Electric, Opel

 

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