Aston Martin Valkyrie - Nächster Schritt zur Serie

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Erste Bilder vom Interieur des Valkyrie
- bietet zwei 98-Prozentlern genug Platz
- außen und innen extremer Leichtbau
- ultradünne Ätz-Logos aus Aluminium
- über 1.100 PS, 1 PS pro kg geplant
 


Vor einem Jahr gab Aston Martin bekannt, dass gemeinsam mit Red Bull Advanced Technologies, AF Racing und dem bekannten Formel-1-Designer Adrian Newey ein straßentauglicher Supersportwagen auf die Räder gestellt wird. Damals lautete der Entwicklungsname schlicht AM-RB001, worin sowohl die Kürzel der beteiligten Firmen als auch die Nummerierung als Erstlingswerk enthalten war. Im März auf dem Genfer Autosalon folgte dann die Benennung innerhalb der typischen Aston Martin Typologie, bei der die meisten Modelle außerhalb der DB-Baureihen mit einem 'V' beginnen. Seither hört das radikale Konzept auf den Namen Valkyrie.

Nicht wenige Experten gingen jedoch davon aus, dass aus dem zu diesem Zeitpunkt nur als rollbarem Tonblock ohne Interieur gezeigten Fahrzeug in dieser Form wenig werden könne. Zu eng schien das Cockpit von außen, zu neuartig die aerodynamischen Ideen des Adrian Newey, zu knapp beschnitten das Triebwerksabteil - und außerdem: Dieser Rennwagen soll eine Zulassung erhalten? Nun zeigen die Briten erste Bilder eines Valkyrie mit eingebautem Cockpit und in weiterentwickelter Form. Viel hat sich dabei optisch nicht verändert.

Exterieur - Der Kampf um jedes Gramm

Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass die beteiligten Firmen stark darauf geachtet haben, die von Adrian Newey erdachte Aerodynamik soweit als möglich beizubehalten, gleichzeitig jedoch den Valkyrie gezielt weiter in Richtung Serienfertigung und Zulassungsfähigkeit zu bringen. Dabei ging es vor allem darum, die großen Venturi-Tunnel unterhalb der Karosserie nicht zu stören, die besonders für den Anpressdruck verantwortlich zeichnen, indem sie Fahrtwind zum großen Diffusor am Heck leiten. Auf diese Weise können die Designer auf weitere aerodynamische Hilfsmittel wie einen hochaufragenden Heckflügel oder Zusatzspoiler verzichten. Einzig ein doppeltes Flügelblatt zwischen den Heckleuchten erhöht zusätzlich den Abtrieb.

In einem tropfenförmigen Bereich in der Mitte des Fahrzeugs sitzt das Monocoque nebst kanzelartigem Deckel und Platz für bis zu zwei Insassen. Dabei legte man großen Wert auf die Gestaltung der Glasflächen, um dem Fahrer einen möglichst ungestörten Blick auf seine Umgebung zu ermöglichen. Anstelle von klassischen Außenspiegeln, die der perfekten Aerodynamik des Valkyrie im Weg gestanden hätten, integrierte man in den Flanken Rückfahrkameras in neu gestalteten Luftauslässen der vorderen Kotflügel. Diese entlüften gezielt die Radhäuser und erzeugen damit zusätzlichen Abtrieb. Zwischen den im Dach angeschlagenen Flügeltüren sorgt eine Vertiefung für gezielte Führung des Fahrtwindes in den Luftschnorchel für den Motor.

Ultraleichtbau, Form follows Function
Insgesamt gilt für den Valkyrie mehr als für einen Großteil aller jemals gebauten Straßenfahrzeuge: Form follows Function. Selbst die Scheinwerfer wurden von den Designern auf das Wesentliche reduziert. LED-Abblend- und -Fernlichteinheiten zeigen sich an einem scheinbar komplizierten Aluminiumrahmen und wirken so letztlich wie ein Kunstwerk unter Klarglas. Gleichzeitig sparen sie im Vergleich zu klassischen Scheinwerfern aus der Serienfertigung von Aston Martin zwischen 30 und 40 Prozent Gewicht ein. Diese Suche nach überflüssigen Gramm sorgte sogar für neue Logos. Die klassischen Flügel-Embleme wogen den Technikern zuviel, Aufkleber erschienen jedoch unpassend. Somit entstanden chemisch aus Aluminium geätzte Logos mit einer Dicke von lediglich 70 Mikrometern. Zum Vergleich: Das ist 30 Prozent dünner als ein menschliches Haar und damit 99,4 Prozent leichter als die regulären Logos. Diese dünnen Aluminiumscheiben werden nach der Farblackierung auf dem Wagen aufgebracht und anschließend gemeinsam mit der Farbe durch eine Klarlackschicht vor Umwelteinflüssen geschützt.
 
Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist die in der kleinen Finne auf dem Dachschnorchel untergebrachte dritte Bremsleuchte. Dieses LED-Licht ist lediglich 5,5 Millimeter breit und 9,5 Millimeter hoch. Damit ist es das kleinste im Automobilbau eingesetzte Leuchtmittel der Welt. Insgesamt entspricht das hier gezeigte Fahrzeug zu mindestens 95 Prozent dem fertigen Sportwagen, der ab 2019 auf die Straßen rollen soll. Kleine Details können sich noch verändern, die Grundstruktur steht jedoch fest. Speziell wenn Adrian Newey und sein Aerodynamikteam weitere Möglichkeiten für zusätzlichen Anpressdruck finden, könnten sich noch Designänderungen ergeben. Bereits jetzt liegen laut internen Quellen bei Höchstgeschwindigkeit über 1,8 Tonnen Abtrieb an.

Interieur - Tatsächlich Platz für zwei Insassen

Obwohl das Cockpit des neuen Aston Martin Valkyrie auf den ersten Bildern durchaus eng geschnitten aussieht, versprechen die Briten hier zwei '98-Prozent-Menschen' unterbringen zu können. Dabei handelt es sich um virtuell angenommene Personen, deren Maße die von 98 Prozent der erwachsenen Bevölkerung abbilden. Mit anderen Worten heißt das aber auch, dass besonders kleine, besonders große und vermutlich auch übergewichtige Menschen in den fest mit dem Monocoque verbundenen Sitzen keine adäquate Fahrposition finden werden. Allerdings setzen bereits die engen Einstiegsluken manchen Interessenten Grenzen.

Liegeposition und Multifunktionslenkrad
Wie in einem Formel-Rennwagen liegen die Füße beim Sitzen auf Höhe der Hüften. Es handelt sich also eher um eine bequeme Liegeposition. Beide Passagiere werden dabei durch Vierpunktgurte in der Sitzschale gehalten. Für Besitzer, die mit ihrem Fahrzeug häufiger auf Rennstrecken fahren möchten, bietet Aston Martin auch Sechspunktgurte an. Um die Aufmerksamkeit des Fahrers soweit als möglich auf die Straße zu lenken, verlegten die Designer alle Bedienknöpfe auf das Lenkrad. Einzig der Knopf für die Warnblinkanlage und der Schalter für die elektrische Parkbremse sitzen zwischen den Sitzen. Auf dem abnehmbaren Steuer zeigt ein OLED-Display alle wichtigen Fahrzeugdaten. Abnehmbar ist es nicht nur, um Ein- und Ausstieg zu erleichtern, sondern auch als zusätzlicher Diebstahlschutz. Auf zwei Zusatzdisplays am Fuße der A-Säulen zeigt der Valkyrie die Bilder der Rückfahrkameras an. Einen Innenspiegel sucht man vergeblich, da es durch den Dachschnorchel keine Heckscheibe gibt. Das große Zentraldisplay dient allen Komfort- und Infotainmentfunktionen.

Performance - V12-Saugmotor und Rimac-E-Motor für über 1.100 PS

Gemeinsam mit Cosworth entsteht ein 6,5 Liter großer V12-Saugmotor, der mit einem Hybridsystem von Rimac kombiniert wird. Technische Daten unterliegen bisher der Geheimhaltung. Allein der Verbrennungsmotor bringt es laut verschiedenen Quellen bereits auf über 900 PS, während der Elektromotor weitere 200 bis 250 PS zusteuert. Klar ist nur, dass die Systemleistung über ein von Ricardo entwickeltes, sequenzielles Siebengang-Getriebe auf die Hinterräder gelangt. Zudem sprachen die Briten in früheren Veröffentlichungen von einem angestrebten Leistungsgewicht von einem PS pro Kilogramm. Hierfür arbeitet man auch mit Alcon und Surface Transforms zusammen, um besonders leichtgewichtige Bremskomponenten herzustellen. Hinzu kommt ein motorsportspezifisches ESP-System inklusive Traktionskontrolle von Bosch.

Preis

Insgesamt bietet Aston Martin lediglich 175 Exemplare des Valkyrie an. Davon erhalten 150 eine Straßenzulassung, während weitere 25 vermutlich unter dem Beinamen AMR Pro als reine Rennstreckenfahrzeuge verkauft werden. Die verbleibenden 25 Fahrzeuge sind die Vorserienprototypen, die von den Briten im Laufe der kommenden Monate für die Erprobung aufgebaut werden. Während viele Interessenten bereits Vorverträge unterschrieben haben, bleibt auch der Preis unter Verschluss. Einige Quellen sprechen jedoch von Werten zwischen 2,5 und 3 Millionen britischen Pfund (rund 2,8 bis 3,36 Millionen Euro).

Unseren Bericht zur Präsentation des AM-RB001 als Aston Martin Valkyrie auf dem Genfer Autosalon finden Sie hier: http://www.carsdaily.de/carsdailynews/2191-aston-martin-valkyrie-der-name-des-am-rb-001.html

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Quelle: Aston Martin