Tesla Model 3 - Das iPhone unter den Autos?

Geschrieben von Martin Englmeier am . Veröffentlicht in News

- Lang erwartetes drittes Tesla-Modell ist da
- passt größentechnisch in die Mittelklasse
- schnörkelloses Design, bekannter Tesla-Stil
- innen Platz für fünf, wenig Ausstattung
- technische Daten nicht komplett bekannt
 


Wir von carsdaily.de pflegen zu den Produkten von Tesla ein besonderes Verhältnis. Schließlich sind wir eins der wenigen Magazine die ein Model S schon um die Nordschleife gejagt haben. Zwischen damals und heute liegen schon wieder knapp zwei Jahre und der Hype um die Marke Tesla erreicht mit dem aktuellen Model 3 seinen Höhepunkt. Wir blicken mit Spannung auf das neue Modell.

Exterieur - Außenmaße ähnlich wie beim BMW 3er und Audi A4

Erwartungsgemäß fällt das Model 3 deutlich kleiner aus als der große Bruder Model S. Innen wie außen sind die Maße vergleichbar mit üblichen Fahrzeugen der Mittelklasse. Der kleine Tesla mit dem revolutionären Anspruch sieht zwar aus wie ein Fließ-, öffnet aber wie ein Stufenheck. Die Rückbank lässt sich zu einer Ebene umklappen. Natürlich verfügt auch dieses Modell über den bekannten 'Frunk', dem zusätzlichen Gepäckabteil vorne. Das gesamte Kofferraumvolumen übersteigt aber das klassenübliche Format nicht wesentlich.

Design - Ohne Schnörkel
Der frontale Blick erinnert ein wenig an den Porsche Panamera und auch das Heck mit der feinen Abrisskante könnte von einem deutschen Hersteller stammen. Erst in der Seitenansicht mit der großen Frontscheibe und der geduckten Front wird das Model 3 einzigartig. Serienmäßig werden 18 Zoll große Aero Wheels verbaut wie sie in ähnlicher Form auch kurz für das Modell S zu haben waren. Dort wurden sie mangels Nachfrage aber schnell wieder eingestellt. Die optionalen 19 Zöller machen sicher auch beim Model 3 einen ansehnlicheren Eindruck.

Interieur - Mehr Ablagen und ein Touchscreen

Im Gegensatz zu den größeren Teslas präsentiert sich der Innenraum im Model 3 reichhaltig an Ablagen. Das Interieur ohne Armaturenträger ist keine völlige Revolution. Die Besitzer des ersten Renault Twingo zum Beispiel durften sich schon auf einen freien Blick Richtung Straße freuen. Beim Model 3 sollte das nur bei Linkskurven oder Geradeaus der Fall sein. Bei Rechtskehren wird der Blick zwangsläufig auf den hochauflösenden, 15 Zoll großen Touchscreen fallen müssen. Elon Musk verweist hierzu allerdings bereits bei der Premiere auf den Umstand, dass man bald eh nicht mehr selber fahren muss, sondern seine Zeit besser mit Filmen oder Telefonaten verbringen kann. Was aber, wenn man als Autofahrer einfach Auto fahren will?

Sitzheizung und Leder nur im Paket
Zumindest jetzt im Jahre 2017 gibt es noch Lenkräder im Auto, so auch im Model 3. Mit dem Drehknopf am Volant lässt sich über den Bildschirm scrollen. Die Luftzirkulation arbeitet im Verborgenen. Nur für die Rücksitze gibt es eine konventionelle Öffnung. An der Stelle dürfen wir erwähnen, dass sich die Klimaanlage und Heizung im Model S mit den sehr kleinen Lüftungsdüsen bereits nicht gerade mit Ruhm bekleckerten. Die allerersten Model S hatten nicht einmal eine Enteisungsfunktion für die Frontscheibe. In Kalifornien schneit es eben eher selten, weshalb für das Model 3 auch die Sitzheizung nur im Business Paket für 5.000,- US$ enthalten ist. Hierbei gibt es aber Leder und das Glasdach noch mit dazu. Die Gummiablage zum drahtlosen Aufladen des Smartphones dürfte derweil Prius-Fahrern bekannt vorkommen.

Technik - Längere Ladezeit als im Model S

Die Erfahrung haben schon die Besitzer der kleineren Model S Versionen gemacht: Je kleiner die Batterie umso länger braucht es Reichweite aufzuladen. Die Ursache liegt in der Chemie der Batterien. Mehr Zellen erlauben schlichtweg eine höhere Gleichstromladung. Für das Model 3 bedeutet das konkret, dass die kleinere Variante im besten Fall 120 Meilen oder rund 210 Kilometer Reichweite in 30 Minuten laden kann. Zum Vergleich verspricht Tesla beim Model S P100D bis zu 270 Kilometer in einer halben Stunde. Einen ähnlichen Wert erreicht auch das Model 3 mit optionaler, größerer Batterie.

Rätsel um Batterie-Kapazität
Seit der Präsentation kursieren unterschiedliche Berechnungen zur Bestimmung der Batteriekapazität. Wir glauben anhand der gewonnenen Daten, dass die Basisvariante circa 55 kWh verfügbare Kapazität aufweist, also etwa 4 kWh weniger als der Chevrolet Bolt, beziehungsweise der hier angebotene Opel Ampera-e. Letzterer ist ähnlich schwer aber deutlich weniger windschnittig, die Reichweiten sind fast identisch. Das größere Model 3 (Long Range) dürfte bei etwa 80 kWh liegen, was dem bereits ausgelaufenen Model S 85 entspricht.

Fahrwerk - Rolling Chassis, Doppelquerlenker vorn, Multilink-Hinterachse

Wie auch das Model S verfügt der neue kleine Stromer nicht über ein selbsttragendes Chassis im klassischen Sinn. Die Basis bildet auch hier wieder das 'Skateboard' mit der Batterie als tragendem Element, dem E-Antrieb hinten und den Einheiten für das Fahrwerk vorne und hinten. Die Konstruktion orientiert sich mit doppelten Querlenkern vorne und einer Multilink-Hinterachse am klassenüblichen Standard. Tesla verzichtet sowohl auf eine Luftfederung als auch auf adaptive Dämpfer. In den ersten Fahrberichten wird das Fahrgefühl als straff beschrieben.

Reifen wie beim Toyota Prius
Serienmäßig rollt das Model 3 auf Michelin Primacy HP. Der Pneu mit geringem Rollwiderstand kommt auch beim Toyota Prius zum Einsatz. Auf den aufpreispflichtigen 19 Zöllern wird die Marke Continental montiert. Die elektromechanische Lenkung wurde zum ersten Mal komplett eigenständig entwickelt. Im Sport-Modus liegt das Rückstellmoment etwas höher. Ob dann auch das elektronische Stabilitätsprogramm etwas weniger rigide eingreift ist nicht bekannt. Wir befürchten, dass die elektronischen Leinen immer aktiv und der sportlichen Hatz wenig zuträglich sind.

Beschleunigung als Paradedisziplin
Wie bei allen kraftvollen Elektroautos macht vor allem die laut- und ansatzlose Beschleunigung Freude. Das Model 3 benötigt je nach Ausführung 5,1 oder 5,6 Sekunden für den Sprint von 0 auf 60 mph (96 km/h). Damit bewegt sich der Tesla auf dem Niveau eines BMW 340i. Die Höchstgeschwindigkeit allerdings fällt mit 209 beziehungsweise 225 km/h deutlich niedriger aus. In diesen Sphären werden sich die Piloten des Model 3 aber ohnehin nicht allzu häufig aufhalten. Oder hat Sie schon einmal ein Tesla auf der linken Spur überholt?

Preis - iPhone-Moment für die Konkurrenz?

Die Vorbestellungen für das Model 3 sind wahrhaftig atemberaubend: 500.000 Kunden haben bereits ihre Reservierung getätigt und die erforderlichen 1.000,- US$ Anzahlung überwiesen bevor die endgültigen technischen Daten bekannt wurden. Die Anziehungskraft der Marke Tesla erscheint grenzenlos und das Image überstrahlt den technischen Anspruch der vom Dieselgate geplagten deutschen Hersteller inzwischen deutlich. Zumindest für die Anhänger von Elektromobilität. Als Grundpreis vor möglichen staatlichen Vergünstigungen stehen 35.000,- US$ fest.

Tesla zementiert Vorreiter-Rolle
Die Amerikaner werden ihre Vorreiterrolle im Bereich E-Mobilität wohl auch weiter ausbauen. Für den Besitzer eines Elektroautos geht es vorrangig um Reichweite und Infrastruktur. Elon Musk hat angekündigt die Anzahl der Supercharger zu verdreifachen. Mit dem Model 3 gelingt ihm nach dem Model S der nächste große Schritt: Der erste massentaugliche PKW mit Elektroantrieb. Ob sich damit allerdings für die Verbrenner eine Götterdämmerung ankündigt, bleibt abzuwarten. Wie es heißt es doch: Totgesagte leben länger.

Reichweite 220 Meilen (355 km)
Reichweite (Long Range) 310 Meilen (500 km)
0-60 mph 5,6 Sekunden
0-60 mph (Long Range) 5,1 Sekunden
Vmax 130 mph (209 km/h)
Vmax (Long Range) 140 mph (225 km/h)
Länge 4.694 mm
Breite 1.933 mm
Höhe 1.443 mm
Radstand 2.875 mm
Leergewicht 1.610 kg
Leergewicht (Long Range) 1.730 kg

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Quelle: Tesla