Bentley Continental GT - Evolution und Revolution

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Dritte Modellgeneration des Continental GT
- evolutionäres und revolutionäres Design
- ellipsenförmige Rückleuchten vom EXP 10
- neues Wankausgleichsystem am Fahrwerk
- 635 PS und 900 Nm starker W12-Biturbo
 


Mehrfach konnte man die Prototypen des neuen Bentley Continental GT am Nürburgring beobachten. Ein Zeichen dafür, dass die Briten es diesmal mit der sportlichen Fahrdynamik nochmal ein Stück ernster nahmen als bei den beiden Vorgängergenerationen. Weitere Haltbarkeitstests liefen in der Polarregion, in den USA, in Südafrika, im Nahen Osten, in China und auf europäischen Landstraßen. Insgesamt legte die Prototypenflotte rund eine Million Kilometer zurück. Nun ist es endlich soweit, zur IAA in zwei Wochen zieht man das virtuelle Tuch von der Karosse und entfernte zuvor die verbliebene Tarnung der Erlkönige. Heraus kommt ein schöner GT, der in Sachen Optik und Technik sowohl evolutionär als auch revolutionär auftritt.

Exterieur - Vorn evolutionär, hinten revolutionär

Während der neue Continental GT von vorn betrachtet klar das Design der Vorgänger weiterführt, ist die Heckansicht komplett neu. Sie orientiert sich klar an der Konzeptstudie EXP 10 Speed 6 und übernimmt von ihr die mandelförmigen LED-Rückleuchten und die nach oben gezogenen hinteren Seitenscheiben. Um die muskulösen Formen ins Aluminiumblech zu bekommen nutzt Bentley die sogenannte 'Superforming'-Technologie, bei der das Aluminium auf 500° Celsius aufgeheizt und dann per Luftdruck präzise in Form gebracht wird. Bislang kam diese Fertigungstechnik nur für die Stoßfänger zum Einsatz, nun ist der Continental GT das erste Serienfahrzeug, bei dem sie für die kompletten Seitenteile genutzt wird. Eigentlich stammt diese Technologie aus der Luftfahrt und wird inzwischen auch von anderen Herstellern wie Morgan und McLaren teilweise eingesetzt. Alle Außenteile mit Ausnahme der Heckklappe bestehen aus Aluminium. Für die Kofferraumklappe kommt ein Verbundwerkstoff zum Tragen, der zum einen die komplexe Form besser erlaubt und zum anderen Störungen der integrierten Bordantenne verhindert. Insgesamt spart der neue Materialmix aus Aluminium, Stahl und Verbundwerkstoffen 85 Kilogramm Gewicht im Vergleich zum Vorgängermodell ein.

Leuchten im Kristallglas-Design
Gegenüber der zweiten Modellgeneration, die streng betrachtet ein großes Facelift des Urmodells war, erhält Nummer drei eine längere Motorhaube und eine nach unten gezogene Fahrzeugnase. Gleichzeitig bleibt es aber bei der kraftvollen 'Powerline', die oberhalb der runden Scheinwerfer beginnt und sich bis hinter die Türen fortsetzt. In den Scheinwerfergehäusen sitzt nicht nur die modernste Matrix-LED-Technologie, sondern auch eine Oberfläche, die sich an geschliffenen Kristallgläsern anlehnt. Sie fängt das Licht wie ein Diamant ein und leitet es gezielt auf die Straße. Am Heck nehmen die Auspuffendrohre mit ihrer kompliziert gestalteten Manschette zur Reduzierung der Abgastemperatur die elliptische Form der Rückleuchten auf, die ebenfalls den dreidimensionalen Kristallglaseffekt aufweisen.
 
Umfangreiche Farbauswahl
In den Radhäusern sitzen serienmäßig 21 Zoll große Leichtmetallräder, die in zwei unterschiedlichen Designs erhältlich sind. Daneben sind optional zwei verschiedene Rad-Designs in 22 Zoll bestellbar. Insgesamt 17 Lackfarben für die Karosserie sind im normalen Bentley-Programm verfügbar, einige weitere werden während der Markteinführung für kurze Zeit angeboten. Das gesamte Spektrum der individuellen Farbwünsche mit inzwischen allein über 70 angemischten vorliegenden Farbtönen ermöglicht auch weiterhin die Mulliner-Abteilung.

Abmessungen im Vergleich
  Continental GT (ab 2018) Continental GT (bis 2017)
Länge 4.805 mm 4.806 mm
Breite 1.954 mm 1.943 mm
Höhe 1.405 mm 1.404 mm
Radstand 2.851 mm 2.746 mm
Leergewicht 2.244 kg 2.320 kg

Interieur - Sportlich-edle Atmosphäre

Im normalen Optionskatalog haben Interessenten für den neuen Continental GT bereits die Qual der Wahl zwischen 15 Leder- und Teppichfarben. Diese wurden aufwändig auf die restlichen Farben des Innenraums abgestimmt und erhalten auf den Sitzen und Türverkleidungen ein doppeltes Rauten-Steppmuster. Zudem stehen acht Holzfurniere plus vier Furnierkombinationen zur Auswahl. Falls diese Anzahl nicht ausreicht, hilft die Mulliner-Abteilung von Bentley gern weiter. Hinter dem Lenkrad befindet sich ab jetzt ein volldigitales Cockpit, das neben den Fahrinformationen auf absolut realistisch aussehenden Rundinstrumenten auch die Navigationskarten und Funktionen des Infotainmentsystems anzeigen kann. Daneben im Armaturenbrett sitzt ein neues 'Rotating Display' mit einem 12,3 Zoll großen Touchscreen-Monitor in Retina-Qualität, der auf Knopfdruck rotierend hinter einer Abdeckung im gleichen Furnier, mit dem auch das restliche Armaturenbrett versehen ist, verschwindet. Auf der dritten Seite der rotierenden Einheit finden sich neben dem passenden Furnier auch drei edle Analoganzeigen für Außentemperatur, Kompass und Uhrzeit.

Über zehn Quadratmeter Furnierholz
Natürlich kommt für das Furnier in einem Bentley nur hochwertiges, nachhaltig angebautes Edelholz in Frage. Hier bringen die Briten mit 'Koa' auch gleich eine neue Sorte in die Auswahl ein. Zudem können die Kunden nun erstmals Kombinationen aus zwei unterschiedlichen Holzsorten wählen. Insgesamt sind es über zehn Quadratmeter Holz, die im Innenraum des neuen Continental GT verarbeitet werden, was in Fertigung und Anpassung rund neun Arbeitsstunden benötigt. Hinzu kommen handpolierte Chrom-Applikationen und auf Wunsch eine technische Gestaltung der Mittelkonsole, inspiriert durch die feine Finissage im Inneren edler Schweizer Automatikuhren. Ein 'Genfer Streifen' genanntes Linienmuster auf 0,6 Millimeter dünnem Aluminium wird hier durch seitliche Bewegungen des Schleifkopfes eingearbeitet. Dabei ist jeder Streifen fünf Millimeter breit und leicht schräg geschliffen. Da die Maschine bei jedem Arbeitsgang um 0,5 Millimeter versetzt, ergibt sich ein dreidimensionaler Gesamteindruck.

Neue Riffelung der Schalter, aufwändiges Leder-Steppmuster
Schalter und Knöpfe erhalten eine neue 'Kissenriffelung' für eine edlere Haptik. Alternativ ist eine 'Diamantriffelung' mit dreidimensional facettierter Oberfläche erhältlich, die noch luxuriöser wirkt. Erst beim genauen Blick auf die Bedieneinheiten fällt auf, dass Bentley hier Bronze-Einlagen zwischen den Oberflächen als neuen Detailierungsgrad eingearbeitet hat. Fahrer und Beifahrer nehmen auf 20-fach elektrisch verstellbaren Komfortsitzen Platz, die zwischen den bereits genannten Lederbereichen mit Steppmuster auch perforiertes Glattleder für die Heiz-, Kühl- und Massagefunktionen aufweisen. Für das neue Doppelrauten-Steppmuster sind pro Raute 712 Nadelstiche der Nähmaschine notwendig.

Drei Musikanlagen stehen zur Auswahl
Um auf langen Reisen im Continental GT adäquat der jeweiligen Lieblingsmusik lauschen zu können, bietet Bentley gleich drei unterschiedliche Audiosysteme an. Ab Werk stehen zehn Lautsprecher mit einem 650 Watt starken Verstärker bereit. Darüber rangiert ein System für lifestyleorientierte Kunden von Bang & Olufsen mit BeoSonic-Technologie (erstmals im Automobilbau), 1.500 Watt Spitzenleistung aus 16 Lautsprechern, die zum Teil beleuchtet sind. Die Spitzenposition nimmt eine Musikanlage von Naim mit 2.200 Watt, 18 Lautsprechern, in die Rückenlehnen der Vordersitze eingebauten Bass-Shakern und acht Sound-Modi ein. Damit diese Soundsysteme ihre Wirkung voll entfalten können kommt für Windschutzscheibe und Seitenscheiben Akustikglas zum Einsatz. Dies senkt im Vergleich zum Vorgänger die Außengeräusche um neun Dezibel ab.

Mit Apple CarPlay, aber ohne Android Auto
Nicht ganz ersichtlich ist uns die Ausstattung des Infotainmentsystems mit Apple CarPlay, aber der gleichzeitige Verzicht auf Android Auto. Immerhin ist das Smartphone-Betriebssystem von Google das meistgenutzte der Branche. Zudem nutzt Bentley im Navigationssystem gezielt die 'Point of Interest'-Suche von Google, um auch ungewöhnliche Ziele schnell zu finden. Das Navi verfügt zudem über Verkehrsinformationen in Echtzeit, um stets die Lage und Länge aktueller Staus zu erhalten und gegebenenfalls Veränderungen der geplanten Route darauf abzustimmen.

Performance - 635 PS und 900 Nm aus Biturbo-W12-Motor

Wie bereits bei den beiden vorherigen Modellgenerationen des Continental GT macht der W12 den Anfang in Sachen Antriebe. Weitere Motorisierungen werden im Laufe der kommenden Jahre folgen, darunter aller Voraussicht nach neben dem V8-Turbo auch eine Hybridvariante. Das W12-Biturbotriebwerk mit sechs Litern Hubraum erhielt im Vergleich zum Vorgängermodell einige Modifikationen wie zwei Twin-Scroll-Turbolader und eine Kombination aus Hochdruck-Benzindirekteinspritzung mit Niederdruck-Einspritzung, um die Laufruhe und den Ausstoß von Partikeln zu senken. Er leistet damit nun 467 kW/635 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment, die erstmals über ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe auf den permanenten Allradantrieb mit aktiver Momentenverteilung gelangen. Dieser überträgt in den normalen Fahrmodi bei Bedarf bis zu 38 Prozent der Leistung auf die Vorderachse, während es im Modus 'Sport' nur noch 17 Prozent sind. Zudem sitzt in der Hinterachse das bereits aus dem Continental GT3-R und dem aktuellen Continental Supersports bekannte 'Torque-Vectoring-by-Brake'-System, um die Kräfte zwischen den Rädern zu verteilen. Trotz eines Leergewichts von 2.244 Kilogramm beschleunigt der neue Continental GT durch die neue 'Sport Launch'-Funktion in nur 3,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 333 km/h.

48-Volt-Wankausgleichssystem
Angeschlossen an das neue 48-Volt-Bordnetz ist das adaptive Fahrwerk 'Dynamic Ride System', das den Fahrkomfort auf allen Untergründen steuert und gezielt der Seitenneigung des Fahrzeugs entgegensteuert und mit dem serienmäßigen, verbesserten Luftfahrwerk mit 60 Prozent mehr Luftvolumen sowie der neuesten Generation der kontinuierlichen Dämpferregelung (CDC) kombiniert ist. Die verbauten Aktuatoren können binnen 0,3 Sekunden bis zu 1.300 Newtonmeter aufbauen, um Wankbewegungen entgegenzuwirken. Das System verfügt zudem über die drei Fahrmodi 'Bentley', 'Comfort' und 'Sport', die sich jeweils auf die Kennlinien von Fahrwerk, Motor und Getriebe auswirken. Alternativ kann der Fahrer diese Kennlinien im Individual-Modus selbst justieren.

Effiziente Maßnahmen für weniger Verbrauch
Auch die elektrische Servolenkung (EPAS) mit variabler Lenkübersetzung ist ein Novum im Continental GT. Um die Fahrdynamik weiter zu steigern verbaut Bentley das Triebwerk weiter hinten. Zudem wurde die Rohkarosserie um rund 80 Kilogramm leichter und zugleich steifer konzipiert. Um den Kraftstoffverbrauch effektiv zu senken schaltet die Start-Stopp-Automatik den Motor nicht nur im Stillstand, sondern bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten und der Tendenz zum Ausrollen ab. Im Teillastbereich werden sechs der zwölf Zylinder zeitweilig deaktiviert. Laut Bentley liegt der kombinierte Verbrauch aus Stadt, Land und Autobahn bei 12,2 Litern Super pro 100 Kilometer. Die Auspuffanlage verfügt über ein adaptives Ventil, das laut Pressetext "hohes Tuning-Potenzial bietet".

Elektrische Servolenkung ermöglicht Assistenzsysteme
Durch die elektrische Servolenkung ist es möglich, diverse neue Fahrerassistenzsysteme im neuen Continental GT zu integrieren. Dazu zählen der aktive Spurhalte-Assistent, ein Stau-Assistent und ein Park-Assistent, die gemeinsam mit einem Head-Up-Display, der Pre-Safe-Bremsfunktion und einem Nachtsicht-Assistent mit Infrarotkamera in der optionalen 'Touring Specification' enthalten sind. Über die 'City Specification' erhält der Wagen zudem ein Fußgängerwarnsystem, eine Verkehrszeichenerkennung, eine Top-View-Kamera und das 'City Safeguard System'. Um im Notfall möglichst sicher zum Stillstand zu kommen, vergrößerten die Briten die Bremsscheiben an der Vorderachse um 15 auf nun 420 Millimeter Durchmesser.

Preis

Wie so oft bei Luxusfahrzeugen gilt auch für den neuen Bentley Continental GT: Preis auf Anfrage. Noch machten die Briten hier keine öffentlichen Angaben.

Unseren Bericht zur Erlkönigsichtung finden Sie hier: http://www.carsdaily.de/carsdailynews/2472-exklusiv-bentley-continental-gt.html
 

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Quelle: Bentley

 

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