Nissan GT-R LM Nismo - Konsequent anders

Geschrieben von Matthias Kierse. Veröffentlicht in News

- Nissans LM-P1-Prototyp für Le Mans
- Frontantrieb durch V6-Biturbomotor
- WEC-Saison wird komplett bestritten

 
Mitte Juni kehrt Nissan in der größten LM-P1-Prototypenklasse zurück zum 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Hierzu wurde eigens der neue GT-R LM Nismo entwickelt und aufgebaut. Dieser Rennprototyp macht jedoch konsequent viele Dinge anders als man es momentan aus dem Rennsport gewohnt ist. So liegt der drei Liter große V6-Biturbomotor nicht in Mittelmotorbauweise hinter dem Fahrer sondern vor ihm. Er treibt auch nicht die hinteren Rennslicks an. Stattdessen bauten die Japaner tatsächlich einen Frontantriebsrennwagen auf. Die Kraftübertragung erfolgt über ein sequenzielles Fünfgang-Getriebe und ein hydraulisches Sperrdifferenzial. Die vorderen Reifen sind 14 Zoll breit, während hinten lediglich 9 Zoll breite Slicks zum Einsatz kommen. Zusätzlich verfügt das Triebwerk über ein kinetisches Energierückgewinnungssystem (ERS) zur Aufladung der Akkus. Wie bei den größten Konkurrenten sitzt nämlich auch im GT-R LM Nismo ein Hybridantrieb mit Elektromotoren, die zum Antrieb beitragen.

Wieviel Gesamtleistung dabei generiert wird, lassen die Japaner ebenso offen wie die genaue Verteilung der Elektromotoren. Neben der ungewöhnlichen Antriebsart bietet das Frontmotorkonzept auch neue Herausforderungen bei der Aerodynamik. Nicht nur der Abtrieb muss durch die andere Gewichtsverteilung völlig neu überdacht werden, auch die Kühlung und anschließende Abführung der heißen Motorabluft sind Themen, um die sich die Ingenieure bemühen müssen. Außerdem sorgt die lange Haube für ungewohnte Sichtpositionen des Fahrers, der gefühlt oberhalb der Hinterachse Platz nimmt. Man darf gespannt sein, welche Lösungen Nissan erdacht hat.

Während durch den ersten Pressetext an vielen Stellen noch Fragezeichen offengelassen werden, wurde nun bekannt gegeben, dass man die komplette WEC-Saison bestreiten wird. Somit steht der neue Nissan am 12. April in Silverstone erstmals neben seinen direkten Konkurrenten an der Startlinie. Anschließend stehen, abgesehen vom Langstreckenklassiker in Le Mans, noch sechs weitere je sechs Stunden lange Rennen in Spa, auf dem Nürburgring, in Austin, in Fuji, in Shanghai und in Bahrain auf der Agenda.

Mit dem Rennen in Le Mans hat Nissan seit rund 30 Jahren eine Rechnung offen. Bislang ist die beste dort erreichte Platzierung der dritte Rang mit dem R390 im Jahr 1998. Die Vorbereitungen laufen bereits seit letztem Jahr und werden aktuell auf dem Circuit of the Americas im texanischen Austin fortgesetzt. In Kürze sollen auch die Fahrerpaarungen für beide GT-R LM Nismo bekannt gegeben werden. Bekannt sind hingegen schon TAG Heuer als offizieller Zeitnehmer-Partner und Motul als Schmierstofflieferant. Zudem ist Michelin als Reifenpartner mit an Bord. Die Franzosen wurden von Anfang an in das Entwicklungsprogramm einbezogen und konnten so zielgerichtet Reifen für die besonderen Anfordungen des GT-R LM Nismo entwickeln.

Quelle: Nissan