Bugatti Chiron - Null-400-null in 42 Sekunden

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Neuer Weltrekord für den Bugatti Chiron
- bekannter Rennfahrer Montoya am Steuer
- von null auf 400 und zurück zum Stillstand
- Chiron erledigt das in nur 41,96 Sekunden
- Montoya fährt 2018 Tempo-Rekordversuch
 


Dass der Bugatti Chiron ein besonders schnelles Auto ist, überrascht wohl niemanden. Speziell die Entwickler dieses Supersportwagens wissen, was sie da auf die Räder gestellt haben. An ihren Hochleistungscomputern errechneten sie dabei auch, welche Beschleunigungs- und Bremsleistungen der Chiron erreichen kann. Doch virtuell errechnete Werte sind nichts gegenüber realen Werten. Also setzte man Anfang August einen Rekordversuch auf dem Volkswagen-Testgelände in Ehra-Lessien an und lud hierfür einen berühmten Rennfahrer ein.

F1- und Indycar-Fahrer am Steuer
Sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten ist Juan Pablo Montoya bestens bekannt. Der Kolumbianer gewann einmal den Grand Prix von Monaco, zweimal das Indy 500 und dreimal die 24 Stunden von Daytona. Nun nahm er im französischen Sportwagen Platz und war sichtlich beeindruckt: "Zu meiner Zeit in der Formel 1 beschleunigten die Rennwagen nach einem perfekten Start in 2,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Der Chiron schafft das in 2,4 Sekunden! Für unseren Rekordversuch brauchten wir hohe Temperaturen, weil dann die Luft dünner ist. In der Zwischenzeit hab ich gefragt, ob ich den Wagen ein wenig ausprobieren dürfe. Ich hab dann meinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord hochgeschraubt. Als ich in der Indycar-Serie angefangen habe, haben wir dort im Windschatten und mit zusammengekniffenen Pobacken knapp über 400 km/h erreicht, heute mit den aktuellen Autos sind es noch gut 380 km/h. Beim Chiron bin ich bei 420 km/h durch den Begrenzer eingebremst worden - und man merkt deutlich, dass das Auto mehr kann."
 
Vorserienfahrzeug mit Zusatzinstrumenten
Doch um einen neuen Höchstgeschwindigkeitsrekord ging es am 6. August nicht. Stattdessen wollte Bugatti unter Beweis stellen, wie schnell der Chiron aus dem Stand auf Tempo 400 beschleunigt und anschließend wieder in den Stillstand abbremst. Hierfür erhielt das genutzte Vorserienauto im Innenraum eine Stoppuhr und eine rote Leuchte, die an den Tacho gekoppelt wurde und Montoya das Erreichen der Geschwindigkeit visualisierte. "Wir haben insgesamt 17 Versuche gefahren, doch bereits mein zweiter Anlauf brachte die Bestzeit", berichtete der Rennfahrer im Rahmen der IAA.

Beeindruckende Beschleunigungszeiten
Hierfür schaltete er den Wagen über den zweiten Schlüssel, den 'Top Speed Key', auf den Top-Speed-Modus, bei dem der Heckflügel mit drei Grad angestellt wird. Nach der Aktivierung der Launch Control steht Montoya mit dem linken Fuß auf der Bremse und mit dem rechten voll auf dem Gas. Das acht Liter große W16-Triebwerk dreht mit 2.800 Umdrehungen pro Minute, wodurch zwei der insgesamt vier Turbolader schon einmal hochfahren. Die anderen beiden werden bei 3.800 U/min einsteigen und für die Höchstleistung von 1.500 PS sorgen. Nach dem Lösen der Bremse stemmt sich der Allradantrieb mit Macht in den Asphalt und katapultiert den Chiron in 2,4 Sekunden auf 100, in 6,1 Sekunden auf 200 und in 13,1 Sekunden auf 300 km/h. Dabei passt die Traktionskontrolle darauf auf, dass die Kraft wirklich in Vortrieb umgesetzt wird und nicht in Reifenrauch aufgeht.
 
491 Meter Bremsweg aus 400 km/h
Nur 32,6 Sekunden nachdem der Wagen los geschossen ist, stehen bereits die 400 km/h unter der Tachonadel und die oben erwähnte rote Leuchte erinnert Juan Pablo Montoya an den Zweck der Übung. Er geht übergangslos in eine Vollbremsung über, bei der sich innerhalb von 0,8 Sekunden der 1,5 Meter breite Heckflügel in eine Stellung von 49 Grad begibt und damit als Air Brake zusätzliche Verzögerungsarbeit leistet. Zudem generiert er so rund 900 Kilogramm Abtrieb auf der Hinterachse, wodurch auch die hinteren Bremsscheiben besser zum Tragen kommen. Nach 9,3 Sekunden und 491 Metern kommt der Chiron zum Stehen.
 
Weltrekord durch SGS/TÜV Saar bestätigt
Bestätigt durch unabhängige Experten vom SGS/TÜV Saar, die ihre Messgeräte im Wagen verbaut hatten, erreichte Montoya in seinem besten Anlauf eine Zeit von 41,96 Sekunden für die Übung '0-400-0 km/h'. Insgesamt sind es nur 3.112 Meter vom Start bis zum Stillstand. Ein neuer Weltrekord, der wohl von den wenigsten Automarken angegriffen werden kann. Allenfalls Koenigsegg oder Hennessey könnten hier versuchen einen neuen Bestwert aufzustellen, brauchen dafür jedoch erst einmal ein geeignetes Testgelände.

Montoya soll Höchstgeschwindigkeit herausfahren
Im Rahmen der Pressekonferenz auf der IAA 2017 sprach Bugatti Chef Wolfgang Dürheimer eine offizielle Einladung an Juan Pablo Montoya aus, um im kommenden Jahr den Geschwindigkeitsweltrekord in Angriff zu nehmen. Dann will Bugatti den elektronischen Begrenzer des Chiron entfernen und wirklich ausloten, wie schnell der Supersportwagen ist. Dass Montoya binnen Millisekunden zusagte, muss wohl kaum erwähnt werden.

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Quelle: Bugatti