Mercedes-AMG Project One - Showcar auf der IAA

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Erster öffentlicher Auftritt des Hypercars
- steckt noch im Stadium eines Showcars
- über 1.000 PS, unter 6 sek auf 200 km/h
- mit aerodynamisch effizienter Karosserie
- vermutlich alle 275 Exemplare ausverkauft
 


Nach diversen Teaser-Bildern und einer privaten Fahrzeugvorführung im Rahmen des Genfer Autosalons ist es auf der IAA nun endlich soweit: Mercedes-AMG präsentiert den ersten eigens entwickelten Supersportwagen ohne Bezug zu anderen Serienmodellen. Während der CLK GTR Ende der 1990er Jahre noch klare optische Anleihen zum CLK erkennen lassen musste, der SLR McLaren eher als komfortabler Reise-GT abgestimmt wurde und der SLS AMG nie in die obersten Sphären der Sportwagenwelt vordringen durfte, ist das Hypercar Project One nun der klare Griff nach den Sternen. Allerdings machte man direkt nachdem Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton das Fahrzeug zur Pressekonferenz auf die Bühne gefahren hatte unmissverständlich klar: Noch handelt es sich um ein Showcar im Entwicklungsprozess. Wann genau die finale Serienversion präsentiert wird und ob diese eine andere Bezeichnung erhält, bleibt vorerst noch geheim. Die Präsentation des Project One Showcars bildet aber dennoch den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum von AMG.

Exterieur - Faszination und Funktion vereint

Unterhalb der rassig gezeichneten Karosserie, die sich unseren Informationen nach in einigen Bereichen von dem im März in Genf gezeigten Wagen unterscheidet, liegt ein hochfestes Carbon-Monocoque als Sicherheitszelle für die Passagiere und tragendes Bauteil des gesamten Fahrzeugs. Designtechnisch verknüpft Mercedes-AMG Faszination mit Funktion. Über die Wespentaille am Heck sowie die sachlichen Rundungen erzeugt man bereits eine gute Aerodyanmik, die mittels glattem Unterboden, breitem zweigeteilten Diffusor, ausfahrbarem Frontsplitter, aktiven Louvres über den Vorderrädern, Heckflosse und zweistufig ausfahrendem Flügel mit zusätzlichem aufstellbarem Flap auf Abtrieb getrimmt wird.
 
Der breite, schwarze Lufteinlass vorn trägt ein weißes AMG-Logo und in Wagenfarbe lackierte A-Wing-Unterteilungen. Ebenso wie die LED-Scheinwerfer fügt sich auch der Mercedes-Stern nahtlos in die Karosserie ein. Vor der breiten Windschutzscheibe entlässt ein ebenfalls schwarz eingefärbter Luftauslass die heiße Abluft der Kühler. Vor und hinter den Rädern sorgen Carbon-Elemente für eine Beruhigung des Luftstroms. Oberhalb der an der A-Säule angeschlagenen Türen verhilft eine Lufthutze dem Triebwerk zu mehr Frischluft. Neben der Haifischfinne sitzen zwei NACA-Lufteinlässe in der Heckscheibe, die den Ölkühlern für Motor und Getriebe Kühlluft zufächern. Hinten entlässt ein großes Auspuffendrohre die Abgase des Motors, während zwei kleinere Rohre für den Überdruck der Wastegates verantwortlich sind.
 
In den Radhäusern sitzen Zehnspeichen-Schmiederäder aus Aluminium mit Teilabdeckungen aus Carbon und Zentralverschlüssen. Optisch erinnern sie ein wenig an die Formel-1-Felgen. Spezielle Belüftungsschlitze helfen bei der Wärmeableitung von den Bremsen. Die speziell für den Project One mit Michelin entwickelten 'Pilot Sport Cup 2'-Reifen haben vorn die Dimension 285/35 ZR 19 und hinten 335/30 ZR 20.

Interieur - Fest am Monocoque verbaute Sitzschalen

"Formel 1 für die Straße" lautete der Entwicklungsauftrag beim Project One. Innen bietet der Supersportwagen das dann für bis zu zwei Personen an. Beide Schalensitze sind fest mit dem Monocoque verbunden, bieten aber verstellbare Rückenlehnen. Der Fahrer kann zudem Pedalerie und Lenkrad in eine für ihn optimale Position bringen. Durch einen fortlaufenden Mikrofaservlies-Bezug wird der Mitteltunnel optisch Bestandteil der Sitze. Nappaleder und gelbe Ziernähte setzen optische Akzente.

Das flügelförmige Armaturenbrett ist nicht nur optisch nett anzusehen, sondern stabilisiert als funktionales Strukturteil zusätzlich das Monocoque. Hinter dem rechteckigen Lenkrad mit Anklängen an den Rennsport und integriertem Airbag befindet sich ein zehn Zoll großes Display für die wichtigsten Fahrzeuginformationen. Ein weiteres, gleichgroßes Display steht zentral auf dem Armaturenbrett und dient der Anzeige aller Komfort- und Entertainment-Funktionen. Darunter finden sich zwei Belüftungsdüsen. Auf dem Mitteltunnel zeigt sich ein reduziertes Schalterfeld inklusive Start-Stopp-Knopf und ein Ablagefach mit transparentem Deckel.
 
Weiterer Alltagsnutzen (sofern man bei einem solchen Auto davon sprechen kann) ergibt sich aus zwei Staufächern hinter den Sitzen. Serienmäßig verfügt der Project One über eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber und das Comand-Infotainmentsystem. Da der Innenspiegel durch die Haifischfinne am Heck gestört würde, bietet eine Kamera nebst Monitor am Dachhimmel hochauflösende Bilder der Welt hinter dem Fahrzeug an.

Performance - Über 1.000 PS Systemleistung

AMG überträgt gezielt die Technologie des momentan äußerst erfolgreichen hauseigenen Formel-1-Teams auf einen Straßensportwagen. So erhält der Project One das 1,6 Liter große V6-Turbotriebwerk, mit dem Lewis Hamilton 2015 Weltmeister wurde, in leicht heruntergeregelter Version. Kombiniert wird das Aggregat durch die ebenfalls vom F1-Rennwagen bekannten Systeme MGU-H (Motor Generator Unit Heat) und MGU-K (Motor Generator Unit Kinetic), zwei Elektromotoren, die ihre Kraft aus den Abgasen und den Kurbelwellenumdrehungen erhalten. Hinzu kommen zwei je 120 kW starke Elektromotoren an der Vorderachse, die für einen variablen Allradantrieb mit Torque Vectoring und noch mehr Spurtkraft sorgen. Im Vergleich zum F1-Auto fällt das Lithium-Ionen-Akkupaket verständlicherweise vierfach größer aus.

Noch stehen die technischen Daten nicht endgültig fest. Mercedes-AMG erwartet eine kombinierte Systemleistung von mehr als 1.000 PS und eine Höchstgeschwindigkeit jenseits von 350 km/h. Besonders beeindruckend ist der angestrebte Wert für die Beschleunigung aus dem Stand auf 200 km/h, die nach Möglichkeit unter sechs Sekunden liegen soll. Als Kraftübertragung vom V6 zur Hinterachse kommt ein automatisiertes Achtgang-Speedshift-Schaltgetriebe zum Einsatz. Zudem soll es möglich sein, den Project One für rund 25 Kilometer rein elektrisch zu bewegen. Dafür wird der bis auf 11.000 Umdrehungen pro Minute drehende V6-Motor abgeschaltet, während die Vorderachse weiter elektrisch angetrieben wird. Die dort verbauten E-Motoren setzen neue Maßstäbe, indem sie bis zu 50.000 U/min erreichen; heute im Automobilbau verwendete E-Motoren kommen auf 20.000 U/min.

Das gesamte 'EQ Power+'-Antriebssystem arbeitet mit 800 statt der üblichen 400 Volt Bordspannung, wodurch die Leitungsquerschnitte und damit das Gewicht reduziert werden konnte. Verbrennungsmotor und Getriebe übernehmen derweil hinter dem Monocoque mittragende Funktionen, indem sie als Anlenkpunkte für der hinteren Radaufhängungen dienen. Diese Mehrlenkerkonstruktionen nutzen wie die Vorderradaufhängung Pushrod-Federn mit einstellbarem Gewinde und enden zum Rad hin an der neuesten Generation von Carbon-Keramik-Bremsscheiben.

Preis

Mercedes-AMG gibt bisher offiziell weder den Preis, noch die Produktionszahl des Project One an. Uns liegen jedoch Informationen vor, nach denen lediglich 275 Exemplare ab 2019 entstehen und jedes einzelne zum Grundpreis von 2.275.000,- € bereits verkauft ist.

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Quelle: Mercedes-AMG