Koenigsegg Agera RS - Neuer 0-400-0-Rekord?

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- 1.360 PS starkes Agera RS Kundenfahrzeug
- 0-400-0-km/h-Test auf dänischem Flugfeld
- 2,8 Kilometer lange Landebahn gut genutzt
- neuer Weltrekord kurz nach Bugattis Anlauf
- inklusive Onboard-Video der Rekordfahrt
 


Im Rahmen des Genfer Autosalons kündigte Koenigsegg in diesem Jahr an, mit dem Regera in den kommenden Jahren den einen oder anderen Rekordversuch zu unternehmen. Nachdem im vergangenen Monat jedoch Bugatti medienwirksam mit einem Weltrekord für das Beschleunigungs-Bremsmanöver aus dem Stand auf 400 km/h und zurück zum Stillstand auf der IAA auftrat, kam ein US-Kunde auf die schwedische Sportwagenmarke zu. Sein Agera RS befand sich gerade in den finalen Produktionsabschnitten, kurz vor den Abstimmungsfahrten. Er forderte offen dazu auf, seinen Wagen für einen solchen Test heranzuziehen, um die Konkurrenzfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Bugatti Chiron benötigte 41,96 Sekunden
Zur Erinnerung: Bugatti erreichte den Weltrekord auf der hauseigenen Teststrecke des Volkswagen-Konzerns in Ehra-Lessien in 41,96 Sekunden. Hierfür wurde ein frühes Vorserienauto des Chiron genutzt, das laut Werksangaben kompletten Serienstand bei den technischen Bauteilen hatte. Koenigsegg nahm nun laut eigenen Angaben das Kundenfahrzeug direkt nach den Abstimmungsfahrten und stellte es auf den werksseitigen Trailer, um zum Vandel Airfield in Dänemark zu reisen. Dieser Privatflughafen verfügt über eine Landebahn mit der nötigen Länge. Ursprünglich wollte man das deutsche Testzentrum Papenburg nutzen, wo jedoch aufgrund von schlechtem Wetter Rekordversuche unmöglich gewesen wären. Am Sonntag, den 1. Oktober absolvierte man daher auf der dänischen Bahn nachmittags zuerst diverse Testfahrten mit den Beschleunigungen aus dem Stand auf 350, auf 360, auf 370, auf 380 und schließlich auf 390 km/h. Nachdem alle Werte im grünen Bereich blieben und auch der sonstige Zustand des Wagens alle Überprüfungen überstand, ging es schließlich an den Rekordversuch. Einzig kleine Kalibrierungen an der Software für den Anstellwinkel des Heckflügels flossen ins System ein, um hier weniger Luftwiderstand zu generieren.

Optionspaket: Ein Megawatt Leistung
Der Koenigsegg Agera RS verfügt über einen fünf Liter großen V8-Biturbomotor, der optional auf die Spezifikationen des One:1 aufgerüstet werden kann. Diese Option hat der US-Kunde, dessen Fahrzeug für den Rekordversuch genutzt werden durfte, gewählt. Damit stehen 1.000 kW (ein Megawatt) oder anders ausgedrückt 1.360 PS zur Verfügung. Auf Seiten des maximalen Drehmoments klettert der Wert auf 1.371 Newtonmeter. Im Innenraum erhielt der Wagen einen verschraubten Überrollkäfig, um Werksfahrer Niklas Lilja ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewähren. Zudem zeigt der Wagen diverse abgeklebte Bereiche, die mittels eines speziellen Klebebandes vor Steinschlägen und sonstigen Beschädigungen geschützt werden. Dies ist ein normales Verfahren bei Koenigsegg, um Kundenfahrzeuge vor der Auslieferung nicht bei den Abstimmungsfahrten zu beschädigen.

Vandel Airfield in Dänemark als Ausweichsort gewählt
Das Vandel Airfield entstand im Zweiten Weltkrieg und wurde bis 2003 militärisch genutzt. Inzwischen ist es der größte Solarpark in Skandinavien. Dies beeinflusst jedoch die 2,8 Kilometer lange Landebahn nicht. Stattdessen hat hier im Laufe der Jahre die Natur zugeschlagen und für diverse Bodenwellen und Schlaglöcher gesorgt. Entsprechend aufmerksam musste Niklas Lilja beim Rekordversuch zu Werke gehen, was auch im Cockpitvideo deutlich wird. Mit lediglich 2.800 Metern von einem Ende zum anderen war bereits im Vorfeld klar, dass es insgesamt knapp werden könnte. Im Notfall hätte eine Wiese als Auslaufzone bereitgestanden, die Lilja jedoch nicht benötigte. Ausgestattet mit Evo5- und GPS08-Aufzeichnungsgeräten von AIM machte sich der dunkelrote Agera RS auf den Weg. Leider gab es keine unabhängigen Zeugen der Fahrt - ein Fakt, an dem Koenigsegg für zukünftige Rekordversuche noch arbeiten muss.

Neuer Rekord, deutlich schneller als Bugatti
Lilja fuhr den Rekordversuch im automatischen Modus des sequenziellen Siebengang-Getriebes. Während der Beschleunigungsphase griff die Traktionskontrolle bei den ersten drei Gangwechseln ein, da die Räder auf dem relativ schlechten Asphalt der Landebahn konstant um Grip kämpften. Nach lediglich 26,88 Sekunden und einer Distanz von 1.958 Metern erreichte der Wagen 400 km/h. Obwohl ein GPS-angesteuertes Blinklicht am oberen Rand der Windschutzscheibe montiert wurde, das Niklas Lilja auf das Erreichen der Geschwindigkeit aufmerksam machen sollte, dauerte es knapp unter einer Sekunde, bis er die Bremse voll durchtrat. In dieser Zeit beschleunigte der Agera RS weiter bis auf 403 km/h. Anschließend verbissen sich die Bremsklötze in den Carbon-Keramik-Bremsscheiben und sorgten innerhalb von 9,56 Sekunden für die Verzögerung von 400 zurück zum Stillstand. Somit vergingen für die gesamte Übung 0-400-0 km/h exakt 36,44 Sekunden oder 2.441 Meter. Für den Vorgang bis 403 km/h bis zum Stehen waren es 37,28 Sekunden oder 2.535 Meter.
 
Firmengründer und -chef Christian von Koenigsegg sagte anschließend: "Es macht mich so stolz, froh und begeistert zu sehen, was wir mit unserem Team und dem Agera RS erreicht haben. Ein Resultat wie dieses passiert nicht einfach so. Es hat zwar nur ein paar Stunden der Vorbereitung gedauert, um diesen Rekordversuch abzuschließen, aber wir dürfen dabei die ganze Arbeit nicht übersehen, die in die Kreation dieses Fahrzeugs geflossen ist. Um diese Autos zu bauen geben wir unser Bestes. Wir geben es gern an jedem Tag jeder Woche. Ohne dieses Engagement für Exzellenz wären wir des Resultates nicht würdig. Träume können Realität werden. Die Story von David und Goliath kommt wieder auf. Uns ist es wichtig, uns unsere Anstrengungen und Resultate immer wieder zu verbildlichen. Dadurch befeuern wir Träumer und Visionäre, die ihre Ideen gern verwirklichen würden. Ihr könnt es schaffen, egal wie unmöglich es scheint. Das ist vermutlich der wichtigste Aspekt und die größte Konsequenz der Dinge, die wir bei Koenigsegg tun. Ich möchte unseren Angestellten, engen Partnern und jedem, der in unsere Anstrengungen involviert ist danken. Ein besonderer Dank gilt unserem Werksfahrer Niklas Lilja für die eiserne Entschlossenheit, die er während des Rekordversuches zeigte. So übertrug er etwas, von dem wir wussten, dass es theoretisch möglich ist in die Realität."
 

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Quelle: Koenigsegg