Lamborghini Terzo Millennio - Innovative Zukunft

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- Sportwagen für das dritte Jahrtausend
- Lamborghinis Ausblick auf die Zukunft
- gemeinsam mit dem MIT entwickelt
- Radnaben-Elektromotoren rundherum
- inklusive Rennstrecken-Fahrsimulator
 


Im MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge/USA hat der italienische Sportwagenhersteller Lamborghini am 6. November seine Vision des Sportwagens der Zukunft präsentiert und dabei einige sehr interessante Ideen aufgezeigt. Die 'Terzo Millennio' (italienisch für drittes Jahrtausend) genannte Studie blickt gewiss nicht so weit in die Zukunft, müsste sie dann ja noch mindestens 983 Jahre auf ihren Einsatz warten, zeigt aber Denkansätze, die, sollten sie zur Serienreife gelangen, den Bau von Sportwagen revolutionieren könnten. Technisches Ziel von Lamborghini in der Entwicklung dieses Projektes war die Vorbereitung auf den Supersportwagen der Zukunft in fünf verschiedenen Bereichen: Energiespeichersysteme, innovative Werkstoffe, Antriebssysteme, visionäres Design und Emotionalität.

Gezeichnet am Stammsitz in Sant'Agata
Der erste Blick auf den Terzo Millennio lässt keinen Zweifel an seinem Erbauer. Es ist den Designern im Centro Stile in Sant'Agata Bolognese gelungen, einerseits ein futuristisches Design zu schaffen, dass in einigen Passagen an Konzepte für das Computerspiel Gran Turismo erinnert, andererseits aber typische Elemente der Marke Lamborghini so geschickt mit einbezieht, dass jeder nur ein wenig autoaffine Betrachter die Studie sofort mit der Marke mit dem Stier im Logo in Verbindung bringen wird. So verfügt der Terzo Millennio vorn und hinten über die bekannten Y-förmigen Leuchteinheiten, die auch in heutigen Serienfahrzeugen der Marke prägende Elemente sind. Die Gestaltung der Front scheint den Huracán oder den Aventador unsterblich ins dritte Jahrtausend transferieren zu wollen und auch das zerklüftete Heck erinnert an die Formsprache eines Sesto Elemento oder eines Centenario. Dazwischen zeigen sich typische Proportionen eines Sportwagens mit Mittelmotor, die man auch an den heutigen Serienmodellen der Marke findet, nur noch extremer. An die sehr kurze Frontpartie mit geringen vorderen Überhängen schließt sich die Fahrgastzelle an. Fahrer und Beifahrer befinden sich unmittelbar hinter der Vorderachse. Dahinter scheint ein großes Triebwerk reichlich Platz zu beanspruchen, tut es aber gar nicht, doch dazu später mehr. Typisch zerklüftete Lufteinlässe mit scharfen Kanten zeigen auch in der Seitenansicht die typische Design-DNA von Lamborghini. Im Kontrast dazu läuft die aufsteigende Seitenlinie in einen auffällig runden Abschluss zum Heck hin aus, der ein wenig das rundlichere Design eines Diablo zitiert.
 
Elektroantrieb statt Saugmotoren
Das technische Konzept des Terzo Millennio ließ den Designern große Freiheiten in der Gestaltung und zeigt weit mehr revolutionäre Ideen, als es das doch recht konventionelle, aber durchaus moderne Design vermuten lässt. Wie bereits angedeutet, benötigt der Terzo Millennio die Proportionen eines typischen Mittelmotorsportwagens nicht, denn die Motoren finden sich an ganz anderer Stelle. Auch wenn Maurizio Reggiani, Director of Research & Development Automobili Lamborghini, erst kürzlich in einem Interview davon sprach, dass man so lange wie möglich an den V10- und V12-Saugmotoren für die Sportwagen der Marke festhalten wolle: In einem Konzept, das zumindest im Namen das dritte Jahrtausend anvisiert, wirkt ein Verbrennungsmotor so aktuell wie eine Dampflok am ICE. Der Terzo Millennio verfügt natürlich über einen Elektroantrieb bei dem die Aggregate als Radnabenmotoren in den vier Rädern zum Einsatz kommen. Damit ist die Leistung einerseits für jedes einzelne Rad individuell dosierbar - Stichwort 'Torque Vectoring' - andererseits fällt das Gewicht des Getriebes und der Antriebseinheit komplett weg und der für die Marke typische Allradantrieb bleibt dennoch erhalten.
 
Radnabenmotoren an allen vier Rädern
Nun sind Radnabenmotoren nichts Revolutionäres und bereits aus anderen Concept Cars durchaus bekannt. Interessant wird es jedoch beispielsweise bei der Vision, wie Lamborghini die Energie für die Elektromotoren speichern will. Hier kommt die Zusammenarbeit mit dem MIT ins Spiel, die bereits im vergangenen Jahr von den Italienern initiiert wurde und die mit den beiden Laboratorien 'Dinca Research Lab' unter Leitung von Professor Mircea Dinca von der chemischen Fakultät und der 'Mechanosynthesis Group' unter der Leitung von Professor Anastasios John Hart im Fachbereich Maschinenbau erfolgt. Die Zusammenarbeit wird wesentlich von Automobili Lamborghini finanziert und soll zu radikalen Innovationen in den Bereichen Energiespeichersysteme und Materialwissenschaften führen.

Einblicke von Stefano Domenicali
Dazu Stefano Domenicali, CEO Lautomobili Lamborghini: "Vor genau einem Jahr haben wir über das MIT-Italy-Programm eine Vereinbarung mit dem Massachusetts Institute of Technology getroffen, die den Beginn einer Zusammenarbeit zwischen zwei außergewöhnlichen Akteuren einleitete. Ziel war die Schaffung eines Projekts, das einen bedeutenden Beitrag zur Realisierung eines Supersportwagens für das dritte Jahrtausend leisten soll. Die Zusammenarbeit mit dem MIT bietet unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilung die außergewöhnliche Gelegenheit sich in einem Bereich hervorzutun, in dem Lamborghini schon immer herausragend war: Die Neudefinition von Supersportwagen. Wir präsentieren heute ein aufregendes und progressives Konzeptfahrzeug. Unser Leitgedanke ist dabei eine Inspiration aus dem, was heute unmöglich ist, um damit die Realität von morgen zu gestalten: Lamborghini muss die Träume für die nächste Generation realisieren."

Superkondensatoren anstelle von Akkus
Für den Terzo Millennio hat Lamborghini gemeinsam mit dem MIT die Vision geschaffen, die Abkehr von herkömmlichen Batteriesystemen zu ermöglichen. Man baut auf das Potential von Superkondensatoren. Der nächste Schritt ist für die Entwicklungsingenieure die Schaffung eines Speichersystems, das eine hohe Spitzenleistung abgeben und kinetische Energie rückgewinnen kann. Ziel ist es ferner, die Beeinträchtigung durch Alterung und Zyklenbetrieb während der gesamten Fahrzeuglebensdauer so stark wie möglich einzuschränken. Zusätzlich strebt man die Möglichkeit an, elektrische Energie symmetrisch abzugeben und rückzugewinnen. Die Zusammenarbeit mit Professor Mircea Dinca zielt daher darauf ab, die Einschränkungen der heutigen Technologie zu überwinden und die Kluft zur Energiedichte konventioneller Akkumulatoren zu schließen. Gleichzeitig sollen hohe Leistung, symmetrisches Verhalten und sehr lange Nutzungsdauer der Superkondensator-Technik in dem neuen Speichersystem erhalten bleiben. In diesen Entwicklungsprozess wird auch das zweite Laboratorium mit einbezogen, da sich zur Unterstützung dieser Revolution bei Energiespeichersystemen auch die Werkstoffe und ihre Funktionen ändern müssen. Lamborghini ist bereits heute führend in der Entwicklung und Herstellung von Karbonfaserstrukturen. Als Beispiel sei das selbstentwickelte und patentierte 'Forged Composites' genannt, das in den aktuellen Modellen Verwendung findet. In der Zukunft wollen die Italiener diese Position besonders durch die Zusammenarbeit mit dem MIT weiter festigen und ausbauen.
 
Aufladbare Nanopartikel in Carbon-Bauteilen?
Für den Terzo Millennio wird daher im Rahmen der Zusammenarbeit mit Professor John Hart untersucht, welches Potenzial der Einschluss von aufladbaren Nanopartikeln in die Carbonfaser-Werkstoffe hat, aus denen die Karosserie des Concept Cars besteht. Sie wirken dort wie ein Akkumulator und speichern die Energie über integrierte Nanoröhrchen. So kann die gesamte Fahrzeugkarosserie als Speichersystem genutzt werden. Ein weiterer Aspekt der Entwicklung geht in eine ganz andere Richtung. Carbon-Karosserien sind zwar extrem leicht und steif, im Falle einer Beschädigung durch Unfall oder ähnliche äußere Einwirkung nur schwer und teuer zu reparieren. Die Vision von Lamborghini und seinen amerikanischen Partnern sieht eine kontinuierliche Überwachung und Selbstheilung der gesamten Carbonfaserstruktur des Terzo Millennio vor. Stellt das System eine Beschädigung fest, wird ein Selbstreparaturvorgang über Mikro-Kanäle ausgelöst, die mit Chemikalien für die Reparatur gefüllt sind um das Risiko kleiner Risse zu beseitigen, die sich in der Carbonfaser-Struktur ausbreiten könnten. Dies würde eine weitere Gewichtsreduzierung durch verstärkte Nutzung von Carbonfaser oder die Verwendung von CFK für Teile erlauben, die starkem Verschleiß ausgesetzt sind.
 
Fahrsimulator für Rennstrecken an Bord
Durch die Verlegung der Motoren in die Räder und Teile der Energiespeichersysteme in die Karosserie bildet sich die Möglichkeit, das Design frei von technischen Zwängen ganz auf eine optimale Aerodynamik zu konzentrieren. Dabei hilft auch die Schaffung eines hochmodernen Monocoques, das nur den verbleibenden Teil des Energiespeichersystems und, wie bei Rennfahrzeugen üblich, die Sitze für Fahrer und Beifahrer aufnimmt. Dieses wird durch die Forged-Composites-Technologie von Lamborghini ermöglicht. Eine kleine Spielerei, die typisch für ein Concept Car erscheint, konnten sich die Italiener allerdings dann doch nicht verkneifen. Das virtuelle Cockpit des Terzo Millennio bietet mehr als reine Informationen zum Fahren auf den Autobahnen der Zukunft: Mittels Fahrsimulator führt ein virtueller Experte den Fahrer über Rennstrecken wie beispielsweise in Imola, bevor er selbst übernehmen kann, um sich in seinem Fahrzeug als Formel-1-Pilot zu erleben, während er dem Ghost Car folgt. Die Play Station findet ihren Einzug in das Automobil der Zukunft. Weitere Informationen zur Gestaltung des Innenraums der Studie machen die Italiener allerdings noch nicht.

Emotionale Automobile gibt es auch in der Zukunft
Mit dem Terzo Millennio hat Lamborghhini ein Concept Car präsentiert, dass einerseits in seinem Design viel näher an der Gegenwart erscheint, als es der Name vermuten lässt. Vielmehr gibt die Studie Ausblicke auf kommende Modelle in vielleicht zehn bis zwanzig Jahren. Sollte sich die Formensprache der Italiener in diese Richtung entwickeln muss einem um den emotionalen Auftritt der Marke nicht bange sein. Die technischen Visionen dagegen erscheinen doch noch in weit größerer Ferne zu liegen. Nichtsdestotrotz sind die Ziele der Entwicklungsingenieure ambitioniert und zukunftsorientiert und zeigen, dass das emotionale Automobil noch lange nicht am Ende angekommen ist, auch wenn (zu) viele Politiker und Gegner des Individualverkehrs das herbeireden und -wünschen.

Zum Schluss fällt mir ein weiteres Interview mit Maurizio Reggiani ein, in dem er meinte, dass Lamborghini der letzte Hersteller sein werde, der autonomes oder teilautonomes Fahren in seinen Produkten ermöglichen werde. Glücklicherweise sehen die Italiener offensichtlich auch im dritten Jahrtausend noch keinen Bedarf an dieser Technik, denn davon ist beim Terzo Millennio keine Rede – Grazie Maurizio.
 

Kennen Sie schon die carsdaily.de Seite auf facebook? Dort werden Sie über alle neuen Artikel informiert und erhalten Live-Bilder von Veranstaltungen und Messen. https://www.facebook.com/carsdaily.de

Quelle: Lamborghini