Giannini 350 GP4 - Schluss mit niedlich

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- Extrem umgebauter Fiat 500 von Giannini
- klassischer römischer Tuner aus den 60ern
- deutlich verbreiterte Radhäuser rundum
- 350 PS starker Turbomotor vom Alfa 4C
- reiner Zweisitzer mit Sportschalensitzen
 


Die Tuningfirma Giannini aus Rom ist seit Jahrzehnten bekannt für ihre sportlichen Umbauten auf der Basis kleiner Modelle von Fiat. Besonders der Nuova 500 hatte es den Römern in den 1960er Jahren angetan. Zum Ende dieses Jahrhunderts jedoch wurde es ruhig um die Tuningkünstler aus der Hauptstadt Italiens und man gab die Tunigspalte auf. Ähnlich wie bereits seit einigen Jahren Abarth erscheint jetzt auch Giannini auf der automobilen Bühne zurück, allerdings nicht mehr im Original. Die Firma Gram Torino Engineering ist im Auftrag von Giannini für die Wiederauferstehung verantwortlich und beschäftigt sich wie die Römer in alten Zeiten erneut mit dem Kleinsten aus der Fiat-Modellfamilie, dem aktuellen 500, und das weitaus heftiger als früher. Herausgekommen ist erst der Giannini 350 GP, dem jetzt der 350 GP4 gefolgt ist. Beide sind als Hommage an die alten Zeiten von Giannini zu verstehen.

Exterieur - Extremer Breitbau, Schluss mit niedlich

Die erste Reaktion meiner Frau beim Blick auf den getunten 500er war: "Was haben die aus dem kleinen niedlichen Fiat gemacht?" Gut, niedlich ist der Giannini GP 350 mit Sicherheit nicht. Eher fragt sich der geneigte Betrachter, welche Mischung aus einem österreichischen Energy Drink, einem bekannten Potenzmittel und Anabolika dem italienischen Kleinwagen verabreicht worden ist. Der extreme Breitbau der Karosserie zeigt sich schon von vorn, da die neu gestaltete und tiefere Frontschürze mit Splitter auf Grund des extrem kurzen vorderen Überhangs direkt in die massiven Kotflügelverbreiterungen übergeht. Schräg unterhalb der originalen Kulleraugen - pardon Frontscheinwerfer - des Fiat 500 integrieren die Italiener zwei massive Zusatzfernscheinwerfer in die Frontpartie des 350 GP, die direkt aus der Rallye-WM zu kommen scheinen. Mittig dazwischen prangt das Logo der Römer, so wie es bereits bei den wilden Kreationen Gianninis in den Sechzigern der Fall gewesen ist. Diverse zusätzliche Lufteinlässe lassen besonders vorn vermuten, dass dieser umgebaute 500er kein Papiertiger ist. Beim 350 GP4 lässt ein Schlitz in der Motorhaube unterhalb der Frontscheibe den Blick auf die verbauten Pushrod-Dämpfer der schwedischen Spezialisten von Öhlins frei. Doch Moment mal, müsste da nicht der Motor sein? Hierzu später mehr in der Rubrik Performance.

In der Seitenansicht zeigt der kleine Fiat die nochmals breiteren hinteren Radhäuser, die beim 350 GP mit den vorderen durch einen massiven Seitenschweller und eine zusätzliche Luftführung verbunden sind, während der 350 GP4 leicht modifizierte Verbreiterungen ohne Verbindung dazwischen zeigt. Bei beiden Modellen findet sich der traditionelle 'Giannini'-Schriftzug ganz so wie früher unter dem hinteren Seitenfenster. Breite Leichtmetallfelgen von Forgiato Wheels vom Typ 'Super Leggero' runden den extrovertierten Auftritt des kleinen Italieners ab. Erneut ins Nachdenken kommt man, betrachtet man die Heckpartie des wilden Italieners. Unterhalb des Heckfensters befinden sich über die ganze Breite Lüftungsschlitze ähnlich wie bei einem VW Käfer. Sofort denkt man an die sichtbaren vorderen Dämpfer des 350 GP. Weitere Entlüftungsschlitze neben den originalen Rückleuchten deuten darauf hin, dass reichlich Abwärme im hinteren Bereich des schnellen Fiats entweichen muss.

Interieur - Reiner Zweisitzer mit Überrollkäfig

Zu den Modifikationen des Innenraums machen Giannini und Gram Torino Engineering wenig Angaben. Auf den ersten Fotos sind lediglich Sportschalensitze vorn und ein Überrollkäfig anstelle der Rückbank zu erkennen. Der 350 GP wird als reiner Zweisitzer angeboten.

Performance - 350 PS starker Motor vom Alfa 4C

Neben der extremen Breitbaukarosserie erfährt der kleine Fiat die umfangreichsten Modifikationen im Bereich der Motor- und Antriebstechnik. In diesem Bereich sind zusätzlich die Unterschiede zwischen den beiden Varianten 350 GP und 350 GP4 unerwartet groß. Wie bereits vermutet ist der neue Giannini in der Tat kein Papiertiger, denn die Modellbezeichnung weist auf die Leistung in PS hin. Um diesen Wert zu erreichen, griffen die Ingenieure von Gram Torino Engineering auf das Triebwerk des Alfa Romeo 4C zurück. Mit Modifikationen an Turbolader, Ladeluftkühler und Motorsteuerung steigerten sie die Leistung von serienmäßigen 177 kW/240 PS auf 257 kW/350 PS. Beim Modell 350 GP wanderte der Motor zusätzlich von seiner angestammten Position unter der vorderen Haube ins Heck des kleinen Fiat und treibt von seiner neuen Lage aus die Hinterräder an. Somit wären auch die Fragen bezüglich der Dämpfer, der hinteren Lüftungsschlitze und der fehlenden Rücksitze geklärt. Der 350 GP4 verfügt über das gleiche Triebwerk, nur kehren die Italiener bei dieser Variante zum Frontmotor zurück, der dafür aber alle vier Räder antreibt, daher die '4' in der Modellbezeichnung. Passend zu der deutlich gestiegenen Motorleistung des kleinen Fiat passt Giannini das Fahrwerk an und installiert eine Sechs-Kolben-Bremsanlage von Brembo. Fahrwerte nennt der Hersteller bei der Präsentation noch nicht.

Preis

Der Giannini 350 GP ist ab sofort zu einem Preis von 150.000,- € bestellbar. Geplant ist eine limitierte Auflage von 100 Exemplaren. Zum Preis und der Verfügbarkeit des 350 GP4 machen die Italiener noch keine Angaben.

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Quelle: Giannini