Tesla - Roadster-Überraschung bei Semi-Premiere

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- Tesla zeigt neuen Sportwagen Roadster
- 2+2-sitziger Targa anstelle eines Cabrios
- annähernd unglaubliche Leistungsdaten
- ab 2020 zu Preisen ab 200.000,- US$
- neuer Elektro-LKW Semi bereits ab 2019
 


Wenn Teslas CEO Elon Musk zu einem Premierenevent einläd, dann erinnert so eine Veranstaltung eher an die Präsentation des neuesten iPhones bei Apple denn an die Vorstellung eines neuen Automobils. So auch vergangene Woche, als der mit vielen Teasern und Vorabinformationen angekündigte erste LKW der Marke dem staunenden Publikum präsentiert werden sollte. Nun wäre das allein sicher kein Grund für carsdaily.de gewesen, sich mit diesem Event zu befassen, hätte nicht Elon Musk überraschenderweise noch einen zweiten Trumpf in der Hinterhand gehabt. Und der hat es wirklich in sich. Gerüchteweise wurde schon seit längerem diskutiert, dass Tesla zu seinen Anfängen als Automobilhersteller zurückkehrt und wieder einen sportlichen Roadster ins Programm aufnehmen könnte. Jetzt sind diese Gerüchte bestätigt worden. Ab dem Jahr 2020 soll es wieder einen Tesla Roadster zu kaufen geben, der allerdings mit seinem Vorgänger unter gleicher Bezeichnung auf Basis der Lotus Elise nichts außer dem Namen gemeinsam haben wird. Der erste Prototyp fuhr jetzt anlässlich der Premiere des Trucks den begeisterten Blicken des Publikums entgegen.

Exterieur - Targa-Design mit Glasdachhälften

Die Linie des elektrischen Sportwagens zeigt Elemente des typischen Tesla-Designs und reiht den Roadster so nahtlos in die bereits existierende Modellfamilie ein. Besonders die rundliche und vollkommen geschlossene Frontpartie weist auf den Elektropionier hin. Die schmalen Frontscheinwerfer und scharf geformten Lufteinlässe geben der Front mehr Präsenz als beispielsweise ein Model 3 aufweisen kann. Dabei kommt dem Roadster auch seine insgesamt flachere Karosserie entgegen, die die geschlossene Front nicht so flächig wie bei den Modellen 3, S und X wirken lässt. Seitlich setzt sich die rundliche Linie fort und zitiert erneut andere Modelle des Hauses. Die Fensterpartie erscheint mit dem gespannten Bogen zum Dach und dem scharfen Knick zum Heck hin wie eine verkleinerte Version des Model 3 oder S.

Auffallend ist der weit ausgewölbte Kotflügel am Hinterrad, der den Roadster kraftvoll auf der Straße stehen lässt. Am Heck fallen die sehr schmalen Rückleuchten auf, die in die hintere Abrisskante intergriert sind. Mittig erscheint ein ausfahrbarer Heckflügel, während der große, farblich abgesetzte Diffusor seitlich in Flaps übergeht, an der Heckpartie eine relativ unbekannte Variante des aerodynamischen Feinschliffs, die man allerdings auch am Porsche 918 Spyder mit Weissach Paket findet. Auch der hintere Abschluss des neuen Roadsters fügt sich gut in das bestehende Design der Marke ein. Eines muss man allerdings klar sagen, ein echter Roadster wie sein Vorgänger ist das neue Modell nicht, sondern ein 2+2-sitziges Coupé mit herausnehmbaren Dachhälften aus Glas, die sich während des Open-Air-Vergnügens im Kofferraum des Fahrzeugs verstauen lassen.

Interieur - Bisher nut zwei Zeichnungen gezeigt

Viele Informationen zum Innenraum des neuen Roadsters hat Elon Musk auf der Premiere noch nicht verraten. Es handelt sich noch um einen relativ frühen Prototyp, der zwar fahrbereit ist, aber noch lange nicht die endgültige Serienreife erreicht hat. Unter den bisher veröffentlichten Fotos sind auch zwei Zeichnungen, die zeigen, wie das serienmäßige Fahrzeug innen aussehen könnte. Dabei fallen gut ausgeformte Sportsitze auf, die in dieser Form auch in jeden anderen Sportwagen passen würden. Das Armaturenbrett dagegen erscheint sehr flach und glatt. In der Mitte erwächst daraus ansatzlos die Mittelkonsole mit dem Tesla-typisch großen Bildschirm, der ähnlich mancher Modelle des schwedischen Herstellers Volvo wie eine Brücke über dem unteren Teil der Konsole schwebt. In einer weiteren Zeichnung erlaubt Tesla einen Blick darauf, wie man sich das Lenkrad der Zukunft vorstellen könnte, wobei der Name Rad hier eher unpassend ist. Ein Steuergerät ähnlich dem, was einem Formel-1-Piloten zur Verfügung steht, soll den Roadster in die richtige Richtung manövrieren. Dahinter erkennt man nur einige Kontrollleuchten, Instrumente dagegen nicht. Es ist also zu vermuten, dass der Fahrer die notwendigen Informationen über Geschwindigkeit und Fahrzustände entweder über das Mitteldisplay oder über ein Head-Up-Display erhält. Natürlich sind das zu einem so frühen Zeitpunkt noch Spekulationen. Es bleibt ohnehin abzuwarten, welche der Designideen es letztendlich in die Serie schafft.

Performance - Unglaubliche Vorseriendaten

Fahrleistungen und besonders Beschleunigungswerte waren bereits bisher schon ein Bereich, in dem die Automobile der Marke Tesla immer wieder Bestmarken setzen konnten. Sollten sich die jetzt angekündigten Werte des neuen Roadsters auch nur ansatzweise bewahrheiten, stoßen die Amerikaner in eine andere Liga vor. Der neue Elektrosportwagen wird von drei separaten Motoren angetrieben, wovon einer vorn und die anderen beiden hinten wirken. Somit hat das Fahrzeug immer Allradantrieb. Genaue Leistungsdaten nennt Tesla noch nicht, allerdings einen im ersten Moment utopisch klingenden Wert für das maximale Drehmont, das bei 7.376 lb-ft nach amerikanischer Messmethode liegen soll. Für Nichtamerikaner entspräche das rund 10.000 Newtonmeter, und nein, hier liegt kein Fehler bei den Nullen vor. Nach Werksangaben soll der Roadster innerhalb von 1,9 Sekunden den amerikanischen Standardsprint von 0-60 mph (96 km/h) schaffen und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 250 mph (entspricht mehr als 402 km/h) erreichen. Für die Viertelmeile, eine in den USA unheimlich populäre Beschleunigungsdistanz, gibt Tesla eine Zait von 8,8 Sekunden an. Damit wäre der Roadster das schnellste Serienfahrzeug in dieser Disziplin.
Dank eines Akkupakets mit einem Volumen von 250 kWh vespricht Tesla eine maximale Reichweite von 620 Meilen bei Highway Speed. Das wären immerhin rund 1.000 Kilometer. Interessant dokumentieren diese Zahlen auch im Vergleich mit dem Ur-Tesla, dem ersten Roadster, die wir Ihnen, liebe Leser, in einer Tabelle zusammengefasst haben, den enormen Fortschritt in der Elektromobilität innerhalb einer immens kurzen Zeit.

  Roadster 1.5 Roadster 2 Roadster 2.5 Roadster 2.5 Sport Roadster (2020)
Leistung 182 kW/248 PS 182 kW/248 PS 215 kW/292 PS 215 kW/292 PS kA
Drehmoment 271 Newtonmeter 380 Newtonmeter 380 Newtonmeter 400 Newtonmeter 10.000 Newtonmeter
Reichweite 393 km 393 km 393 km 393 km 998 km
0-60 mph 4,6 Sekunden 4,6 Sekunden 3,7 Sekunden 3,7 Sekunden 1,9 Sekunden
Vmax 201 km/h 201 km/h 201 km/h 201 km/h > 402 km/h

Genüsslich wies Elon Musk während der Vorstellung darauf hin, dass sich die genannten Daten lediglich auf den jetzt gezeigten Prototypen beziehen. Das 2020 auf den Markt kommende Serienfahrzeug würde noch stärker und schneller werden sowie über eine noch größere Reichweite verfügen. Wir von carsdaily.de bleiben gespannt.

Preis

Beziehen sich die Leistungswerte noch auf den Prototyp, so ist eine weitere genannte Zahl schon eindeutig der Serienvariante zuzurechnen. Bereits bei der Premiere gab Tesla die späteren Preise des neuen Roadsters bekannt, die bei 200.000,- US$ (rund 169.580,- €) beginnen werden. Ab sofort nehmen die Kalifornier auch Bestellungen für ihren neuen Sportwagen entgegen, bei der eine Anzahlung in Höhe von 50.000,- US$ (etwa 42.395,- €) zu leisten ist. Eine besondere, auf 1.000 Exemplare limitierte 'Founders Series' steht mit 250.000,- US$ (circa 211.975,- €) in der Preisliste, ohne jedoch die Unterschiede zum normalen Modell zu beziffern. Trotzdem ist bei Bestellung der Founders Series der volle Kaufpreis sofort fällig.

Gedanken des Autors

War es jetzt ein Befreiungsschlag des Elektropioniers Tesla, der in der vergangenen Zeit viel Kritik über den schleppenden Produktionsanlauf des ersten Massenautomobils der Marke, des Model 3, einstecken musste? Sicher kommt die jetzt zelebrierte Präsentation des ersten LKW des Elektropioniers unter dem Namen Semi sowie des neuen Roadsters für Tesla zu einem sehr passenden Zeitpunkt, bringt er die Marke doch wieder in die positiven Schlagzeilen. Wenn man die neuen Modelle von Tesla jedoch auf diesen Effekt reduziert, wird man Elon Musk und seinem Team nicht gerecht. Musk ist getrieben davon der Welt zu beweisen, dass die Elektromobilität nicht erst in der Zukunft eine vollwertige Alternative darstellt. Mit den jetzt gezeigten Modellen geht er dabei seinen Weg konsequent weiter.

Der Semi ist der erste elektrisch betriebene LKW der Neuzeit. Seine Daten lassen aufhorchen und sind es meiner Meinung nach wert, auf carsdaily.de kurz Beachtung zu finden. Auch bei diesem Modell fällt besonders die unglaubliche Beschleunigungszeit auf, die Tesla jetzt für den Truck bei der Vorstellung nennt. Die solo fahrende Zugmaschine soll in glatten fünf Sekunden 60 mph erreichen, mit voll beladenem Auflieger und einem Gewicht von rund 40 Tonnen braucht der Elektro-Truck lediglich 20 Sekunden. Die Reichweite eines voll beladenen Semi gibt Tesla mit 500 Meilen an - das sind immerhin rund 800 Kilometer.

Nach Supercharger, der Tesla-eigenen Schnellladestation für die PKWs der Marke, folgt jetzt der Megacharger, der in der Lage sein soll, den LKW der Marke innerhalb einer halben Stunde mit Strom für 400 Meilen zu versorgen. Ähnlich wie die Fahrleistungen sticht auch die Optik des ersten Lastwagens der Marke aus dem Umfeld hervor. Eine konsequent aerodynamisch gestaltete Fahrerkabine mit der typisch geschlossenen Frontpartie prägt das Design des Semi. Viele Informationen zum Innenraum gibt Tesla noch nicht preis. Nur, dass der Fahrer mittig im Cockpit sitzt und links und rechts neben dem Lenkrad auf zwei große Bildschirme blickt. Kameras überwachen das komplette Fahrzeug und zeigen ihre Bilder über eben diese Bildschirme. Somit werden die gerade bei LKWs so gefährlichen toten Winkel verhindert. Bereits ab 2019 soll der Semi erhältlich sein. Mehrere große amerikanische Unternehmen wie beispielsweise Walmart haben bereits Interesse an dem Elektro-Truck bekundet.

Der neue Roadster dagegen stellt die Leistungsfähigkeit des Elektroantriebs eindrucksvoll unter Beweis und schließt zu den Schnellsten des Supersportwagensegments auf. Behalten bei der Endgeschwindigkeit vorerst Bugatti und Königsegg noch ihre Nasen vorn, so muss man sowohl in Molsheim wie auch in Ängelholm bei der Beschleunigung - und das ist die konstruktionsbedingte Stärke elektrisch betriebener Fahrzeuge - in Zukunft mit einem neuen Gegner rechnen. Dazu kommt, dass Tesla auch das größte und immer wieder genannte Problem der Reichweite und der Ladezeiten elektrisch betriebener Fahrzeuge immer überzeugender in den Griff bekommt.

Tesla gilt weltweit als einer der Pioniere des autonomen oder teilautonomen Fahrens. In dieser Disziplin mussten die Amerikaner auch schon einige bittere Erfahrungen machen. Man denke nur an den tödlichen Unfall eines autonom fahrenden Model S, der eine weiße Plane eines querenden LKWs für den Himmel hielt und unter den Auflieger gefahren ist. Der Besitzer des Wagens - ich vermeide bewusst das Wort Fahrer - kam dabei ums Leben. Um so interessanter ist jetzt zu beobachten, dass die Amerikaner diese Technik beim Semi mit in die Entwicklung einbeziehen und dabei Visionen von Reihen hintereinander autonom gekoppelter Trucks auf den Highways des Landes entwerfen. Beim Roadster dagegen findet man kein Wort von dieser Technik in den Planungen und Ankündigungen. Sollte sich auch bei Tesla in Palo Alto die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass ein Sportwagen zum fahren und nicht zum gefahren werden gekauft wird?

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Quelle: Tesla