Casil Motors SP 110 Edonis Felice - EB110 reborn

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- Wiedergeburt der EB110-Wiedergeburt
- bereits 2001 erstmals in Italien präsentiert
- damals noch als B.Engineering Edonis
- Firma und Chassis an Casil Motors verkauft
- Leistungssteigerung: 720 PS für 400 km/h
 


Casil Motors SP 110 Edonis Fenice – unter diesem Namen soll jetzt einer der wohl unbekanntesten Supersportwagen der letzten Jahrzehnte sein Comeback feiern. Doch beleuchten wir die Geschichte von Beginn an: Im Jahre 1989 gründete der italienische Finanzmakler und Autohändler Romano Artioli die Bugatti Automobili S.p.A., nachdem er zwei Jahre zuvor die Namensrechte an Bugatti erworben hatte. Am 15. September 1991, dem 110. Geburtstag von Ettore Bugatti, wurde mit dem EB110 das erste Modell der wiederbelebten Marke präsentiert, das ab 1992 in Campogalliano nahe der italienischen Stadt Modena in Produktion ging. 1995 musste die Bugatti Automobili S.p.A. jedoch wegen schwieriger Wirtschaftslage auf den überwiegend europäischen und amerikanischen Absatzmärkten Konkurs anmelden. Die Fahrzeugproduktion wurde eingestellt und der deutsche Autohändler Jochen Dauer übernahm die Konkursmasse, die Namensrechte an Bugatti dagegen gingen an den Volkswagenkonzern. Der Rest der Geschichte von hier an ist bekannt.

Nach dem Konkurs von Bugatti taten sich ehemalige führende Mitarbeiter und Ingenieure zusammen und gründeten die Firma B.Engineering mit dem Ziel, einen Supersportwagen auf der Basis des EB110 zu entwickeln. Das Produkt erhielt den Namen Edonis und wurde am 1. Januar 2001 um Mitternacht als erster Supersportwagen des 21. Jahrhunderts präsentiert. Man griff bei der Entwicklung auf das aus Carbon gefertigte Chassis des EB110, von denen man 17 fertige Exemplare erwerben konnte, ebenso zurück wie auf den V12-Zylindermotor, der allerdings für den Einsatz im Edonis modifiziert wurde. So erhöhte man den Hubraum von 3,5 auf 3,8 Liter, während die vier kleinen IHI-Turbolader des EB110 durch zwei größere des gleichen japanischen Herstellers ersetzt wurden. Die Karosserie dagegen war komplett neu gezeichnet und polarisierte mit ihrem Design. Große Entlüftungsöffnungen oberhalb der markant gezeichneten Frontscheinwerfer prägen die Frontansicht. Am Heck scheint der Edonis fast komplett offengelegt zu sein, so groß sind die diversen Entlüftungsöffnungen. An die schlichte Eleganz des Bugatti kam der Edonis jedenfalls bei weitem nicht heran.

So richtig ist dieses Projekt nie auf dem Markt angekommen, sodass wie bei Bugatti aus finanziellen Gründen nach nur vier produzierten Fahrzeugen bereits wieder Schluss für den so groß angekündigten Edonis war. Sicher auch der Grund, warum dieses Fahrzeug selbst bei Sportwagenfans so gut wie unbekannt ist. Nach mehr als zehn Jahren erscheint nun der Edonis wieder auf dem automobilen Parkett, präsentiert von Casil Motors aus der amerikanischen Glücksspiel Metropole Las Vegas. Casil Motors ist hervorgegangen aus der Firma PSC Motors, die im Jahre 2014 mit dem SP-200 SIN Concept die Idee eines Hybrid-Hypercars mit 2.400 PS allerdings nur virtuell präsentierte, dessen anvisierter Produktionsstart ebenso virtuell blieb wie das Fahrzeug selbst.

Im Jahr 2017 konnte Casil Motors das Edonis Projekt samt 15 Chassis übernehmen und plant, das mittlerweile 17 Jahre alte Fahrzeug jetzt in einer limitierten Auflage von eben diesen 15 Exemplaren auf den Markt zu bringen. Als technischen Direktor konnte man Nicola Materazzi gewinnen, der diese Aufgabe bereits bei B.Engineering bekleidet hat und darüber hinaus als führender Entwickler unter anderem der Ferrari Modelle 288 GTO und F40 gilt. Nach Aussage von Casil Motors ist das Fahrzeug zur Produktionsreife entwickelt und man werde in Kürze die Fertigung in Campogalliano in Sichtweite zum ehemaligen Bugattiwerk beginnen. Überprüfen lässt sich diese Ankündigung zur Zeit jedoch noch nicht, da man bei den präsentierten Fotos auf alte Bilder von B.Engineering zurückgegriffen hat. Es bleibt also abzuwarten, ob der jetzt erfolgten Ankündigung eines Comebacks des Edonis wirklich die 15 geplanten Exemplare real folgen werden, oder ob auch diese Vision der Firma ein ähnliches Ende wie der angeblich 2.400 PS starke Hybridsportler findet.

Zu wünschen wäre dem Edonis der Erfolg auf jeden Fall, lassen die technischen Details des Fahrzeugs doch gerade Sportwagenfans und -fahrer der alten Schule aufhorchen. Casil bezeichnet das Modell als 'analog classic high performance supercar' und liegt damit sicher nicht falsch. Mit dem Carbon-Chassis des EB110 und einer darüberliegenden handgedengelten Karosserie aus Aluminium erreicht der Edonis ein Leergewicht von lediglich 1.400 Kilogramm. Auf den Allradantrieb des Bugatti verzichteten bereits die Entwickler des originalen Edonis 2001 und vertrauten auf reinen Heckantrieb, der nicht durch irgendwelche elektronischen Gadgets eingebremst wird. Die einzig verfügbare Traktionskontrolle ist der rechte Fuß des Fahrers. Dafür erhöhte man bei Casil noch einmal die Leistung des modifizierten ex-Bugatti-Triebwerks. Statt 500 kW/680 PS in der ersten Version soll der Edonis jetzt 537 kW/720 PS bereitstellen, die über ein manuelles Sechsgang-Getriebe auf die Hinterräder losgelassen werden. Für den Standardsprint auf 100 km/h nennt der Hersteller eine Zeit von 3,4 Sekunden und verfällt bei der erreichbaren Höchstgeschwindigkeit dann doch etwas ins träumen. Nachdem der originale Edonis im Jahr 2001 in Nardo, der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Süden Italiens, bereits mit einer Geschwindigkeit von 360 km/h gemessen wurde, geht man jetzt davon aus, auf Grund einer längeren Getriebeübersetzung und der leicht gestiegenen Motorleistung 249 mph erreichen zu können. Für alle Nicht Amerikaner – das sind 400 km/h. Immerhin spendiert Casil Motors dem aktuellen Edonis die selben Michelin-PAX-Reifen, mit denen auch der Bugatti Veyron unterwegs ist.

Übrigens, Preisvorstellungen zu dem wiederbelebten ersten Supersportwagen des 21. Jahrhunderts nennt Casil Motors zur Zeit noch nicht. Eine erfolgreiche Nacht in Las Vegas dürfte den Erwerb jedoch vereinfachen. Spannend bleibt bei aller Euphorie auch die Frage nach der Zulassungsfähigkeit des inzwischen immerhin fast 30 Jahre alten Grundkonzepts.

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Quelle: Casil Motors, B.Engineering