Audi R8 V10 - Die zweite Generation

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Zwei V10-Varianten zum Marktstart
- 540 oder 610 PS, bis zu 330 km/h
- neu entwickelter quattro-Allradantrieb




Es ist soweit, Audi zieht endlich das Tuch von der zweiten Generation des beliebten Sportwagen R8. Seit 2007 erfreut dieser Zweisitzer weltweit eine große Anzahl Fans und Fahrer. Nun wurde es Zeit für ein neues Fahrzeug, das erneut in Kooperation mit der Tochtermarke Lamborghini entwickelt wurde und viele technische Bausteine mit dem Huracán teilt.

Exterieur

Bei einem ersten schnellen Blick könnte man meinen, hier rolle einfach nur ein R8 heran. Korrekt, aber das hier ist ein völlig neues Auto, kein umfangreiches Facelift. Audi ist es also gelungen, das bekannte Design so weiter zu entwickeln, dass sowohl Bestandskunden als auch neue Interessenten zufrieden sein dürften. Genaueres Hinsehen zeigt auf, dass kein Teil vom Vorgänger übernommen wurde. Geblieben ist die Mittelmotorbauweise in einem Space-Frame mit hohen Anteilen von Aluminium und Kohlefaser. Dieser konsequente Leichtbau führt zu einem Trockengewicht von nur 1.454 Kilogramm, womit der neue R8 trotz Mehrausstattung und 40% höherer Steifigkeit um rund 50 Kilogramm leichter ist als das Vorgängermodell.
Auch auf der aerodynamischen Seite haben die Audi-Ingenieure ihr Fachwissen in die neue R8-Generation eingebracht. Dabei wurde eng mit der hauseigenen Motorsportabteilung zusammengearbeitet, die zeitgleich einen Nachfolger des erfolgreichen GT3-Rennwagens R8 LMS entwickelte. Ähnlich wie dieser erhielt auch der straßenzugelassene R8 einen voll verkleideten Unterboden, der am Heck in einem funktionalen Diffusor endet, um Abtrieb zu erzeugen.
Bereits vor einigen Tagen präsentierte Audi uns die neuen serienmäßigen LED-Scheinwerfer des R8 sowie die gegen Aufpreis lieferbaren Leuchten mit Laser-Fernlichtmodul. Nun ist es auch möglich, die gesamte Frontpartie zu betrachten. Zentral sitzt der von Audi bekannte Single-Frame-Grill, der hier mit wabenförmigem Gitter ausgestattet ist. Daneben, unterhalb der Scheinwerfer, sitzen Lufteinlässe mit je zwei senkrechten Luftleitelementen, um den Fahrtwind gezielt zu bündeln. Seitlich fällt auf, dass das Sideblade zwar weiterhin in Kontrastfarbe ausgeführt wird, nun jedoch zweigeteilt ist. Die Luftauslässe am Heck nehmen die Optik der vorderen Einlässe wieder auf. Zwei trapezförmige Auspuffendrohre und die LED-Rückleuchten schließen die Karosserie optisch ab. Beim V10 Plus ersetzt ein feststehender Heckflügel den ansonsten bei höheren Geschwindigkeiten automatisch ausfahrenden Spoiler. In den Radhäusern sitzen 19 Zoll große Leichtmetallräder mit Pneus in 245/35 vorn und 295/35 hinten. Erstmals sind ab Werk auch 20 Zoll große Räder erhältlich.
Für die Karosseriegestaltung des R8 V10 stehen zehn verschiedene Lackfarben zur Verfügung, die frei mit den Farben der Sideblades kombiniert werden können. Beim R8 V10 Plus kommt exklusiv der matte Farbton Camouflagegrün hinzu.

Interieur

Im neuen R8 setzt Audi parallel zum TT auf das Virtual Cockpit. Somit entfällt ein Display zentral im Armaturenbrett. Alle Informationen über den Fahrzeugzustand und die Navigationskarten werden auf dem 12,3 Zoll großen Display hinter dem unten abgeflachten Sportlenkrad in aufwendigen Grafiken angezeigt. Die Anzeigen können vom Fahrer in allen angewählten Modi an seine persönlichen Bedürfnisse angepasst werden. Auf den Lenkradspeichen liegen die wichtigsten Bedieneinheiten in Tastengruppen zusammengefasst. Die Bedienknöpfe für Belüftung und Klimaanlage hängen schwebend vom oberen Teil des Armaturenbretts herab und unterstreichen auf diese Weise die optische Leichtigkeit der Schalttafel. Zum Serienumfang zählt zudem das MMI Navigationssystem plus inklusive MMI Touch, deren Bedienknopf ebenso wie der flache S-Tronic-Wählhebel auf dem Mitteltunnel angeordnet ist. Ergänzend kann das Connect-Paket bestellt werden, wodurch der R8 einen integrierten WLAN-Hotspot erhält und damit Smartphones oder Tablets an das Infotainmentsystem koppeln kann. Durch die LTE-Internetanbindung kann der Fahrer diverse internetbasierte Audi-Dienste nutzen. Optional steht zudem ein 500 Watt starkes Audiosystem von Bang & Olufsen zur Verfügung.
Bereits die serienmäßigen Sportsitze mit integrierten Kopfstützen bieten einen guten Seitenhalt. Für Fahrer mit Rennstreckenambitionen empfiehlt Audi allerdings die neuen Schalensitze, die im V10 Plus zum Serienumfang zählen. Bezogen sind die Sitze wahlweise mit einem Leder-Alcantara-Mix oder feinstem Nappaleder in fünf verschiedenen Einfärbungen. Dazu gesellen sich gegen Aufpreis eine Rautensteppung und Dekorblenden in Sichtcarbon.

Performance

Hinter den Passagieren sitzt zum Marktstart des neuen Audi R8 ein V10-Triebwerk mit 5,2 Litern Hubraum und Benzindirekteinspritzung, das wahlweise in zwei Leistungsstufen erhältlich ist. Der normale R8 V10 bringt es auf 397 kW/540 PS sowie 540 Newtonmeter Drehmoment, während im R8 V10 Plus 449 KW/610 PS und 560 Newtonmeter Drehmoment über das serienmäßige Siebengang-S-Tronic-Doppelkupplungsgetriebe auf den permanenten quattro-Allradantrieb übertragen werden. Dieser wurde ebenso neu entwickelt und verfügt über eine völlig variable Momentenverteilung zwischen den vier Rädern. Somit passt er sich binnen Millisekunden an jede Fahrsituation an und leitet die Motorkraft zu dem Rad, das gerade am meisten Traktion hat. Dabei können bis zu 100% der Motorkraft auf die Vorder- und Hinterachse geleitet werden. Im R8 V10 dauert der Spurt auf Tempo 100 3,5 Sekunden. Maximal ist eine Geschwindigkeit von 323 km/h erreichbar. Der R8 V10 Plus erreicht nach nur 3,2 Sekunden Tempo 100, nach 9,9 Sekunden Tempo 200 und bei Bedarf eine Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h. Bereits ab Werk verfügen beide V10-Modelle eine Auspuffanlage mit Klappensteuerung, können jedoch optional mit einer Sportabgasanlage mit noch markanterem Sound ausgestattet werden. Eine neue indirekte Einspritzung senkt zudem im Zusammenspiel mit einer Zylinderabschaltung den Benzinverbrauch um bis zu 10% im Vergleich zur ersten R8-Generation. Das V10-Triebwerk mit seiner Trockensumpfschmierung wird im ungarischen Györ von Hand gefertigt.
Am Fahrwerk mit doppelten Querlenkern an allen vier Rädern zeigt sich erneut die Nähe zum Motorsport. Die Grundabstimmung des Fahrwerks ist im R8 V10 Plus noch straffer als im R8 V10. Optional sind beide Varianten mit den adaptiven Magnetic-Ride-Dämpfern erhältlich, die vom Fahrer in verschiedene Modi geschaltet werden können. Auch die in die Getriebesoftware integrierte Launch Control ist ein aus dem Rennsport übernommenes Feature. Darüber hinaus verfügt das Doppelkupplungsgetriebe über eine Segelfunktion, bei der beide Kupplungen geöffnet werden, wenn der Fahrer bei Geschwindigkeiten oberhalb von 55 km/h den Fuß vom Gas nimmt. Auf diese Weise wird der Widerstand verringert und der Kraftstoffverbrauch sinkt. Neben der hohen Alltagstauglichkeit ist der R8 natürlich auch weiterhin ein Fahrzeug, das beim beherzten Einsatz auf abgesperrten Rennstrecken viel Fahrspaß aufkommen lässt. Hierzu ist neben dem intelligenten Allradantrieb auch ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Hinterachse verbaut, um möglichst schlupffrei aus engen Kurven heraus beschleunigen zu können. Gelenkt wird ab Werk mit einer neu entwickelten elektro-mechanischen Servolenkung, die gegen Aufpreis durch eine Dynamiklenkung getauscht werden kann. Im R8 V10 übernimmt eine Stahlbremsanlage mit roten Bremssätteln die Verzögerungsarbeit, während im V10 Plus ab Werk Carbon-Keramik-Scheiben arbeiten.
Über das Fahrdynamiksystem Audi Drive Select lassen sich vier Modi für die Kennlinien von Motor, Lenkung, Getriebe und Allradantrieb sowie das optionale Magnetic-Ride-Fahrwerk anwählen: "Comfort", "Auto", "Dynamic" und "Individual". Im V10 Plus kommt zudem ein "Performance"-Modus hinzu, der über einen Knopf am Lenkrad aktiviert wird und anschließend mit einem Drehregler für trockene, nasse oder verschneite Fahrbahnen feineingestellt werden kann.
Neben dem V10 entwickelte Audi parallel das neue Kundensport-Rennfahrzeug R8 LMS und eine neue Evolutionsstufe des elektrisch betriebenen R8 e-tron, der nun über 340 kW Leistung und 920 Newtonmeter Drehmoment verfügt, damit in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 spurtet und bis zu 450 Kilometer rein elektrisch zurücklegen kann - mehr als doppelt soviel wie sein Vorgänger. Über einen Nachfolger des bisherigen R8 V8 ist bisher noch nichts zu erfahren.

Preis

Der Verkauf des neuen Audi R8 beginnt im Sommer diesen Jahres zu Preisen ab 165.000,- € für den V10 und ab 187.400,- € für den V10 Plus (je inkl. MwSt.). Im neu errichteten Produktionsstandort "Böllinger Höfen" in Heilbronn entsteht der neue R8 in Manufaktur-Qualität durch 400 hochqualifiezierte Mitarbeiter.

Quelle: Audi