Koenigsegg Regera - Schwedischer Showstopper

Geschrieben von Matthias Kierse. Veröffentlicht in News

- Über 1.500 PS Gesamtleistung
- 3,2 Sekunden von 150 auf 250 km/h
- kein klassisches Getriebe




Mit dem neuen Topmodell Regera ist Koenigsegg ein absoluter Showstopper gelungen. Bereits während der Pressetage in Genf konnte man beobachten, dass kaum jemand einfach so an diesem Fahrzeug vorbeilief. Spätestens durch die Nennung der technischen Details wurde dann auch klar, was der Name bedeutet: Regera ist das schwedische Wort für regieren oder herrschen.

Exterieur

Koenigsegg spricht beim Regera vom ersten vollautomatisierten Fahrzeug. Gemeint sind dabei die adaptiven Aerodynamikelemente an Front und Heck, die sich je nach Geschwindigkeit und Fahrmodus in den Fahrtwind stellen sowie das adaptive Fahrwerk und die Nose-Lift-Funktion. Zudem lassen sich alle Türen und Hauben durch Tastendruck am Schlüssel oder per Smartphone simultan öffnen oder schließen. Die Türen verfügen außerdem über eine Softclose-Funktion, wie sie so bisher nur von Luxuslimousinen bekannt war. Beim Öffnen der Türen klappen automatisch die Außenspiegel ein und ermöglichen so auch in engen Lücken ein kratzerfreies Ein- und Aussteigen. Am Heck kommt der weltweit erste versenkbare Heckflügel mit Topaufhängung zum Einsatz. In den letzten Jahren ging die Entwicklung der Aerodynamik sowohl im Rennsport als auch bei ersten Serienfahrzeugen dazu über, den Heckflügel von oben her aufzuhängen, um die wichtige Unterseite des Flügelblatts freizuhalten, da hier der meiste Abtrieb erzeugt wird. Koenigsegg geht nun einen Schritt weiter und lässt den Flügel automatisch aus dem Heck ausfahren. Zudem ist er so angebracht, dass er bei Bremsmanövern auch fast senkrecht gestellt und somit als Airbrake genutzt werden kann.
Das grundlegende Carbon-Monocoque entspricht dem bekannten Bauteil vom Agera. Auch die Grundform von Türen und Windschutzscheibe sind identisch. Auf diese Weise kann sich der Kleinserienhersteller einige der äußerst kostenintensiven Crashtests ersparen. Zudem sorgen die nach außen und dann nach vorne klappenden Türen für einen sofortigen Familienzusammenhang mit den bisher bekannten Modellen. Neu ist hingegen die Gestaltung der Frontpartie und das Heck mit seinem deutlich längerem Überhang, der vor allem dem Diffusor zugute kommt. Um den alltäglichen Gebrauch zu erleichtern gibt es serienmäßig Parksensoren und Kameras vorn und hinten.
Ein besonderes Detail sind die vorderen Scheinwerfer mit ihren Tagfahr-LEDs. Anstelle der heute gewohnten durchlaufenden Lichtbänder oder flächig angeordneten Spots entschied sich Koenigsegg für ein System, das Sternbilder nachbilden kann. Hierzu werden die LEDs im Scheinwerfergehäuse entsprechend der Sternkonstellation angeordnet. Auf diese Weise wirken sie wie Sterne vor einem dunklen Himmel aus Carbon und erleuchten zudem das gesamte Gehäuse als wären Diamanten verteilt worden.

Interieur

Im Gegensatz zu den bisherigen Modellen CC8S, CCR, CCX und dem aktuellen Agera wurde der neue Regera weniger als kompromissloser Supersportwagen sondern eher als extrem leistungsstarker GT geplant. Hierzu erhielt das Cockpit mehr Geräuschdämmung, die Sitze sind achtfach elektrisch verstellbar und das Infotainmentsystem hat deutlich mehr Funktionen inklusive einem neun Zoll großen TFT-Display, Apple CarPlay, sehr gutem Soundsystem, 3G und WLAN. In Verbindung mit der gewaltigen Leistung und den Fahrwerten ergibt sich hier unweigerlich der Vergleich mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
Fahrer und Beifahrer nehmen auf lederbezogenen Sportsitzen Platz. Die Kuhhäute überziehen auch das Armaturenbrett, die Türverkleidungen und das Lenkrad, hinter dem sich zwei Schaltwippen finden. Diese werden jedoch nicht zum klassischen Schalten sondern lediglich zum aktivieren von Vorwärts- und Rückwärtsfahrt sowie dem Leerlauf genutzt. Anstelle von klassischen Rundinstrumenten gibt es ein Display, auf dem alle wichtigen Daten eingeblendet werden können.

Performance

Fangen wir direkt mit dem Fakt an, der bereits am ersten Pressetag in Genf für offene Münder sorgte: Der Regera verfügt über kein klassisches Getriebe, dafür aber über vier Motoren. Sie dürfen den Mund beim Lesen dieser Zeilen gern noch eine Weile offen behalten, denn es wird noch besser. Eines der vier Triebwerke ist der bekannte V8-Motor mit fünf Litern Hubraum und Turboaufladung, der es allein bereits auf rund 1.100 PS bringt. Hinzu gesellen sich drei Elektromotoren mit je rund 250 kW (340 PS), von denen einer an der Kurbelwelle als Startermotorersatz eingesetzt wird, während die anderen beiden für je ein Hinterrad zuständig sind. Dennoch spricht Koenigsegg lediglich von einer kombinierten Gesamtleistung im Bereich von mindestens 1.500 PS. Dazu kommen 2.000 Newtonmeter Drehmoment. Für kurze Strecken lässt sich der Regera geräuschlos im reinen Elektromodus bewegen. Im Hybridmodus wird der Verbrennungsmotor bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h als reiner Generator zum Laden der Akkus genutzt. Darüber greift eine hydraulische Kupplung ein und schaltet ihn zum Fahrzeugantrieb hinzu. Ab diesem Zeitpunkt erhöht er im Direktgang seine Drehzahl bis zum Maximum, was gleichzeitig der Höchstgeschwindigkeit der Elektromotoren entspricht. De facto ist der Koenigsegg Regera in diesem Moment dann 410 km/h schnell. Beeindruckender sind indes die angestrebten Beschleunigungszeiten. Aus dem Stand auf Tempo 100 geht es in 2,8 Sekunden. Von 150 auf 250 km/h vergehen lediglich 3,2 Sekunden. Für den Spurt auf Tempo 400 verspricht Koenigsegg eine Zeit von rund 20 Sekunden. Haben Sie den Mund inzwischen wieder geschlossen?
Motoren und Antrieb sitzen in einem neu entwickelten hinteren Hilfsrahmen mit aktiven Softmounts, die im normalen Fahrbetrieb weich bleiben und so als Isolierung und Vibrationsdämpfung dienen. Bei schneller Fahrweise verhärten sie und versteifen damit den hinteren Teil des Fahrzeugs. Auch die Dämpfer sind adaptiv und zudem in der Höhe einstellbar. Trotz der GT-Ausrichtung des Regera gilt weiterhin: Das einzige Auto, das ihn auf einem Rennkurs abhängen könnte, dürfte ein anderer Koenigsegg sein. Das Titan-Auspuffsystem entstand in enger Zusammenarbeit mit Akrapovic und verfügt über einen so genannten Fischschwanz, wie er vor dem zweiten Weltkrieg zuletzt bei Automobilen zum Einsatz kam. Damals sollte diese besondere Bauform ein wenig dabei helfen, die Geräusche zu dämpfen. Heute sorgt der Fishtail für Vibrationen, die den Motorsound des Regera verstärken, immerhin entfallen hier ja die sonst bekannten Gangwechsel.
Neben der Aufladefunktion durch den Verbrennungsmotor sowie Rekuperation beim Bremsen können die Akkus des Regera auch über Ladestationen oder handelsübliche Steckdosen aufgeladen werden. Hierzu klappt das hintere Nummernschild herunter und gibt den Zugang zu einem Stromanschluss frei. Um den unerwünschten Memory-Effekt der Batterien möglichst lange zu umgehen verfügt das Fahrzeug über eine Batterie-Entlade-Funktion, die an das Navigationssystem gekoppelt ist. Wenn die Strecke bis zum eingegebenen Ziel unter 50 Kilometer fällt kann diese Funktion vorprogrammiert oder während der Fahrt auf Knopfdruck aktiv werden und sorgt dann dafür, dass die verbliebene Ladung bis zur Ankunft aufgebraucht wird, damit dann eine 100 prozentige Aufladung erfolgen kann. Bei der Entwicklung des Elektroantriebs wird Koenigsegg durch Rimac unterstützt. Trotz den Akkupacks und den zusätzlichen Elektromotoren wiegt der neue Koenigsegg Regera lediglich 1.628 Kilogramm inklusive vollem Tank und aller anderen Flüssigkeiten.

Preis

Lediglich 80 Exemplare des Koenigsegg Regera werden in Handarbeit im schwedischen Ängelholm entstehen. Zu den Preisen wurden noch keine Angaben gemacht, da die Markteinführung frühestens Anfang kommenden Jahres erfolgen soll. Vorher wird das in Genf vorgestellte Fahrzeug diversen Fahrversuchen unterzogen.

Quelle: Koenigsegg