AC Cobra Mk VI GTS3 - Schlangenbiss in Le Mans

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- WEC-Werkseinsatz mit 2 Autos geplant
- neuer GTE- und GT3-Renner der Cobra
- Carbon-Monocoque im Gitterrohrrahmen




Wenn man gegenüber Autofans das Buchstabenkürzel "AC" und anschließend den Tiernamen "Cobra" ausspricht, wird häufig anerkennend mit der Zunge geschnalzt. Bei weiteren sorgt spätestens das Bollern des anspringenden V8-Triebwerks unter der Haube für Bewunderung. Und dann gibt es noch einen kleinen prozentualen Anteil, den dieser US-amerikanische Sportwagen mit britischen Genen völlig kaltlässt. Wenn Sie sich zu letzteren Menschen zählen, können Sie an dieser Stelle eigentlich die Lektüre dieses Artikels beenden. Für alle anderen geht es mit folgender Schlagzeile weiter: Die Cobra kehrt nach Le Mans zurück!
 
Doch beginnen wir an dieser Stelle erst einmal von vorn. In den 1960er Jahren entwickelte Carroll Shelby den in Großbritannien gebauten AC Ace durch den Einbau eines Ford-V8-Motors zur AC Shelby Cobra weiter. Damit wurde ein leichtgewichtiger, offener Sportwagen geschaffen, der den damaligen Mitbewerbern auf vielen Rennstrecken das Fürchten lehrte und zugleich den guten Ruf von Shelby begründete. 1963 nahmen die Cobras erstmals am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Das Fahrzeug von Ninian Sanderson und Peter Bolton siegt direkt in der großen GT-Klasse bis fünf Liter Hubraum. Es folgten diverse weitere Erfolge, auch in Form des Shelby Cobra Coupés.

Ab 1966 konzentrierte sich Carroll Shelby zusammen mit dem Ford-Werksteam auf den GT40, die Cobra wurde nur noch von Privatteams eingesetzt und verschwand schließlich komplett aus dem Rennsport. In den folgenden Jahren gehörte sie zwar auf der Straße zu den beliebtesten Sportwagen, was unzählige Repliken eindrucksvoll beweisen, ein Motorsport-Engagement, am Ende gar mit Werksbeteiligung, gab es jedoch nicht mehr. Erst die Reifung zum Oldtimer machte Einsätze im historischen Rennsport wieder möglich. Nun jedoch soll die Cobra tatsächlich nach Le Mans zurückkehren: In der GTE-Klasse. Hinzu kommt eine Variante für das internationale GT3-Reglement.

Möglich macht dies der aktuelle Namensinhaber von AC, die Firma AC Automotive aus Heyda bei Dresden. In Kooperation mit dem Niederländer Leo Kusters und seinem Rennteam soll der Giftschlange erneut das Beißen beigebracht werden. Die Basis dafür bildet die aktuelle Cobra Mk VI. Allerdings erhält das Rennfahrzeug passend zum gültigen Regelwerk ein Carbon-Monocoque inmitten des Gitterrohrrahmens, um die Sicherheit des Fahrers zu gewährleisten. Auch der vollwertige Überrollschutz nach FIA-Bestimmungen erfüllt alle gültigen Anforderungen.

Seit rund einem Jahr laufen bereits die Vorbereitungen für das neue Motorsportprojekt. Was bislang noch auf dem PC-Bildschirm flimmert soll noch in diesem Jahr erstmals realen Asphalt unter die Räder nehmen. Hierzu wurde bereits ein erstes Chassis aufgebaut. Auch die Technik ist bereits zusammengestellt. Motorseitig verlässt man sich auf den kraftvollen V8-Motor aus der GT3-Corvette mit 5,5 Litern Hubraum. Zudem wurde gegenüber der Serien-Cobra ein etwas längerer Radstand ermöglicht, um das Fahrverhalten zu optimieren.

Natürlich gehören auch aerodynamische Hilfsmittel heutzutage zum Motorsport dazu, während man in den 1960er Jahren von deren Wirksamkeit allenfalls träumen konnte. An der Cobra Mk VI kommt vorn eine Spoilerlippe mit pro Seite zwei darüber angebrachten Flics zum Einsatz. In den verbreiterten Radhäusern und in der Motorhaube sitzen Luftauslässe. Die Abgasanlage entlässt unter bollerndem Getöse ihre Luft durch zwei armdicke Sidepipes unter den Türen. Am größten sind die optischen Unterschiede zwischen Serie und Rennfahrzeug am Heck der Cobra Mk VI GTS3. Mit dem riesigen Diffusor kann AC ohne Probleme jedem aktuellen Mitbewerber in GTE und GT3 auf Augenhöhe begegnen und auf der Heckklappe thront ein einstellbarer Flügel, der wie bei allen modernen GT3-Rennern von oben her aufgehängt ist. Eine zusätzliche Spoilerlippe sorgt zwischen den Kotflügelerhebungen für weiteren Anpressdruck.

In unserer Bildergalerie haben wir für Sie einmal einige Entwicklungsbilder zusammengetragen, die AC Automotive im Laufe des letzten Jahres veröffentlicht hat. Analog zum Serienfahrzeug war dabei ursprünglich ein offenes Rennfahrzeug angedacht, was jedoch aufgrund der Aerodynamik verworfen wurde. Dafür könnte diese Variante eventuell als zweiter Schritt nach dem GTE- und GT3-Renner für Clubsportveranstaltungen als Kundensportrennwagen auf den Markt kommen.

AC Automotive strebt einen Werkseinsatz mit zwei Fahrzeugen in der vollen WEC-Saison an. Ob dies allerdings bereits 2016 oder erst 2017 geschehen wird, hält man sich noch offen, da man zuerst einmal in die Testarbeit einsteigen möchte. Durch dieses Engagement wäre dann auch der Weg zu den 24 Stunden von Le Mans offen, wo ab kommendem Jahr der indirekte Nachfolger des Rennwagens wieder antritt, der einst die Cobra von der Sarthe vertrieb: Der neue Ford GT.

Quelle: AC Automotive