Spyker - Ein neuer Anfang kann gelingen

Geschrieben von Matthias Kierse. Veröffentlicht in News

- Neuanfang nach finanziellen Problemen
- Einigung mit Gläubigern erreicht
- Aileron-Produktion soll weitergehen

Wenn Sie carsdaily.de regelmäßig lesen und auch durch unsere Kategorien scrollen, haben Sie eventuell gesehen, dass wir im Herbst letzten Jahres zu Gast auf dem bislang größten Spyker-Treffen der Welt im Süden der Niederlande waren (falls nicht haben Sie nach der Lektüre dieses Artikels die Chance auf den unten angefügten Link zu klicken). Kurz nach diesem interessanten Tag im Kreise von enthusiastischen Besitzern und Fans der kleinen Sportwagenmarke zogen dunkle Wolken über dem weiteren Bestehen von Spyker auf.

Einige Gläubiger, darunter der Besitzer der Produktionshalle in Zeewolde, forderten lautstark Gelder ein und gingen hierfür vor Gericht. Die niederländische Marke beantragte im Dezember 2014 einen Zahlungsaufschub, wurde jedoch von den Gerichten kurz darauf als insolvent gewertet. Gegen diese Einstufung ging Firmengründer und -chef Victor R. Muller vor und erreichte am 22. Januar eine Aufhebung sowie eine Rückkehr zum Zahlungsaufschub in ein so genanntes Moratorium, in dem mit den Gläubigern beraten wurde. Zeitgleich wurde ein langer Rechtsstreit mit einem Gläubiger geführt und inzwischen siegreich beendet.

Am 21. Juli wurde schließlich vom Bezirksgericht festgelegt, dass Spyker den Zahlungsaufschub beenden darf und die mit den Gläubigern geschlossenen Vereinbarungen zu erfüllen hat. Da bis gestern Abend zum Ende der Einspruchsfrist keine Anträge beim Berufungsgericht eingegangen sind, ist dieser Beschluss nun rechtsgültig und ermöglicht einen Neubeginn als schuldenfreies Unternehmen. Somit können nun sowohl wartende Investoren mit ins Boot geholt werden, was aufgrund des schwebenden Verfahrens nicht möglich war, als auch der Zusammenschluss mit dem Elektroflugzeugbauer Volta Volare aus Oregon/USA getätigt werden.

Letzterer ist auch ein Entwicklungspartner für den geplanten Elektroantrieb in einer Variante des neuen Spyker B6 Venator, der bereits 2013 auf dem Autosalon in Genf als Studie vorgestellt wurde. Neben der dort gezeigten Coupé-Version wird es auch einen Spyder geben. Daneben ist auch die Wiederaufnahme der Produktion des C8 Aileron geplant, der mit seinem 4,2 Liter großen V8-Triebwerk von Audi zu den leistungsstarken GTs gezählt werden darf.

Spyker ist eine Marke mit langer Historie. Bereits im 19. Jahrhundert gehörte man zu den renommiertesten Kutschenbauern und baute unter anderem die bis heute genutzte Goldene Kutsche des niederländischen Königshauses. Ab 1900 sattelten die Brüder Spijker auf den Automobilbau um und machten auch hier von sich reden. So erhielt 1903 das Modell 60HP einen permanenten Allradantrieb, Bremsen an allen vier Rädern und einen Reihen-Sechszylindermotor mit 8,6 Litern Hubraum. Nach rund 2.000 gebauten Fahrzeugen ging die Marke 1926 Bankrott.

1999 wurden die Namens- und Logorechte vom Unternehmer Victor R. Muller gekauft und durch einen neuen Sportwagen wiederbelebt. Mit dem als Spyder und "Laviolette" genannten C8, der speziell durch sein hochwertig verarbeitetes Interieur mit der offenen Schaltstange auffiel, konnte man schnell Fans in aller Welt erreichen. Zwischen 240 und 250 neue Spyker wurden seitdem gebaut und ausgeliefert. Dabei erfolgte nur der Zusammenbau in Zeewolde, die Karosserien stammten zeitweise von CPP in Großbritannien und von Karmann in Osnabrück.

Durch die nun hoffentlich endgültig überwundenen Probleme entfällt die eigentlich für dieses Jahr angedachte 15-Jahr-Feier an der Manufaktur in Zeewolde. Verständlicherweise möchte man sich jetzt erst einmal auf die Wiederaufnahme der Produktion und die Weiterentwicklung des B6 Venator kümmern. carsdaily.de wünscht dem gesamten Team gutes Gelingen.

Hier wie versprochen der Link zum Spyker-Treffen im vergangenen Jahr:
http://www.carsdaily.de/veranstaltungen/73-spyker-owners-meeting-das-allererste-mal.html

Quelle: Spyker