Rolls-Royce Dawn - Luxus unter freiem Himmel

Geschrieben von Matthias Kierse. Veröffentlicht in News

- Viersitziges Luxus-Cabriolet mit 570 PS
- V12-Biturbotriebwerk aus dem Wraith
- Präsentation auf der IAA in Frankfurt



Bereits vor Monaten wurde er angekündigt, nun ist sie da, die "Morgendämmerung". Sie verstehen gerade nicht, worum es geht? Rolls-Royce kündigte im Mai eine neue, vierte Modellreihe neben Ghost, Wraith und Phantom an. In den zurückliegenden Tagen wurde dann mit dem Text "It's always darkest before..." auf den heutigen Tag hingewiesen. Klar war bereits, dass das neue Modell einen klassischen Namen wiederbelebt: Dawn, das englische Wort für - richtig - die Morgendämmerung. Diese lässt sich von bis zu vier Insassen auf Wunsch unter freiem Himmel erleben, der Rolls-Royce Dawn ist ein Cabriolet. Torsten Müller-Ötvös, CEO von Rolls-Royce Motor-Cars, sagt: "Der Dawn ist der sinnlichste Rolls-Royce, der je gebaut wurde." Inspirieren ließen sich die Techniker dabei vom 1952 präsentierten Silver Dawn Drophead Coupé, dem ersten Vertreter dieses Namens in der Markengeschichte, von dem in zwei Jahren lediglich 28 Exemplare entstanden.

Exterieur

Obwohl der Dawn auf dem bereits bekannten Wraith basiert, darf er doch als eigenständiges Auto gelten. Immerhin sind über 80 Prozent seiner Karosserieteile neu entwickelt worden, um ihm sowohl mit geschlossenem als auch mit geöffnetem Verdeck eine hohe Verwindungssteifigkeit mit auf den Weg zu geben. Jenes Stoffverdeck wurde mit viel Liebe zum Detail entworfen und bietet geschlossen innen die gleiche Fahrtlautstärke, die auch im Wraith vorherrscht - wobei das Wort "Lautstärke" hier eigentlich fehlbesetzt ist. Zudem öffnet und schließt es sich auf Knopfdruck in lediglich 22 Sekunden und dies auch während der Fahrt bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h - fast völlig geräuschlos, was bei den Briten zum Ausdruck des "Silent Ballet" führte.
Optisch orientiert sich der neue Dawn an den typischen Designgrundsätzen der Briten mit einer langen Motorhaube, betont kurzem Überhang vorn und langem hinten sowie einer sich verjüngenden Silhouette mit hoher Schulterlinie. Selbst die Frontpartie wurde nicht einfach unverändert vom Wraith übernommen, sondern speziell für den neuen Dawn modelliert. So ist der Kühlergrill um 45 Millimeter zurückversetzt, während die Schürze darunter um 53 Millimeter verlängert wurde. Diese erhielt zudem eine Aussparung für das vordere Kennzeichen und neu gestaltete Lufteinlässe. In den Radhäusern sitzen ab Werk wahlweise 20 oder 21 Zoll große Räder. Rund um die Passagierzelle zieht sich ein Edelstahlband, in dem hinten auch die dritte Bremsleuchte integriert ist. Wie bei Wraith, Phantom Coupé und Phantom Drophead Coupé sind die Türen an der B-Säule aufgehängt und öffnen somit gegenläufig.
Bei der Farbgebung des Präsentationsfahrzeugs orientierte sich Rolls-Royce an der realen Morgendämmerung. Von außen zeigt sich der Wagen passenderweise in Mitternachtsblau. Beim Öffnen des Verdecks fällt der Blick dann schnell auf das Interieur im Farbton "Mandarin". Als würde die Nacht in den Tag übergehen. Das Deck, der Bereich oben auf dem Verdeckdeckel, ist mit offenporigem Canadel belegt, dessen Maserung exakt dem Wasserfall zwischen den Fondsitzen folgt.

Interieur

Das Wort "Kompromiss" kommt im Vokabular von Rolls-Royce nicht vor. Stattdessen orientiert man sich bis heute am Credo des Firmenmitgründers Sir Henry Royce: "Strebe bei allem, was du tust, nach Perfektion. Nimm das Beste, das es gibt, und mache es noch besser. Und wenn es nicht existiert, dann erfinde es. Akzeptiere nichts als annähernd richtig oder gerade gut."
Entsprechend perfektionistisch zeigt sich die Interieurgestaltung des neuen Rolls-Royce Dawn. Mit dem klassischen Konzept eines 2+2-Sitzers wollte man sich keinesfalls zufriedengeben, es sollte ein vollwertiger offener Viersitzer werden. Damit ist man im Feld der offenen Luxuscabrios quasi Einzelspieler, da die meisten Mitbewerber lieber auf die typische Anordnung von zwei vollwertigen Sitzen vorn und zwei engen Sitzchen für Kinder oder Kurzstrecken hinten setzen - ein Kompromiss in jeder Hinsicht.
Innen fällt der Blick direkt auf ein Meer aus edlem Leder in Verbindung mit hochwertigen Hölzern. Mittig zwischen den vier bequemen Einzelsitzen zieht sich eine durchgängige Mittelkonsole durch das Fahrzeug, auf der in beiden Sitzreihen jeweils eine Mittelarmlehne angeordnet ist. Darüber hinaus bietet sie Stauraum für verschiedene Kleinigkeiten. Als Einfassung der Rundinstrumente hinter dem Lenkrad dienen einzeln aus Metall gefertigte Kränze, die an exklusive Armbanduhren erinnern. Dazwischen befinden sich Skalenscheiben in mattem Chrom, die in der Mitte des jeweiligen Instruments zu schweben scheinen. Selbstverständlich wurde durch das Team von Bespoke auch die Audioanlage an den Innenraum des neuen Dawn angepasst. Sie gibt die Lieblingsmusik des Fahrers und seiner Passagiere sowohl mit geöffnetem wie auch mit geschlossenem Verdeck in bestmöglicher Qualität wieder. Hierzu wurden 16 individuell abgestimmte Lautsprecher verbaut, die von speziell ausgebildeten Toningenieuren während der gesamten Entwicklungsphase des Fahrzeugs feinjustiert und auf jede Veränderung am Aufbau angepasst wurden. Ein hochempfindliches Mikrofon nimmt zudem Umgebungsgeräusche wahr und passt entsprechend die Lautstärke und Klangeinstellung an.
Zum Serienumfang des Dawn zählt natürlich auch ein Infotainmentsystem auf dem aktuellsten Stand der Technik. Vorn auf dem Mitteltunnel ist der "Spirit of Ecstasy Rotary"-Drehregler untergebracht, auf dessen Oberseite ein Touchpad die Eingabe von Handschriften zulässt. Das System erkennt neben den hierzulande gebräuchlichen lateinischen Buchstaben auch arabische Zeichen, Mandarin und Zahlen. Zieh- und Wischbewegungen wie an Smartphone- oder Tabletdisplays werden ebenfalls zugelassen. Zudem gibt es eine weiterentwickelte Spracheingabe, die beispielsweise den Befehl: "Navigate to St. Tropez" umgehend in die Tat umsetzt und im Navigationssystem die schnellstmögliche Route errechnen lässt. Diese wird dann auf dem im Armaturenbrett integrierten, 10,25 Zoll großen Bildschirm angezeigt, der entgegen der heute vielfach gängigen Lösungen nicht als Touchscreen-Monitor ausgeführt wurde, um unschöne Fingerabdrücke in Augenhöhe zu umgehen.

Performance

Angetrieben wird der neue Rolls-Royce Dawn von jenem V12-Biturbotriebwerk, das bereits im Wraith und Ghost seinen Dienst verrichtet. Hier darf es volle 420 kW/570 PS und 780 Newtonmeter Drehmoment aus den 6,6 Litern Hubraum schöpfen. Die Briten versprechen eine Beschleunigungszeit aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden und eine elektronisch limitierte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Diese lässt sich mit Blick auf das Leergewicht von 2.560 Kilogramm leicht als Reifenschonungsmaßnahme verstehen. Für die Kraftübertragung steht ein ZF-Achtgang-Automatikgetriebe zur Verfügung, das dank GPS-Unterstützung bereits vor einer kommenden Kurve weiß, dass es demnächst herunterschalten muss und somit die passenden Zahnräder schon bereitstellt.
Auf vielen zehntausend Testkilometern auf rauen Straßenoberflächen wurden Schwachstellen im Aufbau gefunden, die den Cabrio-Fahrgenuss schmälern könnten, und konsequent beseitigt. Hierzu wurde zum Beispiel die Radaufhängung im Vergleich zum Wraith komplett neu konfiguriert, um das besondere Fahrverhalten des offenen Dawn speziell hinsichtlich der Karosseriestabilität und der Gewichtsverteilung zu berücksichtigen. Am Ende konnten die Ingenieure ihr hohes Ziel, das sprichwörtliche erhabene Dahingleiten eines Rolls-Royce, auch beim neuen Modell erreichen.

Preis

Zum einen gibt Rolls-Royce bekanntlich eher ungern Preise heraus, zum anderen tun die Briten dies im Vorfeld einer Präsentation auf einer großen Messe sowieso nicht. Daher müssen Interessenten an dieser Stelle noch etwas Geduld haben oder einmal vorsichtig bei ihrem zuständigen Händler anfragen.

Quelle: Rolls-Royce