Porsche Mission E Concept - 500 km Reichweite

Geschrieben von Matthias Kierse. Veröffentlicht in News

- Ausblick auf Porsche-Elektrosportwagen
- zwei Elektromotoren, 600 PS Leistung
- gegenläufig öffnende Türen, 4 Sitze



Erstmals in der Markengeschichte des Hauses Porsche rollte heute Abend beim Volkswagen Group Vorabend-Event zur IAA ein rein elektrisch betriebener Sportwagen auf die Bühne. Der Mission E ist ein direkter Ausblick auf einen kommenden Elektrosportwagen aus Zuffenhausen, was vom Chef Matthias Müller mit den Worten: "Wir werden einen Elektrosportwagen bauen, da es bislang noch kein solches Fahrzeug gibt, das den Namen Porsche verdient hätte" kommentiert wurde.

Optisch zitiert der Mission E genannte Wagen zum einen die klassische Silhouette des 911, bringt jedoch auf der anderen Seite neue Designeinflüsse und Ideen ins Spiel. Hinter den vier gegenläufig öffnenden Türen befinden sich vier Einzelsitze. Auf insgesamt lediglich 1,3 Metern Höhe erstreckt sich hier ein durchaus emotionales Fahrzeug mit absolut durchdachter Aerodynamik, was durch Detaillösungen an allen Ecken und Winkeln deutlich wird. Die Matrix-LED-Scheinwerfer mit ihren jeweils vier markanten Lichtpunkten sorgen als verbindendes Element für die optische Familienzugehörigkeit zu Modellen wie dem 918 Spyder, dem frisch überarbeiteten 991 und auch dem Le-Mans-Siegerfahrzeug 919 Hybrid. In der Mitte zwischen den Lichtquellen sitzen jeweils flache Sensoren für die Fahrassistenzsysteme.

Auch der Entfall klassischer Rückspiegel zugunsten von unauffällig an den Flanken angeordneten Rückfahrkameras ist dem erwünschten möglichst geringen Luftwiderstand geschuldet. Ihre Bilder werden in die unteren Ecken der Windschutzscheibe projiziert. Das Passagierabteil verjüngt sich nach hinten etwas, was speziell beim Anblick der Heckscheibe auffällt. Umso mehr stechen dafür die breit ausgestellten hinteren Kotflügel und das Leuchtenband nebst beleuchtetem Porsche-Schriftzug am Heck ins Auge. Hinter einem verschiebbaren Element im vorderen linken Kotflügel verbirgt sich der Stromanschluss des Porsche Mission E, der dank einer erstmals genutzten 800-Volt-Aufladetechnik in nur 15 Minuten einen leeren Akku wieder auf 80% laden kann. Alternativ stehen die heute schon gebräuchliche 400-Volt-Ladetechnik, die Ladung über den konventionellen Hausanschluss oder Induktivladung zur Verfügung. Auch bei sportlicher Fahrweise sollen mit einer Akkufüllung 500 Kilometer Reichweite möglich sein.

Die Karosserie des Porsche Mission E besteht aus Aluminium, Kohlefaser und hochfestem Stahl. Für eine möglichst gute Gewichtsverteilung wanderte der Lithium-Ionen-Akku der neuesten Generation in den Fahrzeugboden und erstreckt sich dort auf voller Länge zwischen Vorder- und Hinterachse. Dadurch werden eine ausgeglichene Balance und ein tiefer Schwerpunkt erreicht. Auch die vorn 21 und hinten 22 Zoll großen Räder der Studie wurden aus Carbon gefertigt, um die ungefederten Massen zu verringern.

Für die Antriebstechnik griff Porsche auf Erkenntnisse zurück, die in den vergangenen zwei Jahren mit dem LMP1-Renner 919 Hybrid errungen wurden. So wird der Mission E durch zwei permanent erregte Synchron-Elektromotoren angetrieben, von denen einer vorn und der zweite an der Hinterachse platziert ist. Gemeinsam leisten sie 441 kW/600 PS und katapultieren die Studie in nur 3,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und in unter 12 Sekunden auf 200. Der bedarfsgeregelte Allradantrieb mit Torque Vectoring verteilt dabei die Kräfte jeweils auf das Rad, das am meisten Grip aufbauen kann. Hinzu kommt eine Allradlenkung, durch die die Agilität des Wagens spürbar steigt. Porsche spricht von weniger als acht Minuten für eine schnelle Runde auf der berühmten Nürburgring Nordschleife.

Neben den bereits erwähnten Einzel-Rennsportschalensitzen bietet der Porsche Mission E im Interieur durch den nicht vorhandenen Getriebetunnel speziell im Fond viel Platz. Vorn zieht sich die Mittelkonsole in leicht aufsteigender Bauweise, die bereits aus aktuellen Modellen bekannt ist, hoch zum Armaturenbrett. Anstelle von klassischen Rundinstrumenten blickt der Fahrer auf eine neue Welt von innovativen Anzeigen und Bedienelementen. Auf dem gebogenen, frei stehenden Fahrerdisplay aus Organischen Leuchtdioden (OLEDs) werden als Standardanzeige fünf Rundinstrumente dargestellt. Diese sind den Themen "Connected Car", "Performance", "Drive", "Energie" und "Sport Chrono" zugeordnet. Per Eye-Tracking-System, bei dem eine Kamera die Blickrichtung des Fahrers sowie dessen Sitzposition erkennt, kann der Fahrer die gewünschte Anzeige vergrößern. Durch einen Tastendruck am Lenkrad kann er dann zudem in den jeweiligen Untermenüs scrollen. Eine weitere Kamera nimmt die Emotionen des Fahrers auf und zeigt sie als Fahrspaß-Emoticon im Display. Dabei kann der Spaßfaktor der jeweiligen Strecke gespeichert oder durch eine Social-Media-Anbindung mit Freunden geteilt werden.

Das holografische Display zentral im Armaturenbrett arbeitet mit berührungsfreien Gesten. Es zieht sich vom Fahrer bis weit hinüber zum Beifahrer und kann so auch zur Interaktion während der Fahrt genutzt werden. Hier lassen sich primäre Funktionen wie Musik, Belüftung, Navigation und Fahrzeuginformationen bedienen und abrufen. Durch das Porsche Car Connect lassen sich einige Funktionen auch von außen über ein Tablet steuern. So können beispielsweise Reiseführer oder neue Musik ans Auto übertragen werden, aber auch Updates für Motor und Infotainmentsystem eingespielt werden. Selbst eine Remote-Diagnose durch das Porsche-Zentrum wird so denkbar, damit die Techniker direkt wissen, was los ist und ein entsprechender Werkstatt-Termin für Service oder Reparatur vereinbart werden kann.

Quelle: Porsche