Borgward BX7 - Rückkehr im SUV-Gewand

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- BX7 als Mid-Size-SUV mit Turbomotor
- alternativ auch als Plug-In-Hybrid
- ab 2016 in China, ab 2017 bei uns



Die bereits auf dem Genfer Autosalon angekündigte Rückkehr von Borgward in die Automobilindustrie wurde gestern auf dem ersten Pressetag der IAA mit der Präsentation des neuen SUV BX7 vollzogen. Noch spricht der inzwischen in Stuttgart ansässige Hersteller dabei von einem seriennahen Prototypen, die Produktion wird jedoch bereits im ersten Halbjahr 2016 in China beginnen. Dort werden auch die ersten Fahrzeuge ausgeliefert, während man in Deutschland und Europa noch bis zu zwei Jahre auf den Neuling warten muss. Mittelfristig sollen bis zu 500.000 Autos pro Jahr in verschiedenen Modellreihen - Borgward spricht von mindestens zwei neuen Modellen pro Jahr - vom Band laufen, wobei neben dem neuen Werk in Peking noch weitere Standorte entstehen werden. Anfänglich wird die SUV-Familie rund um den BX7 ausgebaut, anschließend folgen weitere Segmente.

Exterieur

Mit seinen 4,7 Metern Länge zielt der neue Borgward BX7 exakt auf den beliebten Markt der Mid-Size-SUVs. Beim Design, das unter dem Motto "Moderne Tradition" steht, arbeiteten die Borgward-Designstudios in Stuttgart, Peking und Oslo eng zusammen. Der lange Radstand und die kurzen Überhänge werden durch die spezielle Linienführung gekonnt zu einem durchaus gefälligen Fahrzeug miteinander verbunden. Vorn sitzt ein Octagon-Kühlergrill, in dessen Mitte die Neuinterpretation des Borgward-Rhombos integriert ist. Beim TS zieren den Kühler dazu diverse weitere verchromte Rhomben. Zudem erhält er speziell gestaltete Schürzen, Schwellerverkleidungen und Leichtmetallräder sowie Details aus gebürstetem Aluminium an Türgriffen, Stoßfängern, Schwellern, Scheibeneinfassungen, Außenspiegeln, Dachreling und Dachspoiler.
Darüber hinaus gibt es jedoch kein klassisches Retro-Design im Stil von Isabella und Co. Chefdesigner Einar J. Hareide entschied sich stattdessen für einen Transfer der Borgward-DNA in die heutige Zeit. Heraus kam dabei das "Wing-Line-Design", bei dem geschwungene Linien die klassischen Flügel eines Doppeldeckers nachempfinden, während scharfe Kanten eher an moderne Jet-Tragflächen erinnern. Eine hochstabile Fahrgastzelle in Verbindung mit Crashstrukturen an Front und Heck soll dabei für Bestwerte in allen international notwendigen Crashtests sorgen.

Interieur

Gerade im Interieurbereich möchte Borgward mit intuitiver Bedientechnik und modernstem Infotainment punkten, wobei natürlich auch eine Vernetzung der mit ins Fahrzeug gebrachten Smartphones und Tablets sowie der Internetzugang während der Fahrt eine Rolle spielen. Im BX7 feiert das "Multiple Interaction" genannte System Premiere, bei dem der Fahrer die Wahl hat, ob er die Menüs und Untermenüs über die Schnellwahltasten in der Mittelkonsole, den 10-WM-Kontrollknopf oder den mit 12,3 Zoll Bildschirmdiagonale größten Touchscreen-Monitor in dieser Fahrzeugklasse steuern möchte. Dabei hat er vollen Zugang zu allen Funktionen von Apple- oder Android-Smartphones und kann somit Personen aus seiner Kontaktliste anrufen, Apps nutzen oder Musik streamen. Kurznachrichten können zudem vorgelesen werden. Die bis zu sechs weiteren Insassen können über den WLAN-Hotspot im Internet surfen.
Bei der Gestaltung von Sitzen und restlichem Innenraum orientierte sich Borgward in höheren Fahrzeugklassen. Das weiche Premium Fine Scottish-Nappaleder mit Kontraststeppung zeigt sich ab Werk in der Bicolor-Ausführung Schwarz-Buffalo Brown. Kunden können zwischen einer fünf-, sechs- oder siebensitzigen Konfiguration des BX7 wählen, wobei der Sechssitzer in der mittleren Reihe zwei bequeme Captains Chairs erhält. Durch das Umklappen der Sitze entsteht ein bis zu 1.344 Liter großer Laderaum. Beim sportlicher gestalteten TS kommen Sportsitze mit Rhomben-Steppung, ein unten abgeflachtes Sportlenkrad und gebürstetes Aluminium an diversen Details zum Einsatz.
Vor dem Innenspiegel befinden sich Verbindungstasten, über die der Fahrer entweder mit einem Service-Agenten von Borgward verbunden wird, der auf Wunsch Hotels bucht, im Restaurant einen Tisch reserviert oder Eintrittskaren organisiert oder aber im Notfall mittels der SOS-Taste mit einem speziell geschulten Servicemitarbeiter, der bedarfsgerechte Hilfe einleitet. Sollte sich der Fahrer nach einem Crash mit ausgelösten Airbags nicht selbst melden, stellt die Servicezentrale eine Verbindung zum Fahrzeug her und erkundigt sich nach dem Wohlbefinden der Passagiere, um anschließend die Rettungskräfte zu informieren und per GPS-Ortung an den Unfallort zu leiten.
Eine spezielle App gestattet es dem Fahrzeugbesitzer jederzeit auf einige Funktionen des BX7 wie beispielsweise den Kraftstoffstand, den Reifendruck und den Ölstand zu schauen. Zudem lassen sich Inspektionstermine buchen. Eine Ortungsfunktion ermöglicht zudem auf großen Parkplätzen das Wiederfinden des Wagens sowie im Falle eines Diebstahls das Tracking und Stilllegen per Knopfdruck.

Performance

In Zusammenarbeit mit der deutschen Firma FEV GmbH entwickelte Borgward eine neue Vierzylinder-Motorenreihe. Der erste Ableger erhält zwei Liter Hubraum und verfügt über Benzindirekteinspritzung und Turbo-Aufladung. 165 kW/224 PS und 300 Newtonmeter Drehmoment bilden somit die untere Leistungsstufe des neuen BX7 und werden über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf den Allradantrieb übertragen. Dieser stammt vom renommierten Zulieferer BorgWarner und verfügt über eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung mit vollautomatischer Torque-on-Demand-Funktion - verteilt also das Drehmoment stets auf die Räder, die am meisten Grip bieten. Laut vorläufigen Daten sprintet der SUV in unter zehn Sekunden auf Tempo 100 und wird über 200 km/h schnell.
Darüber rangiert der ebenfalls auf der IAA gezeigte BX7 PHEV, also ein Plug-In-Hybridfahrzeug, bei dem an der Hinterachse ein zusätzlicher Elektromotor montiert ist. Hier stehen als kombinierte Systemleistung 295 kW/401 PS sowie ein maximales Drehmoment von 650 Newtonmetern zur Verfügung. So gelingt der Spurt auf Tempo 100 in 6,5 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit 220 km/h beträgt. Rein elektrisch ist eine Reichweite von 55 Kilometern möglich, während der Durchschnittsverbrauch nach NEFZ mit 2,26 Litern pro 100 Kilometern angegeben wird. Dem Fahrer stehen vom Cockpit aus neun verschiedene Hybrid-Modi zur Verfügung, die er mittels Drehschalter aktivieren kann. Zusätzlich verfügt das System über diverse Sensoren, die den Modus bei Bedarf auch automatisch anpassen, um auf Schlupf an den Antriebsrädern zu reagieren. Neben den Hybrid-Modi "Rekuperation", "rein elektrisch" und "Boost" gibt es auch eine Einstellung für Offroadfahrten.
Über die Einrichtungen der passiven Sicherheit hinaus bietet der neue Borgward BX7 eine Reihe von Assistenzsystemen, wie beispielsweise einen Stadt-Bremsassistenten mit Fußgängerdetektion, der bis zu einer Geschwindigkeit von 70 km/h funktioniert. Dazu kommen ein Kollisionsassistent mit aktivem Bremseingriff, ein Spurhalte-Assistent und ein adaptiver Tempomat mit Abstandshaltung, der bis 200 km/h wirkt. In unübersichtlichen Situationen, beispielsweise in engen Innenstädten, hilft die 360-Grad-Rundumkamera.
Zusätzlich zu den beiden genannten Antrieben befindet sich auch ein Dieselmotor in der Entwicklung.

Preis

Da der Borgward BX7 frühestens Anfang 2017 in Deutschland auf die Straße kommen soll, gibt es noch keine genauen Preise. Laut Firmenangaben wird der Verkauf jedoch bei rund 30.000,- € losgehen.

Quelle: Borgward