Artega Scalo - Elektrische Wiederauferstehung

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Delbrücker Sportwagenmarke ist zurück
- Weiterentwicklung vom GT zum Scalo
- Elektromotoren mit 300 kW Leistung



Wunder gibt es immer wieder und manchmal tauchen Namen wieder auf, die man eigentlich schon in den Tiefen der Geschichtsbücher verortet hatte. So auch in diesem Jahr auf der IAA, wo in Halle 8 eine Automarke ausstellt, die vor einiger Zeit eigentlich bereits in der Versenkung der Insolvenz versunken war. Die Rede ist vom Hersteller Artega aus Delbrück bei Paderborn, der nach nur 153 produzierten Fahrzeugen in Zahlungsschwierigkeiten geriet und die Fertigung einstellen musste. Eine genaue Auflistung der Geschichte würde an dieser Stelle zu weit führen, Fakt ist: Man ist zurück und bringt auch den Kunststoff-Sportwagen GT wieder mit - allerdings weiterentwickelt, unter dem neuen Namen Scalo und elektrifiziert. Dabei leitet sich der Name von einem erfolgreichen Rennpferd ab, das in der Nähe des Firmensitzes trainiert wurde und 2010 Galopper des Jahres wurde. Die Marke ist heute wieder Teil des Zuliefererkonzerns Paragon unter Leitung von Klaus-Dieter Frers, der den Artega 2007 erstmals vorstellte.

Exterieur

Die Grundform des Scalo dürfte Fans des Artega GT sehr bekannt vorkommen. Sie wurde 2006 von Henrik Fisker gezeichnet und nur in Details verändert. So erhielt die Karosserie aus Polyurethan und Carbon an der Frontschürze ausfahrbare Aero-Flics und farblich abgesetzte Einsätze in den Lufteinlässen. Die Scheinwerfer wurden auf LED-Technik aufgerüstet. Auch die seitlichen Lufteinlässe hinter den Türen erhalten neue Inlays, während auf der Motorhaube am Heck ein ausfahrbarer Flügel mit Gurney-Flap montiert ist, der sich manuell verstellen lässt. Hinzu kommen die komplett neu gestalteten, runden LED-Rückleuchten. Das Dach erhielt zwei Ausbeulungen und bietet dadurch im Innenraum mehr Kopffreiheit. Neu gestaltete Schmiedefelgen mit Zentralverschlüssen sorgen für eine Abrundung der sportiven Optik. Sie sind vorn 8,5 mal 20 Zoll groß und mit 245/35er Reifen bestückt, während hinten 11 mal 20 Zoll breite Felgen mit 295/30er Pneus zum Einsatz kommen. Dahinter verbergen sich die Scheiben der Brembo-Bremsanlage mit Sechskolbensätteln vorn und vier Kolben pro Sattel an der Hinterachse.

Interieur

Bei den Instrumenten im Interieur greift Artega voll auf Paragon-Komponenten zurück. Hierzu gehören das digitale Kombi-Instrument hinter dem Lenkrad und das MirrorPilot-Infotainmentsystem zentral im Armaturenbrett. Letzteres verfügt über einen verschiebbaren Touchscreen-Display aus Organischen Leuchtdioden (OLEDs) und versteht auch Gesten-Befehle. Smartphones können in einem Fach auf dem Mitteltunnel abgelegt werden, wo sie kabellos eingebunden und per Induktion aufgeladen werden. 13 Lautsprecher mit 800 Watt Leistung sorgen für perfekten Musikgenuss während der Fahrt. Wie bereits beim GT bietet auch der Artega Scalo einen Gesamtladeraum von rund 250 Litern, der sich auf den vorderen Kofferraum und die Ablagefläche hinter den Sitzen aufteilt. So lassen sich sowohl die Einkäufe als auch das Reisegepäck unterbringen.

Performance

Für die Herstellung des Antriebssystems greift Artega auf die Technik einer weiteren Paragon-Tochterfirma zurück: Firmenchef Klaus-Dieter Frers gründete die Firma Voltabox zur Produktion und Entwicklung von Lithium-Ionen-Batteriesystemen, Leistungselektronik und Elektromotoren. Dem entsprechend verfügt der Artega Scalo über ein voll elektrisches Antriebskonzept. Damit greift man eine Idee auf, die bereits mit der Markteinführung des Artega GT in Form von Prototypen erforscht wurde. Bis 2012 entstanden drei unterschiedlich bestückte Fahrzeuge zur Erprobung, zu einer Serienproduktion des "SE" genannten Wagens kam es hingegen nicht.
Wo einst ein V6-Triebwerk von Volkswagen wummerte sirren nun zwei Hochleistungs-Elektromotoren mit einer kombinierten Gesamtleistung von 300 kW (umgerechnet 408 PS) und 780 Newtonmetern Drehmoment. Als Peakleistung stehen kurzfristig sogar 390 kW (530 PS) für schnelle Überholmanöver zur Verfügung. Damit übertrifft der Scalo nicht nur die bisherigen SE-Prototypen sondern auch den kurzzeitig in Serie gefertigten Artega GT. Für den Sprint auf Autobahntempo vergehen lediglich 3,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h mit Rücksicht auf die elektrische Reichweite elektronisch abgeriegelt. Mit einer Akkuladung kann man bis zu 400 Kilometer weit fahren, wobei die Höchstgeschwindigkeit bei einem Ladezustand unter 25% automatisch auf 200 km/h abgesenkt wird.
Über eine Schnell-Ladestation mit 64 kW-Gleichstrom-Anschluss ist es möglich, den Scalo innerhalb von weniger als einer Stunde aufzuladen. Am Drehstromanschluss sind rund zwei Stunden und an einer Haushaltssteckdose etwa zehn Stunden. Das Leergewicht beträgt trotz Akkus und E-Motoren nur 1.585 Kilogramm.

Preis

Artega wird 12 Exemplare des Scalo auf Bestellung produzieren. Dabei liegt der Grundpreis bei 170.000,- € (inkl. MwSt.). Am ersten Pressetag der IAA waren bereits zwei Exemplare verkauft.

Quelle: Artega