Bugatti Vision Gran Turismo - Reale Studie

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Vision Gran Turismo mit W16-Triebwerk
- Bugattis Auto für Millionen von Fans
- erste Details des zukünftigen Modells



Im Vorfeld der IAA haben wir an dieser Stelle bereits über den neuen Bugatti Vision Gran Turismo für die gleichnamige Rennsimulation auf der PlayStation berichtet. Zu dem Zeitpunkt gingen wir, auch aufgrund des Ankündigungs-Pressetextes, davon aus, dass uns auf der Messe lediglich ein rollbarer, hübsch lackierter Tonblock erwarten würde - vergleichbar mit den Realumsetzungen von anderen Vision-GT-Modellen anderer Hersteller. Wie man sich doch irren kann.

Bugatti hat tatsächlich den Aufwand auf sich genommen, die Realumsetzung des Vision Gran Turismo als fahrbare Studie inklusive Interieur aufzubauen. Somit steckt vor der Hinterachse tatsächlich der acht Liter große W16-Motor aus dem Veyron, der hier jedoch ohne Schalldämpfer deutlich dumpfer vor sich hin brummeln darf als im Seriengewand. Ob das Triebwerk bereits mit den Modifikationen ausgerüstet wurde, die gerüchteweise im kommenden Supersportwagen stecken werden, behielt Bugatti für sich. Technische Daten des Vision Gran Turismo wurden nicht veröffentlicht.

Allerdings wurden im Rahmen der Präsentationen einige Sequenzen aus dem Simulationsrennspiel Gran Turismo 6 gezeigt, in denen der Bugatti auf dem Rennkurs von Le Mans gleich viermal pro Runde die 400-km/h-Schwelle überschreitet. Neben dem reinen Design, das zum einen die Rennhistorie aus den 1920er und 30er Jahren zitiert und zum anderen auf kommende Bugatti-Modelle hinweist, haben die Gestalter bei Bugatti diverse "Easter Eggs" versteckt - also kleine Details, die nur dem absoluten Freak auffallen.

So hält vorn der hufeisenförmige Kühlergrill mit integrierter Startnummer 16 die Frontspoilerlippe, quasi wie die Nase eines Formel-Rennwagens. Unterhalb der je vier LED-Scheinwerferspots wird Kühlluft angesaugt und zu den vorderen Bremsen geleitet. Alle sicherheitsrelevanten Bauteile wie der vorn an der Windschutzscheibe angebrachte Neutralschalter nebst dem Elektrikunterbrecher, die Türgriffe und die Abschleppösen sind rot lackiert. In Kombination mit dem blauen Fahrzeuglack und den hellen polierten Aluminiumspeichen der Felgen ergeben sich die Farben der französischen Flagge. Tatsächlich sind bei den Felgen die Speichen aus Aluminium gefertigt, während die Felgenbetten aus Carbon bestehen. Dies hat den einfachen Grund, dass Carbonspeichen die enorme Wärmeabstrahlung der Renn-Carbon-Keramikbremsscheiben nicht aushalten würden.

Die Deckel von Tank- und Öleinfüllstutzen sind mit jeweils 16 Schrauben befestigt, um auf die Anzahl der Zylinder im Motor hinzuweisen. Auch die Zentralverschluss-Schrauben an den Rädern tragen 16 Zacken. Wo wir gerade bei den Rädern sind: Für die Bereifung musste Michelin eigens Slicks anfertigen, da bislang auf keinem Rennfahrzeug weltweit 380 Millimeter breite Hinterreifen in 22 Zoll Größe verbaut wurden. Vorn sind die Reifen etwas schmaler und mit 21 Zoll Innendurchmesser auch etwas kleiner.

Längs über das Fahrzeug verläuft eine Finne im Stil des legendären Bugatti Type 57 SC Atlantic von 1936. Sie wird auch im Interieur fortgesetzt und trennt dort den Fahrerplatz von der Beifahrerseite ab. Außen ist in ihr am hinteren Ende die Kinematik für die DRS- und Airbrake-Funktionen des Heckflügels verbaut. Seitlich von ihr gibt es direkt hinter der Passagierzelle einen NACA-Lufteinlass. Oberhalb des Fahrers ist eine Notluke im Dach verbaut, wie sie inzwischen im GT-Rennsport üblich ist. Im Falle eines Unfalls können Rettungskräfte über diese Luke den Helm des Fahrers vorsichtig abnehmen, um ihn besser versorgen zu können.

Innen geben zwei hochauflösende Displays alle Informationen an den Fahrer weiter, die während eines Rennens oder einer schnellen Runde notwendig sind. Das eine Display befindet sich auf, das zweite hinter dem kompakt geschnittenen Sportlenkrad, das in seiner Form an vergleichbare Bauteile aus dem Prototypen- oder Formel-Rennsport erinnert. Beide Anzeigen sind dank neuester OLED-Technologie gewölbt und von hinten illuminiert, um störende Reflektionen zu verringern. Auf der Mittelkonsole ist im oberen Bereich eine Streckenkarte von Le Mans inklusive Kurvennummerierung angeordnet. Darunter befinden sich unter zwei roten Abdeckungen wie im Kampfjet die Schalter für Zündung und Benzinpumpe sowie noch weiter unten einige Bedienschalter für die wichtigsten Fahrzeugfunktionen.

Man darf gespannt sein, wieviele Details des Designs vom Vision Gran Turismo am kommenden Supersportwagen, der vermutlich auf den Namen "Chiron" hören wird, zu finden sein werden. Bugattis CEO Wolfgang Dürheimer sprach von einer Premiere in "nicht allzuferner Zukunft", was sich relativ einfach übersetzen lässt: Kommendes Jahr im März auf dem Genfer Automobilsalon.

Zusammen mit den Machern der Gran Turismo Spielereihe erstellte Bugatti ein kurzes Video rund um die Vision Gran Turismo:


Quelle: Bugatti