Ferrari F12tdf - Hommage an die Tour de France

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in News

- Leistungsstärkster Frontmotor-Ferrari
- 780 PS, 2,9 sek auf 100, +87% Abtrieb
- limitierte Auflage von 799 Exemplaren



Ferrari hat heute in Maranello die limitierte Ausgabe des Frontmotorsportwagens F12berlinetta, den F12tdf vorgestellt. Erste Kunden dürfen den Wagen im Rahmen der "Finali Mondiali" am 8. November in Mugello anschauen. Das neue Modell ist eine Hommage an die Tour de France, jenes legendäre Straßenrennen in den 1950er und 60er Jahren, das Ferrari häufig dominiert hat. Allein der Ferrari 250 GT Berlinetta gewann den Wettbewerb in vier aufeinander folgenden Jahren. Die Tour de France war stets ein Wettbewerb, bei dem Fahrzeuge erfolgreich waren, die maximale Leistung mit guten Fahreigenschaften kombiniert haben und es so den Fahrern ermöglichten, hunderte von Kilometern pro Tag sehr schnell unterwegs zu sein. Dieser Tradition folgt das neue Modell und stellt die perfekte Verwirklichung eines extremen Sportwagens dar, der sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke zu Hause ist.

Exterieur

Das im Ferrari Styling Center entworfene neue Supercar aus Maranello besticht durch eine stark überarbeitete Aerodynamik und ist ein Abbild der Intention von Ferrari, skulpturhafte Eleganz mit aerodynamischen Anforderungen zu vereinen. An der Front des Fahrzeugs fällt die extrem gestaltete Frontschürze auf, die mit einem motorsportinspirierten Splitter und Flügeln die Effizienz der Luftführung sowohl an den Seiten wie auch im Bereich des Unterbodens erheblich verbessert. Der Luftstrom wird über die Motorhaube geführt, dringt dann durch die neue "Aerobridge Evo" an die Seiten des Fahrzeugs und erhöht so den Abtrieb des F12tdf. Lamellenartige Lufteinlässe an der Seite der neuen Frontschürze führen die Luft gezielt an den Vorderrädern vorbei und verbessern die Bodenhaftung des Fahrzeugs. Ein von der Formel 1 abgeleiteter Frontflügel sorgt für kontrolliete Luftführung im Bereich des Unterbodens. Die Zu- und Ableitung der Kühlluft ist in das aerodynamische Konzept des neuen Ferrari integriert. An der Heckschürze befindet sich ein aktiver Diffusor, der hilft, den Luftwiderstand zu reduzieren. Die an den hinteren Kotflügeln angebrachten, aus dem GT3-Motorsport abgeleiteten drei Lamellen erhöhen den Abtrieb, indem sie den Luftstrom gezielt aus dem hinteren Bereich des Unterbodens abführen. Auch der vergrößerte Heckspoiler spielt im Gesamtkonzept mit, um den Abtrieb des F12tdf um 87% gegenüber dem F12berlinetta anzuheben. Bei 200 km/h liegen 230 Kilogramm auf der Hinterachse an. Zudem fallen die neu gestalteten hinteren Seitenscheiben und der Heckscheibenbereich sowie die Gestaltung rund um die Rückleuchten ins Auge. Hier unterscheidet sich der F12tdf deutlich vom F12berlinetta.

Interieur

Die kompromisslose Sportlichkeit des F12tdf findet sich auch im bewusst spartanisch gestalteten Innenraum des Fahrzeugs wieder. Armaturenbrett und Mittelkonsole sind großflächig mit Carbon verkleidet. Die einteiligen Türverkleidungen bestehen ebenfalls aus diesem extrem leichten Werkstoff. Statt traditionellem Leder verwendet Ferrari für die Sitze einen Mix aus Alcantara und einem "Technical Fabric" genannten Stoffgewebe. Statt auf das Handschuhfach schaut der Beifahrer auf ein einfaches Kniepolster. Im Fußraum finden sich weder Teppich noch Fussmatten, sondern nacktes Aluminium. Es war sichtbar Ziel bei der Entwicklung des speziellen F12, jedes mögliche Gramm an Gewicht einzusparen. Ergebnis dieser Radikalkur ist eine Einsparung von 110 Kilogramm im Vergleich zum F12berlinetta.

Performance

Der aus dem F12berlinetta bekannte V12-Saugmotor mit 6,2 Litern Hubraum wurde von den Ingenieuren in Maranello durch zahlreiche Modifikationen, wie zum Beispiel aus dem Rennsport bekannten mechanischen Stösseln und eine variable Geometrie der Ansaugtrichter wie in den Formel-1-Boliden, versehen, um eine Steigerung des Wirkungsgrads bei hohen Drehzahlen zu erreichen. Im Einzelnen bedeutet das eine Steigerung der Höchstleistung auf 574 kW/780 PS und damit eine spezifische Leistung von 125 PS pro Liter Hubraum. Das höchste Drehmoment beträgt jetzt 705 Newtonmeter und liegt bei 6.750 Umdrehungen pro Minute an. Bereits bei 2.500 Umdrehungen stehen 80% des maximalen Drehmoments zur Verfügung. Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt erst bei 8.900 Kurbelwellendrehungen in der Minute, eine für 12-Zylindermotoren in dieser Größe rekordverdächtige Zahl. So motorisiert beschleunigt der F12tdf in nur 2,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Nach 7,9 Sekunden liegt die doppelte Geschwindigkeit an. Der Bremsweg aus 100 km/h beträgt dank großzügig bemessener Keramikbremsen mit einteiligen, aus dem LaFerrari bekannten Bremssätteln nur 30,5 Meter. Für die Umrundung der Teststrecke von Ferrari in Fiorano benötigt der neue Bolide lediglich 1:21 Minuten. Ermöglicht wird dies auch durch das geringe Trockengewicht von 1.415 Kilogramm (wenn alle Leichtbaukomponenten der Optionsliste verbaut sind).
Durch eine überarbeitete Version des F1-DCT genannten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes mit einer um 6 % kürzeren Übersetzung und 30 % kürzeren Zeiten beim Hochschalten sowie 40 % schnelleren Gangwechseln beim Herunterschalten erfolgt die Kraftübertragung auf die Hinterräder. Hinzu kommt erstmals in der Ferrari-Geschichte eine Hinterachslenkung, die von den Italienern als "Virtual Short Wheelbase" bezeichnet wird, da sie den Wendekreis ähnlich verkleinert wie ein kürzerer Radstand. Die Überarbeitung des Fahrwerks basiert dabei auf den im XX-Programm gewonnenen Erfahrungen. Ziel der Ferrari-Ingenieure war es, ein extrem leicht und auch für weniger professionelle Fahrer gut zu bewegendes Fahrzeug zu entwickeln, das trotzdem bestmögliche Performance erreicht. Eine deutliche Verbesserung der Querbeschleunigung wird durch das neue Reifenformat 275/35 ZR 20 auf der Vorderachse und 315/35 ZR 20 hinten erreicht. Erstaunlicherweise bietet Ferrari auch Winterräder in etwas kleiner Grösse für den F12tdf an, die sogar für die Verwendung von Schneeketten geeignet sind. Ob allerdings jemals ein Kunde davon Gebrauch machen wird, darf bezweifelt werden.

Preis

799 Exemplare des Ferrari F12tdf werden gebaut. Zu den Preisen des neuen Supersportwagens machen die Italiener noch keine Angaben.

Ferrari hat rund um den überarbeiteten V12-Motor ein interessantes Video zusammengestellt (englisch):



Quelle: Ferrari