Wiesmann - Baldiger Neustart möglich

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Bislang letzter Wiesmann 2014 gebaut
- Neuanfang durch drei Investoren möglich
- erstes neues Modell bereits 2016 geplant

Vor zwei Jahren endete in Dülmen die Produktion in der Sportwagenmanufaktur Wiesmann. Diverse Fehler des Managements sowie unbezahlte Rechnungen bei Lieferanten führten zum einzig möglichen Ende an dieser Stelle: Insolvenz. Zwar bemühte sich der Insolvenzverwalter noch um eine möglichst schnelle Lösung der Finanzprobleme - nicht zuletzt um die Mitarbeiter an Bord zu halten - doch es half nichts, Anfang 2014 wurde das Kapitel Wiesmann in der Automobilgeschichte geschlossen.

Nun jedoch scheint sich das Geschichtsbuch einen ersten Spalt breit wieder zu öffnen. Ein britisches Brüderpaar mit indischen Wurzeln, Sahir und Roheen Berry sowie die ebenfalls in der britischen Hauptstadt London wohnhafte Anita Tatalovic planen, die Markenrechte, Gebäude und Grundstücke aus der Insolvenzmasse zu erwerben. Hierzu wurden bereits Anfang November drei Firmen an der bekannten Adresse "An der Lehmkuhle 87" in Dülmen bei Coesfeld gegründet: Die "Wiesmann Immobilien GmbH" kümmert sich um die Verwaltung von Gebäuden und Grundstücken, die "Wiesmann Automotive GmbH" hat die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Sportwagen als Firmenziel ausgegeben und die "Wiesmann International GmbH" schließlich kümmert sich um alle Lizenzrechte. Roheen Berry (36) ist in London in der Computerbranche tätig, während sein Bruder Sahir (32) in Indien Geschäftsführer der Tuningfirma "Sportwagen Performance" ist. Sie planen eine rechtsgelenkte Variante des kommenden Wiesmann-Sportwagens für den momentan im Luxussegment boomenden indischen Automarkt.

Allerdings besagen die bisherigen Informationen, dass den drei Investoren bislang weder die Halle mit der auffälligen Gecko-Konstruktion auf dem Dach, noch die Markenrechte oder gar die Produktionswerkzeuge für die bislang gebauten Modelle MF3, MF4 und MF5 gehören. Sie haben zwar bereits ihre Unterschriften unter die Kaufverträge im Gesamtwert von sieben Millionen Euro gesetzt, letztlich müssen über den Verkauf der Sachwerte und Markenrechte aus der Insolvenzmasse heraus die Gläubiger in Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter noch beraten. Dies wird in einer Zusammenkunft Anfang Dezember geschehen. Zudem dürfte es für das neue Team selbst bei einem positiven Entscheid schwierig werden, die Fabrikation schnell wieder in Gang zu bekommen. Die ehemaligen Mitarbeiter haben inzwischen neue Jobs gefunden und die ehemaligen Techniklieferanten von Wiesmann, hauptsächlich die BMW M GmbH, müssen auch erst einmal wieder überzeugt werden.

Somit dürfte die vollmundige Ankündigung, bereits im kommenden Jahr ein erstes neues Modell in Produktion zu nehmen, vermutlich verpuffen. Verstehen Sie mich an dieser Stelle nicht falsch: Ich bin der Letzte, der Wiesmann schlechtes wünscht. Dafür haben die bisherigen Fahrzeuge zuviel Fahrspaßgarantie zwischen den Rädern. Aber aus dem Nichts heraus annähernd zwei Jahre nach der endgültigen Insolvenz sowie drei Jahre nach dem letzten produzierten Wiesmann einen Neustart aus dem Boden zu klöppeln ist ein Mammutprojekt, vor dem man - sofern es gelingt - allerhöchsten Respekt haben muss. Allerdings halte ich 2017 als Präsentationsjahr für ein neues Modell für weitaus realistischer. So ergibt sich mehr Zeit, um die Firma ordentlich neu aufzustellen und mit Lieferanten vernünftige Verträge auszuhandeln.

Wir wünschen Wiesmann viel Glück und bleiben natürlich am Ball.

Quellen: Dülmener Zeitung, Automobilwoche, Amtsgericht Coesfeld, Archiv carsdaily.de (7 Fotos)