Bugatti - Neuer Sportwagen heißt Chiron

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in News

- Veyron-Nachfolger Präsentation in Genf
- Antrieb vermutlich durch 1.500-PS-W16
- E-Turbolader und Hybridtechnik vermutet
- benannt nach Werksfahrer Louis Chiron
- bereits über 100 Vorbestellungen erfolgt



Bugatti hat heute endlich bestätigt, was von so ziemlich allen Autofans längst vermutet wurde: Der kommende Nachfolger des Veyron erhält ebenfalls den Namen eines legendären Bugatti-Werksfahrers. Louis Chiron war einer der besten Rennfahrer in den 1920er und 30er Jahren und erfolgreichster Pilot der französischen Marke. Sein Name zierte bereits 1999 eine Konzeptstudie, die damals noch mit dem angedachten 18-Zylinder-Motor ausgestattet war, den 18.3 Chiron.

Zwar wurden noch keine technischen Details zum kommenden neuen Supersportwagen bekannt gegeben, allerdings erwarten Experten eine Weiterentwicklung des 16-Zylinder-Triebwerks aus dem Veyron, das dank neuer E-Turbolader und möglicherweise weiterer Hybridtechnologie auf rund 1.500 PS Grundleistung geschätzt wird. Nähere Informationen wird es vermutlich erst kurz vor der Weltpremiere auf dem Genfer Automobilsalon im März 2016 geben.

Bis dahin rollt eine Reihe von Prototypen über alle Kontinente, um jeden noch so kleinen Fehler im Vorfeld der Serienproduktion zu finden und auszumerzen. Zudem gilt es das vermutlich kürzeste Lastenheft in der Geschichte der Automobilentwicklung abzuarbeiten: "Wir machen das Beste spürbar besser." Wolfgang Dürheimer, Präsident der Bugatti Automobiles S.A.S., sagte: "Der Chiron wird in jeder Hinsicht neue Maßstäbe setzen. Wir werden weiterhin den leistungsstärksten, schnellsten, luxuriösesten und exklusivsten Serien-Supersportwagen der Welt bauen. Das ist der Anspruch Bugattis und unserer Kunden." Bereits im Sommer diesen Jahres hat der Vorverkauf mit exklusiven Kundenevents begonnen, bei denen die Interessenten in hermetisch abgeschlossenen Räumlichkeiten einen ersten Blick auf den neuen Bugatti Chiron werfen durften. Auf diese Weise sind bereits über 100 Bestellungen für das neue Modell eingegangen.

Mit Lydie Barre-Chiron hat Bugatti nicht nur eine Nachfahrin von Louis Chiron zum aktuellen Bugatti-Hauptsitz in Molsheim eingeladen, sie hat auch das Leben ihres berühmten Vorfahren zusammengetragen und eine Biografie geschrieben. In Molsheim durfte sie einen ersten Blick auf den kommenden Supersportwagen werfen: "Der Chiron ist ein moderner Supersportwagen, der auf Anhieb als ein Bugatti zu erkennen ist. Er sieht großartig aus, einfach prachtvoll. Bereits am Design lässt sich erahnen, dass der Wagen sehr kraftvoll und sehr schnell sein wird. Ich bin mir sicher, dass Louis Chiron heute stolz darauf wäre, dass ein so außergewöhnlicher Sportwagen seinen Namen trägt und noch dazu eine Marke repräsentiert, mit der er seine größten Erfolge verbindet."

Louis Alexandre Chiron war Monegasse und startete in seiner Rennkarriere für diverse Hersteller. Allerdings bleibt sein Name für immer eng mit Bugatti verbunden, da er mit den Modellen aus dem Elsass eine fast unzählbare Anzahl von Erfolgen feierte. Autofahren lernte er übrigens als 15-jähriger beim Chauffeur einer russischen Adligen, die seine Ausbildung förderte und im ersten Weltkrieg für eine Anstellung als Chauffeur des Generalstabs und der Marschälle im Hauptquartier der französischen Armee sorgte. Nach dem Krieg gründete Chiron mit William Charles Grover einen Garagenbetrieb mit Werkstatt und Autoverkauf in Nizza. Über Kontakte mit dem örtlichen Bugatti-Händler Ernest Friederich kamen beide in Kontakt mit der aufkommenden Rennsport-Szene. Zudem arbeitete Chiron nebenher als Fahrzeugüberführer für Friederich, um neue Bugatti aus dem Werk im Elsass an die Côte d'Azur zu bringen. Dies diente ihm als Fahrtraining und machte ihn mit Ettore Bugatti bekannt.

Mit einem Bugatti Type Brescia mischte Louis Chiron in der Folgezeit erfolgreich in der südfranzösischen Bergrenn-Szene mit, um schließlich 1925 mit einem Type 30 als Privatfahrer eine Reihe von Rennen und damit den Meistertitel des Motor-Club Nizza zu gewinnen. Dabei fiel er dem Unternehmer-Ehepaar Alice Hoffmann-Trobeck und Alfred Hoffmann auf, die den Pharmakonzern 'Hoffmann - La Roche" führten. Alfred Hoffmann kaufte Chiron für 1926 einen Bugatti Type 35, mit dem dieser durch zahlreiche Siege den Grundstock für seine spätere Berühmtheit legte. Im Folgejahr sorgten seine Erfolge im Type 35B für Aufmerksamkeit bei Ettore Bugatti und zur Ernennung zum Werksfahrer für 1930.

Zu den bedeutendsten Rennsiegen seiner Karriere zählen Erfolge beim Klausenrennen 1929 und 1930 sowie 1931 der Sieg als bis heute einziger Monegasse beim Großen Preis von Monaco. Ab 1933 startete Chiron gemeinsam mit Rudolf Caracciola im gemeinsam gegründeten Rennteam "CC", das jedoch nach Caracciolas Unfall beim Rennen in Monte Carlo wieder zerfiel. Weitere Rennen fanden bei der Scuderia Ferrari - dem damaligen Einsatzteam von Alfa Romeo - und im Werksteam von Mercedes-Benz statt. Als einzige Erfolge nach dem zweiten Weltkrieg gelangen ihm noch zwei Gesamtsiege beim Großen Preis von Frankreich. Mit fast 56 Jahren fuhr er 1955 in Monaco sein letztes Rennen, womit er der bis heute älteste Teilnehmer an einem Formel-1-Rennen ist. Anschließend übernahm er die Rolle des Rennleiters bei der Rallye Monte Carlo und dem Monaco Grand Prix auf Wunsch von Fürst Rainier III. Diesen Job hatte er bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1979 inne.

Quelle: Bugatti